Musik: Adele dominiert überraschungsarme Grammy-Verleihung
Am Sonntagabend nordamerikanischer Zeit wurden in Los Angeles die begehrten Grammy-Awards verliehen. Die mehrstündige Musik-Gala stand wie zu erwarten...
Sonntag, 22. Februar 2009, 18:37 Uhr
„Auch wenn der ECHO 2009 noch nicht ganz die Resonanz bei den Fernsehzuschauern gefunden hat, die wir uns gewünscht haben, hat das neue Konzept mit viel Glamour, Humor und Emotion überzeugt. Bei den jungen Zuschauern war die Live-Übertragung mit einem Marktanteil von 13,1 % durchaus erfolgreich. Gemeinsam mit dem Veranstalter, dem Bundesverband Musikindustrie, und der Produktionsfirma MME werden wir auch in den nächsten beiden Jahren alles daran setzen, es zum TV-Höhepunkt der Musikbranche werden zu lassen.” Das ist das knappe Statement von Volker Herres, Programmdirektor der ARD. Hier Herres´ Quoten in konkreten Zahlen: Beim “Echo” sahen nur 3,07 Millionen Zuschauer zu. Eine Katastrophe.
Der “Spiegel” schreibt: Man darf die deutsche Musikwirtschaft für ihre schmierigen Crosspromotionaktionen verachten, man darf sie aber auch als Vorreiter einer neuen Ökonomie feiern, der wir uns wohl alle irgendwie unterzuordnen haben: Keiner will oder kann mehr etwas für Musik ausgeben, das Popgeschäft aber bringt seinen Apparat jedoch seit Jahren irgendwie über die Runden. Als das Wort Krise noch lange kein gesamtgesellschaftliches Phänomen beschrieb, da kollabierte ja bereits eine Plattenfirma nach der anderen. Trotzdem feierte die Branche jedes Jahr aufs Neue sich selbst und ihre immer magereren Verkaufserfolge bei der “Echo”-Verleihung. Weitere Kritiken unten.
Die Preisträger und mehr Bilder: Hier
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Foto oben: U2 eröffneten die Show, gaben ihre neue Single “Get On Your Boots” zum Besten. Foto unten: Erster Preisträger des Abends: Ich & Ich. Einer der eher seltenen Momente, das sich die blendend aussehende Produzentin Anette Humpe (58) und Adel Tawqill zusammen zeigen. Madame geht nämlich nie mit auf Tour.
Oben: Katy Perry hatte ihre Brit-Awsrds-Grippe einigermaßen auskuriert und präsentierte ihre aktuelle Single “Think of You” wie alle anderen im Vollplayback. Unten: Amy McDonald bekam einen Preis als erfolgreichster Newcomer International und sang ihren Hit „This Is The Life“.
Oben: Ein Duo par excellence – Die beiden Preisträger Lionel Richie und die Schweizer Stefanie Heinzmann sangen zusammen den Klassiker “River Deep, Mountain High”. Unten: Gewohnt bescheiden: Preisträger Paul Potts.
Oben: Preisträger Peter Fox, der seiner Mutter dankte. Unten: Preisträger “Die Toten Hosen“. Zum ersten Mal in der Bandgeschichte gabs ein Duett. Campino sang mit der österreichischen Schauspielerin Birgit Minichmayr die Ballade “Auflösen”.
Oben: Bruce Darnell überreichte Schlagersängerin Helene Fischer gleich zwei Preise und legte einen jämmerlichen Auftritt hin und erzählte nur dummes Zeug. Oliver Pocher kommentierte danach bösartig: „Warum hatte Bruce Darnell mit seiner Show in der ARD keinen Erfolg? Sie haben den Grund gerade gesehen.“ Die 24-Jährige Helene ist übrigens Deutschlands erfolgreichste Schlagersängerin und Lebensgefährtin von Volksmusik-Moderator Florian Silbereisen. Unten: Rosenstolz-Sängerin Andrea Natalie Neuenhofen aka “Anna R” nimmt einen Preis allein entgegen. Peter Plathe leidet unter einem Burn-Out.
Oben: Depeche Mode stellten als Höhepunkt der Show erstmals ihre neue Single “Wrong” vor. Unten: Preise fürs Lebenswerk gibt ja immer für diejenigen, die längst in der Versenkung verschwunden sind. Diesmal traf es die Scorpions.
