Samstag, 10. Januar 2009, 13:21 Uhr

Günther Kaufmann: Unterteilung in A-, B- oder C-Promis ist beleidigend

Bis zu 5,87 Millionen Zuschauer sahen am Freitagabend ab 22.15 Uhr bei RTL die Auftaktsendung der vierten Staffel “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!”. Im Schnitt waren 4,99 Millionen Zuschauer ab 3 Jahre dabei (21,9 %), als Sonja Zietlow und Dirk Bach live aus Australien von den Ereignissen des ersten Tages im Dschungelcamp berichteten und Günther Kaufmann zur ersten Dschungelprüfung antrat. Heute erfahren wir mehr von dem Mann, der die erste Dschungelprüfung “Unglücksrad” antrat. Am 27. November 2002 wurde Kaufmann wegen eines von ihm gestandenen Mordes an seinem Steuerberater zu 15 Jahren Haft verurteilt. Mit diesem falschen Geständnis wollte Kaufmann seine an Krebs erkrankte, inzwischen verstorbene Ehefrau Alexandra decken, die für diese Tat drei Erfüllungsgehilfen gedungen hatte. Nachdem die tatsächlichen Täter verurteilt worden waren, kam Kaufmann wieder auf freien Fuß. Er widerrief sein Geständnis und erreichte eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Am 26. Januar 2005 wurde er von der 8. Strafkammer des Landgerichts Augsburg freigesprochen.

Unmittelbar nach dem Ende einer jeder Folge des Dschungelcamps gibt es auf klatsch-tratsch.de  stets eine Zusammenfassung der Ereignisse des Tages in Wort und Bild.

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Herr Kaufmann, was reizt Sie am Dschungelcamp?
Günther Kaufmann: Mich reizt natürlich die Herausforderung, ganz klar. Auf unbekanntem Terrain zu agieren und sich aufzuhalten. Unter solchen Umständen, die die schlimmsten sein müssen und das wahrscheinlich über eine längere Zeit. Das hoffe ich zumindest. Und natürlich die Leute kennenzulernen, die dabei sind, meine Mitstreiter und Mitkämpfer. Das alles ist sicherlich nicht uninteressant. Deshalb gehe ich in den Dschungel.
 
Mussten Sie da lange überlegen, oder war es schon immer ein Wunsch von Ihnen dort rein zu gehen?
Günther Kaufmann: Es war einerseits ein Wunsch, dort rein zu gehen. Andererseits gab es natürlich Argumente von wichtigen Menschen, die mir gesagt haben, als Schauspieler könnte mir das schaden. Es bestünde schon eine gewisse Gefahr, sich auf den Dschungel einzulassen, wenn man sich so präsentieren und quasi ausziehen muss vor den Zuschauern. Aber ich habe gesagt, ich glaube nicht, dass ich damit eine große Scheu verbinde oder damit Probleme habe, weil ich weiß, wer ich bin. Und viele wissen, was ich hinter mir habe in meinem Leben. Außerdem habe ich die härtesten Ausbildungen bei der Marine hinter mir. Ich war drei Jahre unschuldig im Knast. Also ich glaube, der Dschungel ist dann die Krönung der ganzen Geschichte.
 
Der Dschungel ist auch psychisch nicht so ganz einfach. Aber hört bei Ihnen schon heraus, dass Sie an sich glauben?
Günther Kaufmann: Ich glaube an mich und habe ja bereits gesagt, wo ich schon war. Und was ich hinter mir habe, war auch nicht einfach.
 
Haben Sie trotzdem irgendwelche Ängste oder Bedenken? 
Günther Kaufmann: Das einzige Bedenken, das ich habe, ist, dass ich nicht genug zu Essen kriege. Aber ich hoffe, die Kolleginnen und Kollegen fressen nicht so viel und geben mir was ab.
 
Es gab auch Kollegen, die das Camp als Schlankheitskur genutzt haben. 
Günther Kaufmann: Das muss ich nicht unbedingt haben, obwohl meine Tochter sagt, das würde mir gut tun. Sie muss es ja wissen. Sie muss ja nicht hungern.

