Freitag, 09. Januar 2009, 14:24 Uhr

Dschungelcamp: Mobbing Girl Ingrid van Bergen?

Schon vor ihrem Einzug heute abend wurde die letzte große alten Dame des deutschen Films bewundert für den Mut. Und belacht für ihre putzigen Haarextensions, die sie nun wirklich keinen Deut jünger machen. Richtig berühmt wurde die 77-jährige, nachdem sie 1977 ihrem Anwesen in Starnberg/Bayern ihren Freund Klaus Knaths erschossen hatte. Nach fünf Jahren Haft ging sie auf ausgiebige Tournee durch sämtliche Talkshows des Landes. Danach spielte sie in vergessenen TV-Serien wie „Die Losbergs“, „Haus am See“, „Unser Lehrer Dr. Specht“ und „Bewegte Männer“.

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Ingrid van Bergen, Peter Bond und Musi Lugner.

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Ingrid van Bergen ist legendär dafür, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt. Genau wie in der Serie “Mobbing Girls”, die 1998 erstmals ausgestrahlt wurde. Da ging es um die eigenwilligen Damen in der Telefonzentrale eines Versandhauses, die gegen alle vorgingen, die versuchen, ihre eingeschworene Gemeinschaft auseinanderzubringen. Klingt wie Dschungelcamp! Und wir dürfen gespannt sein, wann und ie die Diva ihre Krallen ausfährt.

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Im großen Interview spricht sie  darüber warum sie unbedingt dabei sein wollte, über ihre fünf Jahre Knast, über Känguruhhoden und den Krieg.
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Was reizt Sie am Dschungelcamp?
Ingrid van Bergen: Ab in den Dschungel. Warum mache ich das? Weil man mich gefragt hat oder weil man mich gefragt hat. So ist immer meine allererste Antwort, wenn man wissen will, warum ich etwas mache. Das ist mein Beruf und das ist eine Variante dieses Berufes. Ich habe ja schon viel in meinem Leben gemacht. Ich habe Film und Fernsehen gemacht, habe Theater gespielt, synchronisiert. Ich habe politisches Kabarett gemacht. Ich weiß nicht, was ich alles gemacht habe, aber das ist doch eine neue Variante, das gehört mit dazu.

Aber was reizt Sie genau da dran?

Ingrid van Bergen: Alles. Es reizt mich natürlich alles da dran, weil alles ganz anders ist, als das, was ich bis jetzt gemacht habe. Die Herausforderung ist nicht nur Bühnenpräsenz, dass man seinen Text beherrscht, und dass man über die Rampe kommt und für das Publikum gut ist, sondern hier muss ich Aufgaben bewältigen. Möglicherweise stoße ich an meine Grenzen und ich kann mir beweisen, dass ich einen starken Willen habe, den ich glaube, wirklich zu haben. Ich finde das einfach wichtig, dass ich Aufgaben gestellt bekomme, die manchen Leuten unlösbar erscheinen und ich hoffe, sie zu lösen.

Als Sie gefragt wurden, mussten Sie da lange überlegen?

Ingrid van Bergen: Lange überlegen musste ich überhaupt nicht. Ich wurde gefragt und dachte, hoffentlich bin ich bei den zehn Leuten dabei.

Nun ist die Situation im Camp nicht immer ganz einfach. Gerade die psychische Belastung geht ja im Extremfall über vierzehn Tage. Haben Sie da gewisse Bedenken oder Ängste?

Ingrid van Bergen: Dazu kann ich sagen, da es ja überall in der Presse breit gewalzt wurde, ich war fünf Jahre im Knast. Was soll mich noch erschrecken? Also vierzehn Tage Dschungelcamp – ich musste im Knast natürlich keine Raupen essen, aber ich denke, fünf Jahre sind eine sehr lange Zeit.

Haben Sie trotzdem Ängste vor Menschen und gewissen Situationen?

Ingrid van Bergen: Ja, Menschen können mich ängstigen. Ich mag nicht, wenn Menschen unter die Gürtellinie schlagen, auch verbal. Und wenn sie nur um zu gewinnen andere Menschen versuchen, fertig zu machen. Damit kann ich nicht besonders gut umgehen und ich hoffe, ich bleibe dann höflich.

