Sonntag, 11. Januar 2009, 22:50 Uhr

Der unwiderstehliche Charme des Nico Schwanz

Ein junger Mann namens Nico Schwanz zieht ins Ekelcamp. Keiner kennt ihn. Doch das ist den abgefeimten RTL-Strategen egal – denn offensichtlich setzen sie auf die spielerische Kraft des Nachnamens. Nico Schwanz (28), Dressman mit einer Ausbildung zum Glaser, Maler und Trockenbauer, jetzt Friseur, wurde im Jahre 2003 in Guatemala “Mr. Model of the World”. Ein herausragendes Essay über einen unbekannten Star: Mehr

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Nico Schwanz über seinen Einsatz im Dschungelcamp, Schamgefühl, Hoden-Essen und seine Popmusik:

Warum machen Sie mit?-WEssen

Nico Schwanz: Warum? Was mich reizt, ist die ganze Situation dort drinnen und die neuen Leute kennenzulernen, die auch dort sind. Dazu noch die Aufgaben dort zu bewältigen. Ich denke mal, dass ich vor nichts Halt machen werde. Aber es gibt wirklich Situationen, in denen man einfach nicht vorher, sondern erst dort weiß, wo eigentlich Ängste sein können. Einfach die Aufgaben zu bewältigen und wie früher in der Schule ein Ferienlager noch mal durchzumachen, nur viel größer diesmal, das reizt mich. Wir haben früher zu DDR-Zeiten in der Schule auch Prüfungen im Ferienlager gehabt, natürlich nicht solche, aber wir sind ja jetzt erwachsen. Da kann man ruhig ins Level vier oder fünf gehen. In der Schule war es eben Level eins.
 
Als die Anfrage kam, mussten Sie da lange überlegen oder war es vielleicht schon ein lang gehegter Wunsch von Ihnen, in den Dschungel zu gehen?
 
Nico Schwanz: Überlegt habe ich nicht lange. Ich habe gleich zugesagt, weil, wovor soll ich jetzt in erster Linie Angst haben? Dass sehe ich erst, wenn ich da bin. Man kann als Außenstehender sagen, dass man keine Angst hat, aber erst wenn man drinnen ist und die Aufgaben zu bewältigen hat, weiß man, wovor und ob man überhaupt Angst hat.
 
Waren Sie überrascht, als die Anfrage kam?
 
Nico Schwanz: Eher nicht, weil mein Management immer wieder mal was gesagt hat. Ich war im Ausland und mein Manager hat in der vorherigen Staffel gesehen, wie jemand im Dschungel Hoden essen musste und meinte nur so, Nico, ich will dich Hoden essen sehen. Das war so krass und seitdem zieht er über mich her, bis dann wirklich diese Anfrage kam und er sagte, jetzt ist es soweit, viel Spaß beim Essen. Daraufhin habe ich dann ok gesagt.
 
Die Zeit kann ja recht lang werden und vielleicht psychisch auch nicht für jeden so leicht. Haben Sie da Bedenken oder vor irgendetwas Angst?
 
Nico Schwanz: Ich kann nicht sagen, wovor ich Angst habe. Erst wenn ich dort bin. Mit Dunkelheit und engen Räumen komme ich eigentlich zurecht. Ich lag aber zum Beispiel noch nie in einem dunklen Sarg. Ich weiß nicht, wie ich mich da fühlen oder was ich da machen würde. Im Vorfeld würde ich damit klar kommen, Spinnen anzufassen und so. Also Ängste sind jetzt noch nicht da. Natürlich kann irgendwas kommen, was man noch nicht weiß. Wenn man irgendwelche Aufgaben machen sollte, über die man sich vorher nicht so Gedanken gemacht hat, was drankommen könnte. Ich denke, das mit dem Essen wird gehen. Das ist nicht so schlimm für die Psyche. Das wird gegessen und dann ist gut.
 
Es ist jetzt die vierte Staffel. Es gab schon viele, die im Dschungel waren und die Show später als Plattform und Chance genutzt haben. Gehen Sie auch mit dem Gedanken rein, dass das für Sie eine Chance sein könnte, wenn Sie reingehen, sich in irgendeine Richtung zu entwickeln?
 
Nico Schwanz: Ich denke, Eigenwerbung im positiven Sinne ist es immer. Um im Leben weiterzukommen, kann man es so sehen, wie bei meinem Modeljob. Da macht man auch eine Kampagne nach der anderen und wird weiter gereicht. Dann sieht der nächste das und sagt, den will ich gerne haben. Das ist ganz klar. Das andere Ding ist, ich bin nebenbei eigentlich schon sehr lange Sänger, was keiner weiß. Ich habe jetzt auch einen Plattenvertrag. Ich weiß, ich kann dort nicht gerade mit meiner CD rumwinken, aber wenn dann was auf den Markt kommen würde, wäre das natürlich eine Plattform, um zu sagen, hier, er singt jetzt.
 
Was singen Sie?
 
Nico Schwanz: Deutschen Pop. Wir gehen in die Richtung Rosenstolz und ich + ich. Da mittendrin. Aber als Einzelsänger. Einer meiner Titel heißt „Ich kenn mich selber nicht genau“. Das trifft auch zu. Diese deutschen Texte sind auch ein bisschen aus meinem Leben gegriffen. Und manchmal kenne ich mich wirklich nicht genau. Das Leben wird immer anders sein. Es gibt Höhen und Tiefen und die Situation, wenn man in diesem dunklen Sarg liegt, da wüsste ich eben nicht, was ich dort drinnen machen würde.
 
Haben Sie ein grundsätzliches Problem mit dem Luxusverzicht?
 