Oben: Die Kritiken für Oliver Pocher und Barbara Schöneberger reichten von “grauenhaft” bis “sie retteten den Abend”. “Seine Bösartigkeiten (die charmante Barbara Schöneberger stand ihm kaum nach) waren das Beste an der Echo-Verleihung – sieht man von einigen wenigen musikalischen Höhepunkten ab.”, schreibt die FAZ. Unten: Udo Lindenberg (62) war wie immer gut drauf. Der 70er Jahre Deutschrocker nuschelte gewitzt: „Hier sind ja viele junge Leute am Start, die denken sich, was ist das denn für ein Newcomer mit dem Hut. Die kennen die ganzen alten Dinger gar nicht.”
Oben: Preisträgerin Stefanie Heinzmann, bekam den Preis kuriserweise von Bushido. Unten: Showact Sasha mit neuer Single “Please, Please, Please”
Oben: Preisträger und Vorjahres-DSDS-Sieger Thomas Godoj. Mutiger Laudator: Florian Silbereisen. Nachdem sich Oliver Pocher über Silbereisen und dessen „rote, frischgebügelte Glücksunterhose“ lustig gemacht hatte, schlug der Volksmusikstar schlagfertig zurück: „Ich bin es wirklich“. Denn er unterstütze gerne Nachwuchskollegen: „Alles Gute, Oliver Pocher.“
Unten: Der mit Spannung erwartete Auftritt des deutschen Beitrages zum Eurovision-Song-Contest “Alex sings Oscar swings“. Riesenshow mit dem durchweg kalkulierter Song „Miss Kiss Kiss Bang“. Sänger Oscar Loya legt sich mächtig ins Zeug, doch das Publikum blieb eher zurückhaltend.
Fotos: ARD/Max Kohr
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Die “Stuttgarter Nachrichten” kommentieren: Der Echo ist musikalisch auch dieses Mal eine Mischung aus verspätetem Jahresrückblick und eine Beleidigung der Zuschauer-Intelligenz. Da für die Nominierungen nur die Verkäufe zählen, ist Langeweile vorprogrammiert: Alles schon einmal gehört und gesehen.
Der Medien-Branchendienst “kress” schtreibt: Hoch gepokert, hoch verloren: Die Verleihung des “Echo 2009″ im dunklen Rund der Berliner 02-Halle war nicht nur eine zähe Veranstaltung, sondern für den Neuausrichter ARD eine Quotenenttäuschung. Das Moderatorengespann Oliver Pocher und Barbara Schöneberger (Foto) gab sich kaum Mühe, ihre wechselseitige Antipathie zu überspielen. Die Hoffnung, im großen Stil junges Publikum ins Erste zu locken, ging daher nicht wirklich auf. Von den insgesamt 3,07 Mio Zuschauern stammten eben doch nur 1,49 Mio aus der Zielgruppen-Fankurve.
Die “Südeutsche Zeitung” schreibt: Er sollte zusammen bringen, was bisher nicht zusammen gehört: die ARD und ein junges Fernsehpublikum – vereint durch den deutschen Musikpreis “Echo”. So sympathisch die Theorie, so ernüchternd die Realität. Für eine Millionen-Summe hat die ARD im vergangenen Jahr die Übertragungsrechte an der “Echo”-Verleihung gekauft und damit RTL ausgestochen. Was am Ende unter öffentlich-rechtlicher Regie heraus kam, hätten die Verantwortlichen auch billiger haben können: Ein bunter Remix aus “Musikantenstadl”, der “Wetten-dass”-Couch, “Schmidt und Pocher” ohne Schmidt und “Verbotene Liebe” hätte den gleichen Effekt erzielt.
Der “Stern” bringt es auf den Punkt: Welche Veranstaltung schafft es, uncharmantes Chaos zu feiern, obwohl Showgrößen wie Depeche Mode und U2 mit dabei sind? Richtig, der Deutsche Musikpreis Echo. Gut, dass es die Kastelruther Spatzen gibt.
Die “Welt” urteilt: Echo ist nicht Grammy, und viele Musikkritiker werden nun wieder hämisch über die schlechte Inszenierung der Veranstaltung in der neuen Riesenarena O2 in Berlin berichten. Sie werden die Bemühtheit der beiden Moderatoren Pocher und Schöneberger und deren Schandmäuler geißeln, die Fadheit und Schlichtheit der vermeintlichen deutschen „Stars“ belächeln und sich über schlechte Einschaltquoten freuen. Sie werden auch sagen, das komme eben dabei heraus, wenn man die Preise nicht wegen künstlerischer Kreativität vergebe, sondern einzig nach dem Verkauf beurteile.


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