Dienstag, 30. Dezember 2008, 10:26 Uhr

Keine Gala zur 44. Goldenen Kamera

Das Axel-Springer-Imperium hat sich bekanntlich für 2009 angesichts der Finanzkrise, wo es an allen Ecken und Enden knirscht und kracht, eine Veranstaltungspause verordnet. In Konsequenz dessen findet die Verleihung der 44. GOLDENEN KAMERA der Zeitschift “Hörzu” nicht als öffentlich inszenierte Gala und Fernsehaufzeichnung statt. Stattdessen werden die Preisträger der 44. GOLDENEN KAMERA im Rahmen einer Pressekonferenz am 4. Februar 2009 bekannt gegeben. Sicher genauso unterhaltsam wie eine Gala – die keiner vermißt.

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Für ihre außergewöhnlichen Leistungen im Fernsehjahr 2008 hat die Jury drei Schauspielerinnen und drei Schauspieler nominiert, die um die GOLDENE KAMERA von HÖRZU in den Kategorien “Beste Schauspielerin”
und “Bester Schauspieler” konkurrieren. Bei den drei Künstlerinnen kommt eine Tugend besonders zum Tragen: Mut. Kombiniert mit der absoluten Hingabe an die Rolle unter Preisgabe jeglicher Eitelkeit. Die Nominierten in der Kategorie “Beste Schauspielerin” im Einzelnen:

Anja Kling gehört mittlerweile zu den festen Größen im Fernsehgeschäft. Als DDR-Flüchtige im Zweiteiler “Wir sind das Volk” wuchs sie 2008 jedoch über sich hinaus. Die Jury: “Man fiebert mit, leidet mit, hat nicht eine Sekunde lang das Gefühl, dass da jemand ‘spielt’. Diese Wahrhaftigkeit ist eine hohe Kunst.”

Claudia Michelsen bereichert die TV-Landschaft schon lange mit Rollen, in denen¬ sie seelische Tiefen ausloten darf. 2008 gelang ihr mit “12 heißt: Ich liebe dich” die Charakterstudie eines Stasi-Opfers, das sich in seinen Peiniger verliebt. Die Jury: “Wie Claudia Michelsen einen Ausnahmezustand darstellt, in dem Hass genauso möglich ist wie Liebe, das ist meisterlich.”

Jördis Triebel spielte sich vor zwei Jahren mit der Kinokomödie “Emmas Glück” nach vorn. In dem TV-Thriller “Das Geheimnis der falschen Mutter” gab sie eine Frau, die sich beim Kampf um ihr Kind verrennt. Die Jury: “Wie Liebe im Amoklauf endet, könnte einen x-beliebigen Thriller abgeben. Jördis Triebel aber glaubt man stets die seelische Not.”

Ein “Tatort”-Kommissar, der regelmäßig Alleingänge wagt, ein sensibler Menschendarsteller, der auch international gefragt ist und ein Künstler, der aus zwei Kulturen schöpfen kann. Die Nominierten in der Kategorie “Bester Schauspieler” im Einzelnen:

Klaus J. Behrendt, als “Tatort”-Kommissar Ballauf eine feste Größe, will mehr: In “Guter Junge” spielte er einen Vater, der erkennen muss, dass sein Sohn pädophile Neigungen hat. Die Jury: “Deutschland hat wieder einen tragischen Helden. Einen, der das Gute will und scheitert. Wie Behrendt in den Abgrund guckt und in jeder Geste, jedem Blick verzweifelte Hilflosigkeit zeigt, das ist große Schauspielkunst.”

Christian Berkel, demnächst mit dem Stauffenberg-Drama “Operation Walküre” im Kino, spielte den Politiker Helmut Schmidt bereits vor drei Jahren in “Die Sturmflut”. Jetzt schlüpft er erneut in diese Rolle, noch authentischer, im Entführungs-Thriller “Mogadischu”. Die Jury: “Wie Berkel den Menschen Schmidt geradezu osmotisch in sich aufsaugt, das zeigt genaueste Beobachtung und Empathie. Eine glänzende Leistung.”

Mehmet Kurtulus gab mit der Folge “Auf der Sonnenseite” seinen Einstand beim “Tatort”. Mit Kurtulus hielt ein neuer Typ Einzug, der  die türkische Kultur ins Krimiboot holt und damit dem fiktionalen Fernsehen ein weiteres Stück deutscher Normalität gibt. Die Jury: “Knallhart wie einsam, dabei zart besaitet – Kurtulus gibt dem Genre starke Impulse.”