Sie bezeichnen Ihre Teilnahme im Dschungelcamp als weitere Variante. Einige Kandidaten aus den letzten Staffeln haben den Dschungel teilweise als Plattform genutzt, als Chance dafür, was danach kommt. Sehen Sie für sich darin auch eine Chance für irgendwas?

Ingrid van Bergen: Man darf natürlich den PR-Wert dieser Geschichte nicht unterschätzen. In den Medien so präsent zu sein, natürlich auch in den Printmedien, finde ich schon wichtig. Ich bin ja nicht Schauspielerin geworden, damit mich keiner kennt. Aber nun bin ich schon ziemlich lange im Job und ich denke, vielleicht ergibt sich daraus noch was, vielleicht auch nicht. Ich arbeite und werde noch arbeiten, bis ich tot umfalle. Wenn sich daraus nichts ergibt, lebe ich eben so weiter wie bisher. Und wenn sich was ergibt, ist es ein Geschenk, warum nicht?

Sie sind 55 Jahre im Beruf und eine taffe Frau. Hilft diese Lebenserfahrung?

Ingrid van Bergen: Ich denke schon. Lebenserfahrung hilft schließlich jedem. Ich denke, man hat in seinem Leben schon öfter Situationen zu bewältigen gehabt, die einem hier mit Sicherheit zugute kommen.

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Ingrid van Bergen: Bei zwei Dingen, die man mitnehmen kann, ist die Wahl wirklich ganz schwer. Kosmetik haben wir keine, nehme ich auch nicht mit. Wozu auch? Ich brauche im Dschungel natürlich keine Schminke. Ich brauche keinen Schmuck, ich brauche keine Uhr. Ich weiß nicht, was ich da brauche. Eigentlich bräuchte ich gar nichts, aber ich müsste mir mal die Haare zusammen binden. Ich denke, ein Haarband gilt bereits als Luxusartikel. Und damit wir nicht aussehen wie Hutzelweiblein nach der Zeit, müsste man vielleicht eine Creme mitnehmen. Und das wäre es dann schon.

Haben Sie mit dem Luxusverzicht ein Problem?

Ingrid van Bergen: Wenn man wie ich eine Kindheit hatte, mit Flucht und Vertreibung, Kälte und auf freiem Feld campieren – am Ende des Krieges war ich 13 Jahre alt und wir sind im März geflüchtet. Es war eisig kalt. Das Schiff ist untergegangen. Ich kann gar nicht sagen, was ich als Kind alles miterlebt habe. Das heißt also, was soll mich da eigentlich erschrecken? Und auf Luxus zu verzichten, ist für mich überhaupt kein Thema, weil ich lange auf Luxus verzichten musste und das ging wunderbar. Mein Großvater hat mal zu mir gesagt, weil ich ein Zuckerei nicht essen wollte – was ich heute noch nicht mag – eines Tages wirst du Kartoffelschalen essen. Ich hatte grauenhaften Hunger in den letzten Kriegsmonaten und ich habe Kartoffelschalen gegessen. Es war das Köstlichste, was ich je gegessen habe.

Würden Sie auch andere Dinge im Dschungel essen? Tierteile wie Känguruhoden?

Ingrid van Bergen: Das wird auf die Situation ankommen. Ich bin Vegetarierin. Und ich denke, ich werde mich da auf irgendeine Weise tapfer schlagen, wie auch immer.

Aber wenn es tatsächlich darum geht, Essen für die Gruppe zu beschaffen, würden Sie da auch über Ihren Schatten springen und das essen?

Ingrid van Bergen: Das werde ich dann wohl müssen, denn der Gemeinschaftssinn geht natürlich über alles. Vegetarier sein heißt ja nicht unbedingt, ein fanatischer Anhänger zu sein. Ich tue das, weil ich Tiere liebe und deshalb esse ich sie nicht. Aber in Ausnahmesituationen, wenn ich in den Anden mit dem Flugzeug abgestürzt wäre, da scheiden sich ja die Geister. Einer ist gestorben, weil er sich geweigert hat da als Kannibale zu leben. Und ich denke, ich gehöre zu denen, die Überlebenswillen haben. Ich hätte das auch getan. Und so wird es auch in solchen Situationen sein. Wenn ich den Kollegen helfen kann, außer Bohnen und Reis noch etwas anderes zu essen, dann werde ich mich wohl überwinden müssen.

