Montag, 08. Dezember 2008, 11:16 Uhr

Ann-Kathrin Kramer in Sorge über Medienkonsum von Kindern

Als Botschafterin der Informationskampagne „medienbewusst.de“ engagiert sich Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer für den kindgerechten Umgang mit den Medien. Im Interview spricht  die Mutter eines elfjährigen Sohnes über die Gründe für dieses Engagement, ihre Sorgen in Bezug auf den Medienkonsum der jungen Generation und über die Möglichkeiten, schon den Kleinsten Medienkompetenz zu vermitteln.

Frau Kramer, welche Rolle spielen die Medien für Kinder und Jugendliche?
Unsere Kinder werden in einer anderen Welt groß als meine Generation. Medien gehören nicht nur dazu, sie
sind allgegenwärtig. Wir hatten Zeit, den Umgang damit zu lernen, aber unsere Kinder werden davon schnell
überflutet. Von daher halte ich es für wichtig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Es hilft nicht, es
einfach zu verteufeln. Wie alles hat auch die Medienlandschaft sein Für und Wider. Die Frage ist doch nur;
lerne ich Medien zu nutzen oder benutzen sie mich!
Und wie ist das bei Ihnen und Ihrer Familie?
Wir haben Handys, gehen ins Kino, hören Musik und natürlich wird auch fern gesehen. Dabei versuchen wir als
Erziehungsberechtigte mit gutem Beispiel voranzugehen und die Nebenbeinutzung zu verhindern. Überhaupt
glaube ich, dass man den Kindern viel erzählen kann. Wirklich lernen tun sie aber durch das, was man ihnen
vorlebt. Ich habe schon immer Hörspiele und Lesungen geliebt. Daher kommt mir der Boom auf diesem Sektor
sehr entgegen. Natürlich wurden für meinen Sohn irgendwann auch Computerspiele interessant. Glücklicher-
weise fesseln sie ihn meist nicht so, dass er die Kontrolle über das Spielen verliert.

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Kennen Sie diese Medienvielfalt aus Ihrer eigenen Kindheit?
Meine Brüder und ich haben früher sehr wenig fern gesehen. Ich kann mich aber nicht erinnern, dass mir das
besonders gefehlt hätte. Die Ursache dafür war sicher, dass meine Eltern ebenfalls sehr dosiert geguckt haben.
Wir hatten Schallplatten mit Märchen und Hörspielen und die wurden gehütet wie Schätze. Manche hörten
wir, bis wir sie komplett auswendig konnten. Computerspiele gab es nicht, das Radioprogramm für Kinder
beschränkte sich auf eine halbe Stunde pro Tag und Kinobesuche hatten Feiertagscharakter. Grundsätzlich
kann man sagen: all diese Medien dienten nicht der Berieselung oder Ablenkung. Die Nutzung war ein aktiver
Vorgang.
Also sollten Kinder bewusster an die medienwelt herangeführt werden. wer sollte diese Aufgabe Ihrer
meinung nach übernehmen?

Es ist sicher keine leichte Aufgabe, aber ich halte es für zwingend. Hier sind alle gefragt, die Kinder in die Welt
begleiten. Vor allem Eltern, Verwandte, aber natürlich auch Lehrer/innen, Erzieher/innen, leider manchmal
Premiumpartner: schon Kindergärtner/innen. Leider, weil Kinder meiner Meinung nach viel zu früh massiv mit Medien in Kontakt kommen – zumeist als ein Ersatz für den Babysitter. Man muss die Kinder nicht künstlich fern halten von diesem so präsenten Teil unseres Lebens. Es ist aber sehr wohl eine Frage der Dosierung und des bewussten Umgangs damit.
Welche Tipps würden Sie denn Eltern geben?
Es ist sicher gut zu wissen, wo die Gefahren lauern. Was sind das zum Beispiel für Spiele, die mein Kind nutzt.
Vor allem die Welt des Internets gilt es immer wieder neu zu erforschen. Damit ein Jugendlicher dort seine
geheime, private Welt haben kann, muss er zuvor lernen, was sich da an Risiken verbirgt. Jenseits von Spiel,
Spaß und erster Liebe. Aber zunächst liegt es an uns. Wir müssen uns in dieser Medienwelt zurechtzufinden.
Nur wenn wir wissen wovon wir reden, können wir unseren Kindern eine Hilfe sein. Ich denke da vor allem an
Computer- und Videospiele. Aber auch an Film und Fernsehen. Kommunikation ist da ganz wichtig. Wir müssen
das erlernte Wissen an die Kinder weitergeben – jeweils altersgemäß. Denn das Ziel muss doch sein, das Eltern
nicht „Big Brother-mäßig“ ihre Kinder kontrollieren, sondern ihnen nach und nach Medien zutrauen.

Trifft dies auch für Ihre Familie zu?
In unserem Haus regiert die sogenannte „heitere Strenge“. Es gibt feste Rituale, die aber durchaus auch einmal ge-
brochen werden können. Wir halten Ausnahmen für sehr wichtig, solange sie auch als solche wahrgenommen
werden. Es gibt fernsehfreie Tage für meinen Sohn. Ins Internet darf er allein noch nicht und wenn er ein Com-
puterspiel spielen will muss er fragen und wir handeln einen Zeitraum aus. Wir haben von Anfang an immer
über die Auswahl der Programme, Filme oder Spiele gesprochen und ihn aktiv daran Teil haben lassen. Für
manches hat er gekämpft, manchmal konnte er uns überzeugen oder auch einmal überreden. Aber unser Ziel
ist es immer, dass Kontrolle vermieden wird. Ich will mein Kind nicht kontrollieren, ich wünsche mir, dass wir
immer Regelungen finden, mit denen sowohl wir, als auch unser Kind gut leben kann.

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Zur Person: Ann-Kathrin Kramer wurde am 4. April 1966 in Wuppertal geboren. Bevor sie sich mit 26 Jahren
für die Schauspielerei entschied, verdiente sich die nun 42-Jährige ihr Geld als Schauwerbegestalterin und
Portraitmalerin. Ann-Kathrin Kramer ist Mutter eines elfjährigen Sohnes und mit dem Schauspieler Harald
Krassnitzer liiert. Berühmt wurde die Wuppertalerin unter anderem durch ihre Rollen in „Ein Zwilling ist nicht
genug“, „Die Nonne und der Kommissar“ sowie durch die Kriminalfilmreihe „Das Duo“. Neben der Schauspie-
lerei widmet sich Kramer auch der Literatur. 2007 erschien ihr erstes Kinderbuch „Matilda –oder die aus dem
Haus ohne Fenster“.