Samstag, 29. November 2008, 11:43 Uhr

Michael Hirte das neue Supertalent? Dieter Bohlen spricht

Heute um 20.15 Uhr beginnt das Finale von “Das Supertalent”. Die letzten 10 Kandidaten müssen die Jury mit Dieter Bohlen, Sylvie van der Vaart und Bruce Darnell sowie die Fernsehzuschauer von sich überzeugen. Als Favorit gilt der älteste unter den Kandidaten und auch Dieter Bohlen sieht den 44-jährigen Michael Hirte Mundharmonikaspieler ganz weit vorne. Der ehemaliger LKW-Fahrer und “Hartz IV”-Empfänger ist seit einem Verkehrsunfall auf dem rechten Auge blind und sein rechtes Bein war viermal gebrochen und deshalb humpelt er heute noch immer. Gegenüber “Bild” favorisiert Bohlen aber auch Vanessa Krasniqi („Singt schon besser als Kelly Clarkson“),Yosefin Buohler („Wäre auch bei DSDS eine Top-Finalistin“) und Kugelvirtuose Kelvin Kalvus ( „Musik und Bewegung passen 100 Prozent zusammen“).

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Im Supertalent Finale:

Sängerin Yosefin Buohler, 13 Jahre aus Königswinter
Hip-Hopper Marcel Pietruch, 10 Jahre aus Bremerhaven
Trapezkünstler Christoph Haese, 21 Jahre aus Berlin
Derwischtänzer Shinouda Ayad, 31 Jahre aus Kiel
Sänger Carlos Fassanelli, 44 Jahre aus Bayreuth
Sänger Duri Krasniqi, 12 Jahre aus Spittal in Österreich
Sängerin Vanessa Krasniqi, 14 Jahre aus Iserlohn
Mundharmonika-Spieler Michael Hirte, 44 Jahre aus Karzow
Jongleur Kelvin Kalvus, 40 Jahre aus Dresden
Geigenspieler Lukas Wecker, 12 Jahre aus Kiel

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Hier das letzte unserer drei Interviews mit den Jurymitgliedern.
Dieter Bohlen über “Das Supertalent” und “DSDS”

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Du hast ja schon einige Talente gesehen? Was sagst du zu den Talenten?
Beim Supertalent bin ich immer sehr gespannt auf Leute, die außerhalb des Genres Gesang sind. Sänger haben wir ja bei DSDS, und beim Supertalent freue ich mich ganz besonders auf Künstler, die andere Sachen machen als singen. Wir haben zwar ganz tolle junge Menschen gefunden, die wirklich super singen. So sind z.B. drei Mädchen im Alter zwischen 12 und 15 Jahre dabei, die auch bei DSDS Minimum unter die Top 3 kommen könnten. Aber wir haben auch andere Talente gefunden: Der eine ist ein Tänzer – so was habe ich noch nie gesehen in meinem Leben. Ich habe fast den Mund nicht zugekriegt, weil mich das völlig überrascht hat. Dann habe ich einen Künstler gesehen, der etwas mit Kugeln macht – was sich erstmal langweilig anhört. Aber das war so schön, dass selbst der Bohlen ins träumen gekommen ist. Das ist das, worum es in dieser Show geht: dass plötzlich das Unerwartete auf der Bühne steht. Manchmal kommen Leute, wo man denkt, die haben bestimmt was drauf, sind aber Vollpfosten. Auf der anderen Seite gibt’s Typen, wo du denkst, „was will der denn?“ und dann beigeistert der das Publikum. Das ist ein paar Mal passiert. Und von diesen Künstlern, die man so noch nie gesehen hat, bin ich sehr begeistert.

In den meisten Ländern – wie auch in Deutschland letztes Jahr – haben trotzdem meistens Sänger gewonnen?
Die Emotionalisierung des Publikums mit einem Sänger ist natürlich relativ hoch. Musik geht einem unheimlich ans Herz. Wenn dann zusätzlich – wie in diesem Jahr – noch dazu kommt, dass die Mädchen nicht nur super singen, sondern auch noch unheimlich süß aussehen, dann werden die Menschen vor dem Bildschirm davon sehr gerührt sein. Dann könnte es schon passieren, dass dieses Jahr eine Sängerin gewinnen wird.

Was sagst du zu deinen Jurykollegen? Wie ist die Zusammenarbeit?