Es hat sich in der Vergangenheit auch immer gezeigt, dass jeder im Camp ein Stück weit eine Rolle angenommen hat. Es liegt bei Ihnen natürlich nahe, dass Sie die Mutter des Camps sind oder werden. Haben Sie damit Probleme?

Ingrid van Bergen: Ja, damit habe ich ein Problem. Ich möchte nicht unbedingt die Dschungelmutter sein. Nur weil ich 77 Jahre alt bin und die älteste von allen, die je daran teilgenommen haben. Da gibt es bestimmt viel Begabtere dafür, die sich viel mehr dafür eignen Dschungelmutter zu sein. Aber das wird sich sicher in der Zusammensetzung der einzelnen Kandidaten vor Ort ergeben. Wenn also kein anderer da ist und ich gefordert bin, dann werde ich auch das machen.

Sie sind 77 Jahre alt, wirken topfit. Kann es trotzdem irgendwelche Probleme geben, in welcher Form auch immer? Können körperliche Probleme auftreten?

Ingrid van Bergen: Welche Probleme sollte es geben? Ich bin topfit. Wir werden ja auch durchgecheckt bis auf, was weiß ich alles und ich bin absolut topfit. Ich trainiere, ich mache alles. Ich bin ja auch im Sommer auf Rügen bei den Störtebeker Festspielen und das ist wirklich kein Zuckerschlecken. Wir machen da eine ganze Menge. Und was für ein Problem sollte es geben, wenn man gesund ist wie ich? Wenn man psychisch und physisch gesund ist?

Was trainieren Sie?

Ingrid van Bergen: Ich habe einen eigenen Fitnessraum und ich reite.

Sie haben sicherlich von der einen oder anderen Dschungelprüfung gehört. Wovor graut Sie es denn am meisten?

Ingrid van Bergen: Mir graut eigentlich vor gar nichts, muss ich sagen. Weil ich versuche meine Willenskraft einzusetzen, um mir dieses Grauen vor unangenehmen Dingen zu eliminieren. Das versuche ich einfach mit Überzeugung. Ich hoffe, dass es mir gelingt. Aber ich empfinde kein Grauen vor irgendetwas. Schon gar nicht vor körperlichen Anstrengungen.

Man hat ja im Dschungel nur ein Plumpsklo. Welche Probleme haben Sie da entsprechend mit dem Schamgefühl?

Ingrid van Bergen: Es gibt da diesen alten Witz, dass man zum Klo immer nur vier Stöcke braucht, zwei, die man in die Erde rammt, einen, den man drüber legt und den vierten, um die Wölfe wegzujagen. Das ist eine alte Geschichte aus Ostpreußen. Ich denke, damit habe ich keine Probleme, wenn die Kamera nicht gerade von hinten auf einen draufhält. Was soll da sein? Das sind alles menschliche Dinge.
Haben Sie mit dem Ausziehen beim Duschen keine Probleme?

Ingrid van Bergen: Ich weiß nicht. Wenn die Kamera scharf drauf ist, eine Frau in meinem Alter unbedingt nackt abzulichten – ich glaube nicht, dass die das machen. Da gibt es bestimmt schönere oder jüngere Kandidatinnen, vermute ich mal.

Was denken Sie, werden Sie in der Zeit am meisten vermissen?

Ingrid van Bergen: Vermissen werde ich meine Tiere, mit denen ich praktisch täglich zusammen bin. Aber ich bin oft weg. Insofern kann ich damit auch umgehen, die sind gut versorgt. Das ist für mich das allerwichtigste. Und ansonsten vermisse ich, nehme ich an, gar nichts. Ich werde auch viel zu beschäftigt sein mit alldem, was da auf mich zukommt, dass ich darüber gar nicht nachdenken werde.

Was für Tiere sind das?

Ingrid van Bergen: Pferde, Hunde, Katzen, Esel, alles Mögliche. Meine allerbeste Freundin versorgt die in meiner Abwesenheit.

Welche Tiere mögen Sie denn so gar nicht, die Ihnen vielleicht im Dschungel begegnen könnten?

Ingrid van Bergen: Da ich nicht weiß, was mir im Dschungel begegnen kann, weiß ich es nicht. Aber ich habe ja auch keine Spinnenphobie oder so irgendwas. Es ist schon gewöhnungsbedürftig, wenn eine Spinne mit langen Füßen über einen rüber krabbelt. Aber ich denke, dass man mit Selbstbeherrschung damit gut umgehen kann.

