Donnerstag, 19. März 2009, 12:20 Uhr

Vor dem Fight: Hier macht Vitali Klitschko einen auf Rocky

Das Affentheater geht in eine neue Runde: WBC-Schwergewichtsweltmeister Vitali Klitschko verteidigt seinen Titel am kommenden Samstag, 21. März, in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart gegen den Kubaner Juan Carlos Gomez. Für “Dr. Eisenfaust” ist es die erste Titelverteidigung nach seinem überzeugenden Comeback mit dem erneuten Gewinn des WBC-Gürtels im Oktober letzten Jahres. RTL überträgt den Fight live ab 22.05 Uhr.  Moderator ist Florian König, Experte Luan Krasniqi, Kommentator Tobias Drews, der Ring-Reporter ist Kai Ebel, die V.I.P.-Reporterin ist Nazan Eckes und Ringsprecher ist Michael Buffer.

Der inszenierte Schlagabtausch am Montag auf der Pressekonferenz gehlrt zur Show. Hier ein par Auszüge:

Orlando Cuellar, Trainer Gomez: „Vitali, ich habe Dich auf Fotos beim Training im Schnee gesehen, wie Du Deinen Trainer im Schlitten ziehst. Bist Du ein Rentier? So wird das jedenfalls nichts am Samstag.“

Juan Carlos Gomez: „Vitali, es ist mir egal, wie Du Dich vorbereitest. Ich werde auf Dich zugehen und Dich packen.“

Vitali Klitschko: „Das ist eine sehr gute Show von Dir, Juan, man kann ja träumen… Das wird der schlimmste Kampf seiner Karriere, das kann ich versprechen. Es wird eine Lehrstunde für ihn, eine, die aber weniger als eine Stunde dauert. Mein Traum ist es, meine K.o.-Quote von 98 auf 99 Prozent zu steigern. Dafür muss jetzt Juan herhalten.“

Juan Carlos Gomez: „Für mich ist Vitali kein richtiger Boxer. Bewegung, Schnelligkeit und Reflexe – das alles habe ich bei ihm nie gesehen.“ Zu den Journalisten gewandt: „Wenn ich ihm die Fresse poliert habe, werdet auch ihr ruhig sein. Ich bin die Nummer eins.“

Vitali, im österreichischen Trainingscamp spürte man nichts als Selbstbewusstsein, Lockerheit und Spaß – fast so, als würden Sie über den Dingen schweben. Täuscht dieser Eindruck?
Vitali Klitschko: „Ich versuche locker zu sein, obwohl dahinter sehr viel Arbeit steckt. Das Sparring war sehr gut, konditionell fühle ich mich sehr gut und ich bin selbstbewusst.“

Sie hatten mit Chris Bird und Tony Thomson sehr namhafte Sparringspartner, die Ihnen beide eine fabelhafte Kondition bescheinigten. Wie wichtig ist die für diesen Kampf?
„Es gibt ein sehr gutes Sprichwort, das sagt: ‘Kondition schlägt Klasse’. Es ist wichtig, dass man Klasse hat, aber dazu gehört, eine gute Kondition zu haben. Der Kampf kann zwölf Runden dauern. Ich denke das zwar nicht, da meine K.o.-Quote bei 98 Prozent liegt, aber trotzdem muss ich bereit sein und eine gute Kondition haben.“

Gomez wird verhalten offensiv beginnen, Sie selbst werden zunächst abwarten und aus der Defensive mit Jabs arbeiten. Wie realistisch ist diese Prognose?
„Ich habe Taktiken und Strategien für verschiedene Varianten entwickelt. Ich bin bereit defensiv zu boxen, und ich bin bereit, aggressiv nach vorne zu marschieren. Ich werde jeden Fehler von Gomez nutzen, ihn jederzeit auszuknocken. Anderenfalls werde ich eben alle zwölf Runden gehen.“

Worin liegt in Ihren Augen die besondere Brisanz dieses Kampfes?
„Sportlich ist Juan sehr begabt. 1997 habe ich einmal bei Universum Sparring mit ihm gemacht, obwohl unser damaliger Promoter das untersagt hatte. Dabei ging er K.o.. Nach einem Leberschlag sackte er auf die Knie, Fritz Sdunek hat das Sparring dann abgebrochen. Gomez war später Weltmeister im Cruisergewicht. Jetzt hat er sehr viel gegessen, ist schwer geworden und will beweisen, dass er stärker ist als ich. Ich glaube das nicht und werde ihm seinen Platz zeigen. Und noch etwas: Gomez ist der ehemalige Schwiegersohn von meinem Trainer Fritz Sdnuek. Fritz sagte mir, dass seine Tochter die Alimente von Juan nicht immer pünktlich bekommt. Dafür werde ich ihn bestrafen und ihm gleichzeitig die Chance geben, soviel Geld zu verdienen, dass er demnächst die Alimente pünktlich bezahlen kann.“

Sie sagen, Gomez sei Ihr Freund, der aber will davon nichts wissen…
„Ich liebe Juan sehr. Er ist sehr nett und ein guter Kumpel von mir – schade deshalb, dass ich ihn nun verprügeln muss. Als Mensch ist er ein richtiger Latino und Kubaner, er genießt das Leben. Wir haben auch schon ein paar Mal Party zusammen gemacht und hatten dabei viel Spaß. Aber leider kann ich nicht längere Zeit tanzen, ich bin kein Partylöwe.“

Im Trainingscamp haben Sie für einen RTL-Dreh wie einst die legendäre Filmfigur “Rocky” im Tiefschnee trainiert. Was hat Ihnen an dieser außergewöhnlichen Trainingseinheit am besten gefallen?
„Das war auf gar keinen Fall ein Spiel. Hier war mehr als zwei Meter Schnee, und ich habe mich gefühlt wie Rocky in seinen Vorbereitungen von dem Kampf gegen Juan Dragon. Das war interessant, sehr hart und gut für die Ausdauer. Aber ich bekam nasse Füße und die Erkältungsgefahr war auf Dauer zu groß.“

Inwieweit holen Sie die politischen Geschäfte in der Ukraine während der Vorbereitungszeit ein – schließlich sind Sie Abgeordneter im Stadtparlament von Kiew?
„Meine politische Mission belastet mich nicht. Ich konzentriere mich in diesen Wochen schon ganz auf das Boxen, möchte mich aber nicht vollständig ausschalten und führe jeden Abend eine Telefonkonferenz mit meinen Fraktionskollegen aus dem Kiewer Stadtrat. Irgendwann kommt ein Punkt, an dem ich genug Erfahrung habe, um eine etwas aggressivere Politik machen kann. Das In der Ukraine gibt es neben der Finanz- auch eine politische Krise.“

Sie sind mittlerweile 37 Jahre alt. Was bedeutet Ihnen das Alter?
„Als ich zehn Jahre alt war, sagte meine über 90-jährige Oma einmal zu mir, das Leben sei so kurz. Als ich das hörte, dachte ich, sie hätte einen Dachschaden. Heute, wo mir die ersten grauen Haare wachsen, weiß ich, was sie meinte. Es ist wichtig, jeden Tag zu genießen und dabei Spaß zu haben.“

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Fotos: RTL, Thomas Niedermüller, Michael Niermann, Morris MacMatzen