Nico Schwanz: Nein, überhaupt gar nicht. Ich brauche dort drinnen keinen Luxus für diese Zeit. Beim Zelten hat man ja auch keine Dusche mit. Als Modell bin ich zwar von mir eingenommen, aber ich werde auch viel dafür tun, mich im Camp sauber zu halten. Wenn ich wie ein Dreckspatz dort drinnen rumlaufe oder irgendeinen Stinkgeruch an mir habe, dann versuche ich den nächsten See zu finden, um es wieder los zu werden.
 
Sie haben also auch kein Problem mit dem Schamgefühl? Das heißt, Sie würden sich auch ausziehen?
 
Nico Schwanz: Komplett nackt? Scham habe ich da nicht, aber dann kriege ich Probleme mit dem Management. Man wird auf alle Fälle Fleisch sehen. Ich muss mich ja schließlich waschen.
 

 

Haben Sie Probleme mit diesem Plumpsklo?
 
Nico Schwanz: Ich bin ein Ost-Kind und wie wir damals mal umgezogen sind, gab es auch ein Plumpsklo. Da steht ja auch nicht jeder und hört mit jedem Ohr zu. Das macht mir auch nichts aus.
 
Und was werden Sie am meisten vermissen?
 
Nico Schwanz: Die Familie und die Freunde, eben das Wichtigste.
 
Sind Sie auch ein Typ, der seine Meinung sagt?
 
Nico Schwanz; Ja, ich sage schon, wenn mir irgendetwas nicht passt. Ich gucke mir eine Geschichte genau an. Von meiner Warte aus. Da ich einen Laden und Angestellte habe, muss ich auch Chef sein, wenn irgendjemand im Unrecht ist. Wenn ich Unrecht habe und andere sprechen mich darauf an, dann stelle ich mich dem auch und sage, ihr habt recht. Ich kann auch schon mal schnell kritisieren. Aber wenn jemand seine Meinung sagt, dann muss er auch etwas anderes vertragen. Wenn es falsch ist, hänge ich mich rein. Wenn es richtig ist, bin ich ruhig oder sage später noch was dazu.
 
Es kann ja durchaus auch zu einem Lagerkoller kommen.
 
Nico Schwanz: Ja, aber wenn so was aufkommt, kann man das auch wieder wie Menschen beruhigen. Man muss dann kein Theater machen, sondern sich wie ordentliche Menschen hinsetzen und es ausdiskutieren.
 
Was könnte andere an Ihnen nerven?
 
Nico Schwanz: Vielleicht, dass ich gerne kritisiere. Ich sage eben meine Meinung. Manchmal ist es falsch im Leben, da denke ich dann, hast du das jetzt gesagt oder gedacht? Manchmal ist es gut, weil ich ehrlich bin. Etwas Ehrliches zu sagen, um dann festzustellen, man hätte es besser nicht sagen sollen, ist vielleicht eine Geschichte, die nerven könnte.
 
Von welchen anderen Kandidaten haben Sie schon gehört und was halten Sie von ihnen?
 
Nico Schwanz: Ich habe gehört, dass Giulia Siegel in den Dschungel geht. Was ich nicht mag, ist, wenn Leute so Schickimicki sind. So an sich finde ich es nicht schlecht, wenn sie mitkäme. Aber wenn sie sich dann so Bussi-Bussi verhält, finde ich das nicht gut. Ich bin ein ganz normaler Junge. Ich weiß, wohin ich gehöre. Ich muss dort drinnen nicht einen auf ’guckt mich alle an’ machen. Ich muss mich da nicht in den Mittelpunkt stellen, dass ich da irgendwie fein aussehe.
 
Aber wäre das eine Frau, die Ihnen gefallen würde?
 
Nico Schwanz: Ich weiß nicht mehr, wie sie jetzt aussieht. Normalerweise ist sie ja auch Modell. Aber ich bin noch nie mit Giulia Siegel gelaufen.

Fotos: RTL/Stefan Gregorowius, Stefan Menne

 

 
Es werden ja mit Sicherheit attraktive Frauen dabei sein. Macht das die Zeit angenehmer?
 
Nico Schwanz: Ja natürlich. Schon deshalb, weil ich Single bin und seit über anderthalb Jahren wieder auf die Richtige warte. Es ist nicht schlecht, wenn dort Singlefrauen wären. Man kann schon ein bisschen schäkern. Aber es ist definitiv nicht so, dass ich dort mit dem Vorsatz rein gehe, jetzt finde ich hier meine Traumfrau. Wenn es passiert, passiert es. Wenn nicht, dann nicht.
 
Würden Sie sich denn zwischenmenschlich annähern?
 
Nico Schwanz: Ja sicher. Die Kameras sind für mich, wie sicher bei jedem Menschen, nach einer gewissen Zeit nicht mehr da. Das ist ja auch ein Projekt, wo man die Leute sieht, wie sie eigentlich sind. Und das finde ich auch gut da dran.
 
Haben Sie einen bestimmten Frauentyp?
 
Nico Schwanz: Das ist ganz unterschiedlich. Ich mag keine Ja-Sagerin. Eine liebe, romantische und gut aussehende Frau auf alle Fälle. Es würde auch kein Single-Mann behaupten, er geht auf hässliche Frauen zu und spricht sie an. Klar kommt dann noch der Charakter dazu und umso schöner wird dann der Mensch. Aber eine Frau mit Buckel würde mich jetzt nicht ansprechen, dass ich auf sie zugehen würde und sage, du bist es.
 
Wer wird Sie begleiten?
 
Nico Schwanz: Mein bester Freund Holger.