Freitag, 09. Januar 2009, 13:44 Uhr

Robert Pattinson: "Es ist amüsant, einen Mann zu küssen"

“Twilight’ – Bis(s) zum Morgengrauen”, basierend auf dem Weltbestseller von Stephenie Meyer, schlug an den US-Kinokassen wie eine Bombe ein. Allein am Start-Wochenende spielte  die Vampir-Saga rund 70 Mio. Dollar ein und überholte damit sogar den neuen James-Bond-Streifen. Ein Rekord für Regisseurin Catherine Hardwicke! Denn kein Film eines weiblichen Filmemachers scheffelte jemals so viel Geld. Der Film kommt in Deutschland am 15. Januar ins Kino.

Im Tele 5-Interview sprach nun Robert Pattinson, der den Sprung in den Star-Olymp geschafft haben, über den ,Twilight’-Hype, das  Casting und den Erfolgsdruck.

Wie gehen Sie mit dem ganzen Hype um Ihre Person um?

Robert Pattinson: Das wird langsam zum Alltag für mich. Es ist zwar immer noch sehr aufreibend und erschöpfend, aber gleichzeitig sehr überwältigend. Wenn man inmitten all dieser Leute steht, die deinen Namen kreischen und du nach allen Seiten gezogen wirst, hat man manchmal das Gefühl, die Kontrolle über alles zu verlieren. Es ist ein komisches, sonderbares Gefühl, aber ich gewöhne mich daran.

Kommt man sich dann nicht vor wie ein Superstar? Genießen Sie das?

Nein, ich sehe das nur als Arbeit an. Mein Leben ist jetzt auch nicht viel anders. Ich mach immer noch dieselben Sachen wie zuvor. Das einzige, was sich geändert hat, ist, dass man nicht überallhin gehen kann, ohne erkannt zu werden. Ich bin gerade dabei, mich dieser Veränderung anzupassen.

Haben Sie diesen enormen Erfolg, den ,Twilight’ nach sich gezogen hat, erwartet?

Überhaupt nicht. Es war mein erster amerikanischer Film. Als wir anfingen, dachte ich, dass ist ein kleiner Film mit einem Mini-Budget und hatte keine Vorstellung davon, dass das so riesig werden würde. Nicht mal während des Drehs. Erst als die ganze Hysterie Monate nach Ende der Dreharbeiten ausbrach, hab ich erkannt, dass das einschlagen wird.

Wie erklären Sie sich diesen Erfolg? Warum lieben die Leute Vampire?

Ich finde es ist mehr als nur eine Vampir-Geschichte. Es ist eine sehr persönliche, intime und einzigartige Story. Es gibt nicht viele Geschichten, die das Leben der Teenager als etwas Seriöses darstellen. In den meisten Geschichten kommen Teenager sehr albern rüber. Und das passiert in “Twilight”, im Gegensatz zu andern Büchern oder Filmen, nicht. Er zeigt das Leben als Teenager ohne jegliche Ironie oder jeglichen Zynismus und nimmt deren Probleme und Gefühle ernst.

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Foto: Concorde Film

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Sie spielen als Edward einen sexy Vampir…

Dabei hat mir zum Teil auch die Regisseurin Catherine Hardwicke geholfen. Ich hatte meine Rolle als eine sehr traurige Figur angelegt. Sehen Sie, dieser Typ ist über 100 Jahre alt und denkt, dass es keinen Grund mehr für ihn gibt, weiterzuleben. Er kann seine wahren Instinkte nicht ausleben und hat Probleme, sich den Menschen anzupassen. Deshalb hab ich die Rolle anfangs auf eine sehr depressive Art gespielt. Catherine sagte mir dann: “Mach das nicht! Das sieht nicht sehr attraktiv aus.” Und sie gab mir mehr Selbstsicherheit und half mir, die Figur anders zu sehen und zu spielen.

Haben Sie schon für die folgenden drei Filme unterschrieben?

Für zwei.

Als Cedric in den ,Harry Potter’-Filmen oder auch als Edward in ,Twilight’ – Sie werden oft als tragische Figur besetzt. Wie kommt das?

Vielleicht wollen mich die Leute leiden sehen.(lacht) Keine Ahnung wieso, aber jede Rolle, die ich gespielt habe, hatte etwas Tragisches an sich. Solche Stoffe liegen mir besser.

Haben Sie noch Kontakt zu Daniel Radcliffe?

Nicht wirklich. Er arbeitet permanent und ich war seit fast einem Jahr nicht mehr in England. Aber wir sind gute Freunde und er ist ein wirklich cooler Typ.

In Ihrem nächsten Film spielen Sie den jungen Salvador Dali, der ja bisexuell war. Hatten Sie Schwierigkeiten, so eine Rolle zu spielen?

Es war eigenartig und etwas Neues, in dem Film einen Mann zu küssen. Aber es war auch sehr amüsant.(lacht)Ich würde Dali nicht als bisexuell bezeichnen, er war vielmehr asexuell, voller Neurosen, was Sex betraf. Er war ein sehr widersprüchlicher Mensch, sowohl in seiner Sexualität als auch in all seinen Emotionen.

Wieso haben Sie so eine Rolle angenommen? Wollten Sie von Ihrem Image als Teenagerschwarm wegkommen?

Den Dali-Film habe ich bereits vor ,Twilight’ gemacht. Ich versuche nicht von irgendeinem Image wegzukommen oder mir eins zuzulegen. Ich hab die Rolle gespielt, weil ich das Drehbuch sehr interessant fand. Ich hab mir da keine Gedanken über das Image oder generell über die Zukunft gemacht.

Es gab eine Riesenaufregung, als bekannt gegeben wurde, dass Sie Edward spielen sollen. Viele Fans hielten Sie für die falsche Wahl. Wie haben Sie sich da gefühlt?

Das hatte ich irgendwie kommen sehen. Die Leute haben bestimme Vorstellungen und Ideen. Viele haben in Edward den perfekten Mann gesehen und jeder hat in seinem Kopf ein anderes Bild vom perfekten Mann. Letzten Endes kann man es ohnehin nicht jedem rechtmachen und deshalb hab ich mich nicht wirklich darum geschert und einfach meinen Job gemacht.

Warum hat man gerade Sie gewählt?

Catherine Hardwicke und auch Kristen Stewart haben mir erzählt, dass ich beim Vorsprechen nicht versucht habe, Edward als selbstsicheren und starken Helden zu spielen. Ich habe versucht, ihn als eine verzweifelte und gebrochene Figur darzustellen. So hab ich ihn nämlich wahrgenommen. Und das mag vielleicht der Grund gewesen sein.

Für den Film haben Sie auch zwei Songs aufgenommen, die auf dem Soundtrack zu hören sind. Streben Sie auch eine Karriere als Rockstar an?

Nicht mehr. Die Songs hatte ich vor einem Jahr mit einem Freund zusammen geschrieben. Damals hatte ich vor, die Schauspielerei an den Nagel zu hängen und als Musiker weiterzuarbeiten. Dann kam der Dali-Film und kurz darauf ,Twilight’, der wie eine Bombe einschlug. Ich glaube, ich werde als Schauspieler weitermachen und den Kindheitstraum als Musiker fürs erste aufgeben.

Interview: Baris Aslatwoch

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Film-Präsentation auf Tele 5 in ,Wir lieben Kino – Das Magazin’, am Samstag, 10. Januar, 19.20 Uhr und am Mittwoch, 14.Januar, 00.15 Uhr.