Sind Sie ein Typ, der auch ganz klar seine Meinung sagt?

Ingrid van Bergen: Ich bin berüchtigt dafür, dass ich immer die Wahrheit sage. Ich versuche, Menschen nicht zu verletzen, indem ich in der Wortwahl sehr vorsichtig bin. Aber ich bin im Beruf wirklich für meine Wahrheitsliebe berühmt-berüchtigt all die Jahre hindurch.

Das heißt, es könnte sein, dass es im Dschungel auch schnell mal knallt?

Ingrid van Bergen: Ich will nicht hoffen, dass es knallt, denn ich versuche auch immer diplomatisch zu sein und ich hoffe, es gelingt einem in dieser Ausnahmesituation auch. Wir sind ja nicht jahrelang zusammen gewesen, wo einem, wie bei einem Tick bei seinem Partner was auf die Nerven geht. Weder Zähne knirschen noch Suppe schlürfen. Das kann da ja gar nicht passieren in dieser relativ kurzen Zeit. Ich denke, da hilft Willenskraft einem schon weiter.

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Eigentlich sind 14 Tage schon eine relativ lange Zeit. Ist da so ein Lagerkoller nicht absehbar?

Ingrid van Bergen: Ich finde nicht, dass das eine lange Zeit ist. Die Zeit geht sicher fürchterlich schnell vorbei, vermute ich.

Ihre Zeit im Gefängnis bezeichnen Sie als Hawaii?

Ingrid van Bergen: Ja, weil das so eine schöne Geschichte ist, wenn ich zu Leuten sage, ich war fünf Jahre in Hawaii. Dann heißt es, nein, erzähl doch mal, wie war es denn da? Und ich sage dann immer fantastisch, nur die Wärter, die Wärter.

Aber diese Zeit hilft Ihnen heute wahrscheinlich?

Ingrid van Bergen: Ja, das denke ich. Ich bin da auch gut durchgekommen. Ich galt als angenehme Gefangene, weil ich mich Situationen anzupassen lerne und nicht rumrandaliere, wie das eben viele tun. Das bringt gar nichts und ist nicht sehr pragmatisch gedacht.

Was könnte denn die anderen an Ihnen nerven?

Ingrid van Bergen: Ich hoffe doch, es nervt nichts an mir, weil ich einfach versuche, mit denen gut auszukommen.

Vor Ort sind auch einige hübsche und attraktive Männer. Macht das die Zeit dort angenehmer und einfacher?

Ingrid van Bergen: Was hübsche, attraktive Männer angeht, bin ich wohl schon aus dem Alter raus. Wichtig ist für mich, dass jemand warmherzig auf Menschen zugeht und Mitgefühl hat. Wenn sich einer der Kollegen nicht richtig wohl fühlt oder es geht ihm an dem Tag nicht gut, dass er dann von den anderen Hilfestellung bekommt. Dass der nicht unbedingt auf den Rücken von anderen hochklettert, um Dschungelkönig zu werden, sondern, dass man wirklich versucht auf den anderen einzugehen.

Wie haben Sie sich denn in den letzten Wochen auf den Dschungel vorbereitet?

Ingrid van Bergen: Ich habe Rüdiger Nehberg gelesen „Wie überlebe ich in der Wildnis“. Den kenne ich, weil ich mit ihm mal Schneeleoparden getauft habe und das ist ein ganz toller Mann. Seine Literatur ist wirklich lesenswert. Das ist schon erstaunlich. Wir können das fast alles gar nicht anwenden, weil wir da ja auch Hilfestellung haben. Der musste bei seinen Regenwaldtouren alles alleine machen und der gibt wirklich unbeschreibliche Tipps. Zum Beispiel, wie man in der Wüste Wasser macht, wenn kein Wasser da ist. Man bohrt ein Loch in den Boden, hängt da irgendwas rein, ein Stück Stoff zum Beispiel, wartet die Mittagszeit ab, drunter stellt man eine leere Konservendose und das Kondenswasser tropft dann durch dieses Tuch aufgewärmt durch die Sonne, in diese Dose. Und da ist absolut sonst kein Wasser.

Wen nehmen Sie als Begleitperson mit?

Ingrid van Bergen: Eine Freundin.

Fotos: RTL/Menne/Gregorowius