“Vanity Fair” wird eingestellt

Mittwoch, 18. Februar 2009, 11:34 Uhr

Die Liebe der Deutschen zur “Vanity Fair” hielt nur zwei Jahre: Die deutsche Ausgabe der Zeitschrift “Vanity Fair” wird eingestellt. Der Verlag wollte sich auf Anfrage dazu bisher nicht äußern, berichtete das Branchenportal “kress.de”. Vor kurzem war Condé-Nast-Chef Bernd Runge zurückgetreten. Jonathan Newhouse hatte daraufhin eine  Bestandsgarantie für “Vanity Fair” abgegeben. Nun kommt doch das Aus: Vermutlich haben die hohen Kosten der ambitionierten Zeitschrift das Genick gebrochen. Die Finanzkrise und die damit ausbleibenden Werbeumsätze dürften einen großen Anteil haben.

Am 22. Januar hieß es noch, Chefredakteur Nikolaus Albrecht gibt seinen Posten zum Jahresende auf, wolle wieder zurück nach New York. Albrecht war Nachfolger von Ulf Poschardt, der diese Funktion nach nicht einmal einem Jahr abgegeben hatte. Mit der Suche nach einem neuen Chefredakteur für die Zeitschrift sei jedoch eine in Paris ansässige Personalberatung betraut worden.

“Vanity Fair” wurde ursprünglich 1868 als britische Wochenzeitschrift von Thomas Gibson Bowles gegründet. 1913 erwarb der Verleger Condé Nast die Rechte an dem Namen Vanity Fair für den amerikanischen Markt.

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Die erste Ausgabe vom Februar 2007 und die aktuelle Ausgabe von letzter Woche:

Fotos: Conde Nast

Die letzte deutsche Ausgabe des Prestigeprojektes erscheint am morgigen Donnerstag. Jonathan Newhouse, Chairman von Condé Nast International, erläutert im  Interview mit dem Medien- und Marketingportal “Horizont”:

“Wir haben alles getan, was wir konnten. Wir haben talentierte Leute eingekauft, in den redaktionellen Inhalt und Werbung investiert und eine beachtliche Menge Geld, Zeit und Energie aufgewendet. Am Ende waren wir damit nicht erfolgreich. Es gibt eine Zeit zu kämpfen und eine Zeit sich zurückzuziehen”, sagt Newhouse im Interview.

Zwar habe sich die Auflage von “Vanity Fair”, das als das ambitionierteste Projekt Condé Nasts außerhalb der USA galt, erfreulich entwickelt. Angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise, sei es jedoch nicht möglich gewesen, die gesetzten Ziele zu erreichen.  “In diesem Markt sind die wirtschaftlichen Perspektiven nicht nur in Deutschland, sondern weltweit sehr schlecht. Die Krise ist vergleichbar mit der großen Depression in den 1930er Jahren. Condé Nast Deutschland ist Teil einer größeren Organisation, die denselben ökonomischen Druck verspürt wie andere große Medienhäuser.”

Noch vor zwei Monaten hatte Newhouse in einem Zeitungsinterview beteuert, an “Vanity Fair” festhalten zu wollen. “Als ich das damals gesagt habe, habe ich es auch so gemeint. Ich war ehrlich. Ich wollte ,Vanity Fair’ so lange herausbringen, bis wir unser Ziel erreichen. In einem normalen wirtschaftlichen Umfeld hätten wir weitergemacht,  aber das ist in dem aktuellen Umfeld nicht möglich.”

Condé Nast lebt zum Großteil von Anzeigenerlösen, die bereits seit letztem Herbst branchenweit drastisch eingebrochen sind. Newhouse prognostiziert für die gesamte Zeitschriftenbranche 2009 einen Rückgang der Anzeigenumsätze um ein Fünftel. Der aktuelle Rückgang im Markt trifft das Verlagshaus schwer. “Das trifft uns natürlich, denn  Werbung ist die Hauptumsatzquelle für all unsere Magazine”, sagt Newhouse.

Nach Branchenschätzungen soll “Vanity Fair” das Unternehmen mit einem Verlust von 18 bis 20 Millionen Euro jährlich belastet haben. Zuletzt verkaufte das Magazin rund 200.000 Exemplare (IVW IV/2008). Der Internetauftritt www.vanityfair.de soll erhalten bleiben.

Die letzte Ausgabe vom 19. Februar 2009:


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