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Sie haben bereits gesagt, es gab Freunde und Kollegen, die gewarnt haben, es könnte vielleicht Ihrer Schauspielerei nicht so gut tun. Kann es nicht vielleicht auch umgekehrt sein, dass es eine Chance ist, wie vielleicht für viele andere?
Günther Kaufmann: Nein, ich brauche keine neue Chance, denn ich bin gut im Geschäft. Ich darf Ihnen sagen, dass am selben Tag, an dem der Dschungel startet, ein großer Film im ZDF läuft: ’Soko Leipzig’. Ein 90-minütiges Special mit mir in der Hauptrolle. Die Leute wissen gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollen, aber das kann mir nicht schaden und dem Dschungel auch nicht. Danach kommt ein Film mit Bud Spencer, Terence Hill und Franco Nero in die Kinos: „Mord ist mein Geschäft, Liebling“. Dort spiele ich einen durchgeknallten Mafiaboss. Nächstes Jahr kommt „Wickie“ von Bully in die Kinos – mit mir als schrecklichsten Sven aller Zeiten. Also ich glaube, ich bin gut im Geschäft und muss nicht buhlen. Trotzdem sage ich, es ist eine Plattform und das ist das Positive, was ich mit dem Dschungel verbinde. Die Zuschauer sollen mich kennenlernen als Mensch Günther Kaufmann und nicht unbedingt als Schauspieler. Und einfach zu zeigen, dass ich auch unter äußerst widrigen Umständen mit Leuten sehr gut klarkomme, ihnen vielleicht helfen kann oder sie mir. Wie auch immer. Das alles ist nicht unwichtig, finde ich.
 
Zwei persönliche Dinge dürfen mitgenommen werden. Was werden Sie mitnehmen?
Günther Kaufmann: Ich werde eine Bürste zum Rücken kratzen mitnehmen, weil ich die Bäume nicht verletzen will und ein Kopfkissen.
 
Sie haben sicher „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ schon einmal gesehen und die entsprechenden Prüfungen. Wovor hat man da vielleicht am meisten Angst?
Günther Kaufmann: Das kann ich nicht sagen, das muss man dann sehen. Was ich gesehen habe, war im Prinzip alles unangenehm. Da war nichts dabei, was ich gerne machen würde. Ich muss es empfinden, wenn ich dort bin und mit den anderen reden. Und dann wird sich schon herausstellen, wer, was machen will und was nicht. So ist der Weg. Außer die Zuschauer befehlen mir, ich muss jetzt Würmer oder Känguruhoden essen – dann muss ich es eben tun. Deswegen gehe ich ja in den Dschungel. Dass es da nicht gebratene Spiegeleier und Täubchen gibt, ist mir schon klar.
 
Gibt es ansonsten irgendwelche Ängste vor Schlangen oder Spinnen bei Ihnen?
Günther Kaufmann: Ich habe gerade einen Film für ’Soko Leipzig’ in Namibia gedreht und hatte da auch mit Giftschlangen zu tun, die ich sogar küsse. Ich glaube nicht, dass ich da große Angst hätte. Natürlich ist es unangenehm, wenn einem eine Spinne oder eine Ratte über das Gesicht läuft. Das wünscht sich keiner. Aber damit muss man eben auch fertig werden, wenn man in den Dschungel geht. Sonst muss man daheim auf der Couch liegen bleiben. Da passiert so was wahrscheinlich nicht.
 
Sie haben also keine Probleme mit Luxusverzicht?
Günther Kaufmann: Nein, überhaupt nicht.
 
Wie sieht es mit dem Plumpsklo aus?
Günther Kaufmann: Das interessiert mich auch nicht. Ich war bei der Marine, bin zur See gefahren. Was glauben Sie, wo ich schon überall drauf gesessen habe?
 
Für Schamgefühl ist also dort kein Platz?
Günther Kaufmann: Für natürliches Schamgefühl schon, aber mehr nicht.
 
