Mittwoch, 01. April 2009, 15:38 Uhr

Krebskranker Christoph Schlingensief: "Jede Woche einen Zusammenbruch"

Der an Lungenkrebs erkrankte Regisseur, Berufs-Provokateur und Stehaufmännchen der deutschen Theatermacher Christoph Schlingensief sieht sich nach seiner Chemotherapie auf dem Wege der Besserung, muss aber immer wieder Rückschläge wegstecken. “Jede Woche gibt es einen Zusammenbruch. Da kommen alle Ängste wieder hoch. Als wäre man gefangen. Kein Ausgang, kein Funken Zuversicht. Und diese wahnsinnige Traurigkeit, warum das passieren musste”, sagte Schlingensief in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des Hamburger Magazins stern.

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59th Berlin Film Festival - International Jury Photocall

Sehr geholfen habe ihm der Jubel nach der Premiere seines neuen Stückes “Mea Culpa – eine Readymade-Oper” am Wiener Burgtheater. “Es ist toll, nur in glückliche Gesichter zu gucken. Das gibt Kraft.  Man braucht das Gefühl, geliebt und gebraucht zu werden. Dass man rauskommt aus dieser Einsamkeit”, sagte Schlingensief dem stern. In dem Stück zeigt sich der Regisseur auf der Bühne weinend auf einer Leinwand. Schlingensief: “Ich habe einen Freund gebeten, mich beim Heulen zu filmen. Ich wollte wissen, wie es aussieht. Das hilft mir, fast wie eine Therapie. Es sieht komisch aus. Und klingt wie Wale, die quietschen.”

An seine Arbeit in Bayreuth denkt der Regisseur nicht gern zurück. “Natürlich ist Bayreuth nicht schuld an meinem Krebs gewesen”, sagte er dem stern. “Aber in der Zeit, als er anfing zu wachsen, war mein Immunsystem bestimmt nicht mehr das Allerbeste. Ich hatte mich damals sehr auf diese Arbeit gefreut, aber dann musste ich feststellen, dass Heiner Müller in seinen Berichten über Bayreuth nicht gelogen hatte. Bayreuth war kein Ort der Liebe, sondern des Größenwahns und des Hasses. Diese unglaublichen Schikanen von Gudrun Wagner, der menschenverachtende Ton, die Anhäufung von Gemeinheit – das hat mich sehr stark angegriffen.” Schlingensief inszenierte für die Bayreuther Festspiele 2004 den “Parsifal”. Seine Engagement dort endete 2007.