Sylvie habe ich ja in die Jury geholt, weil ich sie super finde. Sie bringt einmal eine Präsenz im visuellen Bereich mit, das ist der Wahnsinn! Die Frau sieht einfach klasse aus. Sie hat einen süßen Akzent, kann aber trotzdem gut mit Worten umgehen und ist der deutschen Sprache – bis auf ein paar Kleinigkeiten – echt mächtig. Sie hat eine super positive Ausstrahlung. Und Bruce ist ein absoluter Entertainer. Ich muss ganz ehrlich sagen: Das ist die weltbeste Jury! Ich habe noch nie in einer solchen Jury gesessen, die so unterhaltsam ist. Dass zu schlagen mit einer anderen Jury ist, glaube ich, im Moment unmöglich. Ich denke wirklich, das ist die beste Jury, die Deutschland je gesehen hat. Auch weil wir uns sehr gut ergänzen. Es sind nicht drei Menschen, die alle aus dem Musikgeschäft, sondern die aus ganz verschiedenen Bereichen kommen: Der Bruce aus dem Modelgeschäft, Sylvie mit ihrem Glamourfaktor hat in Holland bereits bei MTV moderiert und auch gemodelt, kennt das Fußballbusiness… Da kommt etwas zusammen. Die Jury ist für mich ein visueller Vulkan und auch ein Entertainment-Vulkan. Wenn wir drei uns da hinsetzen – da brauchen wir schon fast gar keine Kandidaten mehr – so unterhaltsam ist das – für eine Sendung würde das mindestens reichen. (lacht)

Fotos: RTL Kirchhof/ Pick

Wie unterscheidet sich die Arbeit bei DSDS und beim Supertalent?
Das ist ein völliger Unterschied – bei DSDS geht es um Musikkompetenz, da geht es darum, einen möglichst guten Sänger zu finden. Beim Supertalent geht es ganz klar auch darum, die Leute zu unterhalten Das ist mehr eine Entertainmentshow. Dort bekommen die Zuschauer einen breiten Strauß an Talenten geboten. Eigentlich ist „Das Supertalent“ die breitere Show und müsste auf Dauer erfolgreicher werden als DSDS. Es ist die Überraschung, die die Show ausmacht. Man weiß nie, was kommt als nächstes, kommt ein Jongleur, etwas mit Tieren, kommt ein Sänger oder irgendwas, was ich noch nie gesehen habe? Die Show bildet alles ab, alle Bereiche des Showgeschäfts und deshalb ist „Das Supertalent“ wahnsinnig interessant. Und bei DSDS geht es natürlich immer um Musik.

Du bist bei DSDS strenger in der Jury als beim Supertalent…
Das ist so! Aber das liegt daran, dass ich bei Kindern niemals beißen würde. Ich würde ein Kind nie angehen und dem ein Spruch um die Ohren hauen. Omis und Opis kann ich eh nicht beissen. Ich liebe Kinder, Omis und Opis und eigentlich auch alles, was dazwischen ist. Aber wenn da ein 23-jähriger Rapper kommt, der nicht weiß, wohin mit seiner Kraft und meint, er sei Robbie Williams und ist es nicht, dann sage ich dem schon ein paar Takte. Aber ich glaube, das Einfühlungsvermögen habe ich inzwischen, einzuschätzen ob das jemand abkann oder nicht. Natürlich können aber trotzdem immer Sachen passieren, wo man die Situation völlig falsch einschätzt.

Gibt es ein Talent, dass du gerne hättest?
Ich bin eigentlich ganz zufrieden mit dem, was der liebe Gott mir gegeben hat. Wenn ich noch mehr Sachen machen würde, würde ich langsam ein bisschen durcheinander kommen.

DSDS steuert auf einen neuen Bewerberrekord zu. Wie erklärst du dir das, dass es jedes Jahr mehr Bewerber werden?
Ich denke, die Leute sehen, dass unsere Gewinner in der Öffentlichkeit auch etwas bewirken. Die Medien greifen uns ja immer an, dass die Sieger relativ schnell weg vom Fenster sind. Und begreifen nicht, dass das fast schon zum Entertainmentbusiness dazu gehört . Es ist ganz normal, dass du ein, zwei Hits hast und dann auch wieder weg bist.
Auf der anderen Seite habe ich ja mit Mark Medlock auch gezeigt, dass es anders geht. Das hat es noch nie in der Musikgeschichte gegeben, dass jemand zwei Jahre hintereinander den Sommerhit hatte. Mark hat das geschafft, er war letztes Jahr wochenlang mit „You Can Get It“ auf Platz 1 und dieses Jahr wieder X-Wochen auf Platz 1 erfolgreich mit dem gewählten Sommerhit „Summerlove“. Auch Thomas Godoj ist sehr erfolgreich. Das kann man von den anderen Castingsstars nicht behaupten. Die Leute sehen, dass wenn sie bei uns weiterkommen, dass da wirklich was passiert. Und ich glaube auch, dass wir die Sache wirklich ganz gut machen bei DSDS.