Gibt es grundsätzlich etwas, bei dem Sie wissen, dass Sie es vermissen werden? Familie, Freunde?
Günther Kaufmann: Nein, das gibt es nicht. Das einzige, was ich vermissen werde, sind volle Portionen und volle Teller. Das kann ich jetzt schon sagen. Nicht, dass ich ein Vielfraß bin, aber ich esse halt gerne. Alles andere wäre gelogen. Darauf muss man verzichten. Ansonsten ist es ganz gut, wenn man mal von der Frau ein bisschen Urlaub hat. Es muss ja nicht gleich der Dschungel sein, aber in diesem Fall ist es eben so.
 
Sie sind jemand, der offen seine Meinung sagt. Glauben Sie, dass es da unter Umständen auch mal mit den anderen Kandidaten krachen könnte?
Günther Kaufmann: Sicherlich wird es Diskussionen geben und nicht überall Sympathiekundgebungen für den ein oder anderen – und auch nicht für mich. Aber ich bin ein Mensch, der weder den Streit sucht noch den Zoff, wobei ich ihm nicht aus dem Weg gehe. Aber ich glaube, dass meine Mission mehr ist zu vermitteln und diejenigen, die das alles vielleicht weit mehr unterschätzen als ich, moralisch zu unterstützen. Ihr habt euch dafür entschieden und jetzt müsst ihr es ernst nehmen und nicht nach dem Geld oder Ruhm schielen. Da müsst ihr das Beste geben. Es gibt Leute, die mehr oder weniger belastbar sind. Was ich hinter mir habe, zeigt mir aus meiner Sicht, dass ich schon was aushalten kann. Natürlich kommen hier noch andere Umstände dazu: das Klima, die Viecher, die da rumlaufen, dauernd muss man das Feuer nachlegen, weil es nicht ausgehen darf. Zum Pinkeln musst du nachts mit der Öllampe durch die Gegend laufen. Das sind alles Dinge, an die man sich erst gewöhnen muss. Das ist alles nicht einfach. Trotzdem muss man im Bewusstsein haben, wo man hingeht und warum man dort hingeht. Das sollte jedem immer klar sein, wenn er so etwas macht. Was dann daraus entsteht, ist eine andere Geschichte. Aber man muss spüren, der gibt sich Mühe. Der weiß, worauf er sich eingelassen hat. Der kämpft, dass er dort drinnen sitzen kann und sieht es nicht als Spaß und Wichtigtuerei an. Ich glaube, das wären die falschesten Voraussetzungen dafür. Wenn es dann einer nicht schafft, durchdreht und sagt, ich kann nicht mehr, ist es nur menschlich und kann keinem zum Vorwurf gemacht werden. Nur die Absicht ist entscheidend.

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Fotos: RTL/Stefan Menne, Stefan Gregorowius

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Was könnte die anderen an Ihnen stören? 
Günther Kaufmann: Alles Mögliche. Vielleicht denken die, ich habe ein großes Maul, dass ich der Kaufmann bin und bekannt durch den Fassbinder. Ich bin ja eine Art Kultfigur, wenn Sie so wollen. Vielleicht werfen die mir den Knast vor. Was weiß ich, was die mir alles erzählen. Was auch Blödsinn wäre, weil ich unschuldig bin. Sonst wäre ich ja nicht hier. Natürlich gibt es Dinge, bei denen sie sagen werden, was meinst du denn, wer du bist? Es kann auch Neid und Missgunst sein, ich weiß es nicht. Normalerweise ist es so aus meiner Erfahrung, dass die Leute wissen, dass der Kaufmann ein ganz normaler Mensch ist. Ich komme aus einfachsten Verhältnissen. Ich bin stolz, was ich bis jetzt erreicht habe, und dass ich jetzt schöne Filme drehe mit wichtigen Leuten irgendwo in fremden Ländern, und dass man mich haben will und sich förmlich um mich reißt. Das ist alles wunderbar. Das hatte ich auch alles schon einmal bei Fassbinder vor 20 Jahren. Jetzt geht es wieder los und Gott sei Dank bin ich gesundheitlich in der Lage, dass noch alles zu bringen. Und darauf bin ich stolz und freue mich. Und wer das nicht so sieht, dem kann ich auch nicht helfen.
 
