Dienstag, 27. Januar 2009, 14:19 Uhr

Berlin feiert Tina Turner

Berlin, O2World, gestern abend: Gerade mal das akademische Viertel ließ sie verstreichen und schon öffnete sich gegen 20.15 Uhr der schwere rote Samtvorhang in der mit 17.000 Leuten ausverkauften Arena und gab den Blick frei auf eine der größten Legenden der Musikgeschichte: Tina Turner.
Standesgemäß wie eine Rockqueen schwebte die fast 70-jährige 20m hoch über der jubelnden Menge und eröffnete das seit 9 Jahren lang ersehnte Hauptstadtkonzert zu den rockigen Klängen des 90er Hits “Steamy Windows”.
Keine Vorband, kein Vorgeplänkel – straight to the face und mit 150%iger Präsenz präsentierte Tina einen Hit nach dem anderen und überzeugte jeden sofort: Ja, sie kann es noch!
Nach Hits wie “Typical Male” und “Better Be Good To Me” konnte das Publikum zum ersten Mal Luft holen, als Tina in einer knallroten Robe mit 20m langen Schleier durch die sich teilende Riesen-Monitorwand in die Halle geschwebt kam, um die “Acid Queen” aus dem 76er Film zum Erfolgsmusical “Thommy” von The Who zu geben. Sie fegte über die Bühne, warf ihre viel beschwörten Beine in die Luft und steckte mit ihrer Energie auch die Zuschauer auf den hintersten Plätzen an.
Hier war alles live und handgemacht, kein Playback und keine riesigen Videoinstallationen, die vom Künstler ablenken; und das muss man auch nicht, denn die nur 1,60m kleine Tina ist auf der Bühne einfach die Größte und nach mehr als 50 Jahren brauch sie auch keine Tricks, um ihre zweieinhalb Stunden Shows erfolgreich zu bestreiten: Tina ist authentisch und singt einfach alle an die Wand, auch ihre Background-Sängerinnen Stacey Campbell und Lisa Fisher – eine beruhigende Abwechslung im Vergleich zu den Madonnas und Kylies dieser Welt.
Höhepunkt der ersten Halbzeit waren dann ganz klar die 80er Klassiker “Private Dancer”, “What’s Love Got To Do With It”, bei dem Tina sehr humorvoll zum Gesangswettstreit zwischen den Boys und Girls im Saal aufruf und der Finalsong vor der Pause “We Don’t Need Another Hero”, wobei Tina im Originalkostüm von Las Vegas Designer Bob Mackie im Käfiggestell à la Donnerkuppel aus dem Film die Massen beeindruckte.
Die 30-minütige Pause war auch der einzige Hinweis am ganzen Abend, dass die Queen of Rock inzwischen in die Jahren gekommen sein könnte. Live auf der Bühne und in den traumhaften Outfits von Modezar Giorgio Armani und auf Louboutin-Stilettos mit der berühmten roten Sohle, konnte man problemlos vermuten die Rocklady sei erst Mitte vierzig; von der Energie und den Tanzeinlagen ganz zu schweigen.
Das Ende der Pause wurde den Zuschauern mit einem emotionalen Bilder-Medley aus Tinas 50-jähriger Karriere und zu den Klängen von “Way Of The World” versüßt und sogleich präsentierte die Rockröhre auch ihre ruhigere Seite, als sie den Beatles Klassiker “Help” oder den Blues-Hits “Undercover Agent For The Blues” sitzend auf einem Barhocker à la MTV Unplugged performte.
Doch gerade mal vier Songs lang hielt es Tina sitzend aus, um sogleich stimmgewaltig mit “It’s Only Rock’n’Roll” über die Bühne zu fegen.
Der Saal war noch am Brodeln, als sich die Bühne plötzlich in eine James Bond Szenerie verwandelte und Tina in einer atemberaubenden bodenlangen schwarzen Armani-Robe durch das “Golden Eye” geschwebt kam, um den gleichnamigen 95er Bond-Hit zu spielen. Von hier an ging es Hit auf Hit weiter, von dem Robert Palmer Song “Addicted To Love” über “Proud Mary” und “Nutbush City Limits” bis hin zum absoluten Höhenpunkt “The Best”, bei dem spätestens jeder im Saal stand und Tina lautstark zu verstehen gab, dass sie wirklich “Simply The Best” ist.
Und das ist auch das perfekte Synonym, um das erste von zwei Hauptstadtkonzerten der Rockröhre zu beschreiben: “Einfach the Best!” Weiter so, Tina! Heute Abend gibt sie die zweite Show in Berlin.

Foto: EMI/ Andrew Macpherson