Auch dieser Wahrheitsgehalt, die Ehrlichkeit in unserer Show wird anerkannt. Beim Supertalent habe ich letztes Jahr eine Frau, die wirklich abartig getanzt hat, ziemlich fertig gemacht,– da bin ich ganz ehrlich, weil ich es wirklich schlimm fand. Und die hat sich dieses Jahr wieder beworben – so schlimm kann es dann ja nicht sein, wie die Leute immer tun. Auch bei DSDS kommen diejenigen, die richtig eines über die Rübe gekriegt haben, immer wieder. Ob das jetzt Menderes ist, von dem wir das alle wissen, aber auch die anderen, die von uns gesagt bekommen, dass sie nichts können, sind jedes Jahr wieder dabei. Deshalb glaube ich, dass das in den Medien übertrieben wird, dass es die jungen Leute lange nicht so doll trifft, wenn sie eine ehrliche Meinung oder einen Spruch bekommen. Davon abgesehen, was die Leute so zu mir sagen: Da ist Wichser ja noch das Netteste.
Ich glaube schon, dass die Leute sich aufregen, dass sie in diesem Moment emotional total sauer sind auf mich und sich abreagieren, indem sie sagen: Bohlen ist ein Wichser, aber am nächsten Tag, oder eine halbe Stunde später ist das alles vorbei. Auf dem Schulhof herrscht ein viel rauerer Ton. Ich denke nicht, dass jemand bei uns groß leidet, wenn er ausscheidet, weil er nichts kann.

Du wurdest ja beim diesjährigen Supertalent-Casting von einem Kandidaten wegen Beleidigung angeklagt?
Ja, das war absolut lächerlich! Das Gericht hat mittlerweile entschieden, dass es ok war, dass ich das durfte und dass das keine Beleidigung war. Ich habe das ziemlich locker gesehen, weil es gerade in diesem Fall absolut haltlos war. Und ich hörte auch, dass man ihn aufgehetzt hat, das zu machen. Aber ich bin glücklich darüber, dass auch das Gericht jetzt entschieden hat, dass wenn man zu uns kommt, auch damit rechnen muss, die Wahrheit um die Ohren zu bekommen. Das sollte gewisse Grenzen nicht überschreiten – der Meinung bin ich auch – aber zu jemand zu sagen: ‚Du singst scheiße’ muss einfach drin sein. Das sagen andere Leute auch. Und die Leute müssen und sollen damit rechnen, dass sie so einen Kommentar bekommen. Ich finde das nichts Schlimmes.

Was wünscht du dir für die neue Staffel DSDS für Typen, Musikrichtungen?
Ach, das ist ja immer individuell. Ich hatte jahrelang gesagt, wir brauchen was deutsches, aber da bin ich auch wieder runter, das hat sich auch wieder gedreht. Ich bin immer auf der Suche nach einem neuen Xavier Naidoo, einem neuen Herbert Grönemeyer, dem neuen Rod Stewart, der 16 Jahre ist oder am besten dem neuen ‚was es gar nicht gibt’. Aber ich finde, wir haben letztes Jahr einen guten Job gemacht. Auch Fady Malouf und auch Linda sind tolle Künstler. Wir haben schon gute Leute gefunden, aber das kann man natürlich immer noch steigern. Die meisten Leute, die wir finden, sind ein bisschen austauschbar. Das kann man von einer Gruppe wie Tokio Hotel z.B. nicht sagen kann. Mir wäre lieb, da würde jemand stehen, der einzigartig ist, auch schon visuell, nicht nur von der Stimme, sondern ein Act, der ein bisschen ausgefallen ist. Nicht so wie – ich möchte jetzt Thomas nicht zu nahe treten – aber der sieht aus wie jeder andere auch. Ich würde mir jemand wünschen, wo man direkt denkt:’wow das ist ein Star!’, wenn der durch die Tür kommt. Denn Tokio Hotel sind bestimmt nicht so bekannt und berühmt, weil sie die besten Sänger Deutschlands sind – wahrlich nicht. Und diese visuelle Komponente plus das Neue, das wäre schon mal klasse.

Freust du dich auf die neue Staffel?
Wenn ich mich nicht mehr freuen würde, würde ich nicht mehr mitmachen. Es ist immer das Unerwartete, wer weiß was da dieses Mal passiert? Das ist das Gewürz in meinem Leben.

Interview Sylvia van der Vaart
Interview Bruce Darnell