 
Wie in jedem Jahr sind auch diesmal wieder attraktive Frauen dabei. Macht das den Aufenthalt angenehmer? 
Günther Kaufmann: Das weiß ich nicht. Wenn die attraktiven Frauen mit der ernsthaften Absicht drin sitzen, die ich vorhin geschildert habe, ist es sicher sehr angenehm. Aber ich bin ja verheiratet und habe selber eine hübsche Frau. Trotzdem werde ich ein Äuglein riskieren. Das darf man ja noch. Alles andere wäre Quatsch. Man wird sehen, ob die alle so hübsch sind. Bevor ich ihnen den Rücken wasche, muss ich mir das schon überlegen. Ich bin ja schließlich verheiratet und meine Frau schaut sich das auch an. Ich glaube nicht, dass sie damit ohne Weiteres einverstanden wäre. Es sei denn, es ist eine ältere Freundin oder Kollegin. Da darf man das.
 
Was für einen Typ Frau haben Sie eigentlich?
Günther Kaufmann: Blond. Meine Frau ist blond und hat blaue Augen. Sie ist eine junge Frau, 36 Jahre alt. Ich bin jetzt fünf Jahre mit ihr zusammen und zwei Jahre lang verheiratet.
 
Wie haben Sie sich auf den Dschungel vorbereitet?
Günther Kaufmann: Ich habe neulich damit angefangen, indem ich morgens beim Frühstück nur zwei statt drei Spiegeleier bestellt habe. Das heißt, ich reduziere und werde auch am Sonntag nicht mehr ein halbes Kilo Schweinebraten essen, sondern nur ein Viertel und auch nicht mehr drei Knödel, sondern nur noch einen. Ich fange an zu reduzieren und das ist für mich das wichtigste. Denn das gefährlichste für mich sind nicht die Tiere im Dschungel. Das gefährlichste ist der Kohldampf.
 
Günther Kaufmann: Noch etwas in eigener Sache: Ich halte die Unterteilung der Menschen im Camp in A-, B- oder C-Promis schlichtweg für beleidigend. Denn irgendwie sind alle, die da sitzen, irgendwie bekannt. Sonst wären sie nicht drin. Das ist logisch. Wenn jetzt der eine vor 30 Jahren mal etwas gemacht hat und bekannt war, zeugt es davon, dass man ihn nicht vergessen hat. Das berechtigt ihn schon, sich Promi zu nennen. Es gibt keine A-, B- und C-Promis. Es gibt Promis, die haben mal was gemacht, sind bekannt gewesen und welche, die machen heute noch was oder erst was und sind jetzt bekannt. Aber alle, die dort sitzen sind Promis, wenn man auf dieses Wort Wert legt. Wenn man es tut, dann darf man nicht ungerecht sein. Es ist inhuman und bescheuert, zu sagen, das ist ein A-, B- oder C-Promi. Das geht in meinen Augen nicht. Und ich weiß, wie die Presse reagiert. Und die Presse wird spalten. Dazu ist sie da. Und sie wird drauf hauen und schreiben, der hat es nötig, warum geht der da rein oder die kennt man gar nicht mehr. Lebt die noch? Das sind Dinge, die ich für absolut inhuman halte und unmenschlich. Und das haut auch nicht hin. Sonst würden die Leute auch nicht einschalten. Sonst hätten diese Shows nicht so einen Marktanteil, den sie haben. Und die Leute gucken natürlich aus Schadenfreude einerseits, aus Neugier andererseits, aber aus Interesse grundsätzlich. Deswegen beleidigt man sie alle damit und das finde ich ungeheuerlich denen gegenüber, die dort drinnen sitzen. Das sind ja keine Deppen. Oder wollen Sie behaupten, dass ich ein Idiot bin. Den möchte ich sehen, der mir das ins Gesicht sagt.
 
Wer hat sie begleitet?
Günther Kaufmann: Meine Tochter Eva wird mich begleiten und auch kommentieren, was der Alte denn dort so macht.

Fotos: RTL