Samstag, 06. Juni 2009, 12:20 Uhr

Til Schweiger über "Mission Hollywood"

In der neuen, achtteiligen Glamour-Show “Mission Hollywood” ab kommenden Montag 20.15 Uhr auf RTL, kämpfen zwölf Schauspielerinnen um eine Rolle in einem Hollywood- film. Und das passiert in der ersten Folge: Til Schweiger hat die zwölf Jung-Schauspielerinnen persönlich eingeladen. In Berlin treffen sie das erste Mal aufeinander. Sie wissen nicht, dass nur neun von ihnen den Flug nach Los Angeles antreten werden. Neben Til und Bernard Hiller werden die Mädchen in der ersten Folge von Gastjuror Heiner Lauterbach bewertet. Beim Casting für den ersten Job geht es gleich um eine Rolle in der beliebten RTL-Serie „Doctor‘s Diary“. Die Gewinnerin darf in der Serie mitspielen.

Die weiteren Jobs, die für die Kandidatinnen in Aussicht stehen sind in der amerikanischen Serie “Burn Notice“, die Synchronisation einer Episodenrolle in den neuen Folgen von „Dr. House“, eine Rolle in dem neuen Mercedes Werbespot, in dem neuen Musikvideo von Lady Gaga und in der US-Serie „Bones“.
 Im Finale stehen dann drei Mädchen, die um eine Rolle in der Fortsetzung der „Twilight – Saga“ und einen Vertrag bei Starmanager Erwin Stoff, 3 Arts Entertainment in Los Angeles kämpfen.

Im Filmszenen-Dreh geht es um Liebe und Leidenschaft. Die Mädchen werden aufgeteilt und müssen entweder die Orgasmusszene aus „Harry & Sally“, den Striptease aus „9 ½ Wochen“ oder die Szene aus „Eiskalte Engel“, in der sich zwei Frauen küssen, nachspielen. Für diese Szenen steht ihnen als Anspielpartner Mars Saibert aus „Unter uns“ zur Seite.

Am Ende der Folge müssen erstmals drei Schauspielerinnen „Mission Hollywood“ verlassen, für sie geht es direkt wieder nach Hause. Für die anderen neun Mädchen geht es Richtung Kalifornien in die Traumfabrik Hollywood.

In unseren aktuellen Interview spricht der Hollywood-erfahrene 45-jährige Star über die Castingshow.
Til, was hat dich gereizt, bei diesem Projekt mitzumachen?

Til Schweiger: Mich hat die Herausforderung gereizt, etwas Neues zu machen, etwas, was ich noch nie gemacht habe. Ich fand die Formatidee sehr spannend und ich habe mir davon eine Horizonterweiterung versprochen. Und weil ich schon immer diese Idee hatte – irgendwann, wenn ich die Muße habe – eine Schauspielakademie zu gründen, dachte ich mir, dass dies jetzt mal der erste Schritt ist, so etwas auszuprobieren. Ich arbeite auch als Regisseur sehr gerne mit Schauspielern und gebe mein Wissen gerne weiter. Ich wollte nicht umsonst früher immer Lehrer werden.

Wie würdest du deine Rolle beschreiben, die du bei Mission Hollywood einnimmst?

Schweiger: Ich bin natürlich so was wie der Präsident der Jury, der mit seinem Vetorecht wirklich entscheiden kann, wer jetzt nach Hause fährt oder wer weiterkommt. Aber in allererster Linie sehe ich mich als Mentor. Und als der, der versucht, den Mädels etwas beizubringen und ihnen Selbstbewusstsein und Vertrauen zu geben und sie eben so liebevoll, wie es nur geht, zu führen. Und dann ist es natürlich auch mein Job, dem Zuschauer zu erklären, was als nächstes passiert und wo die Schwierigkeit oder der Anspruch bei den verschiedenen Aufgaben für die Mädchen liegt.

Merkst du, wer von den Mädchen bereits eine Schauspielausbildung hat oder nicht? Haben die Mädchen mit Ausbildung und Erfahrung bessere Chancen?

Schweiger: Es gibt Schauspieler, die haben nie eine Schauspielausbildung gemacht und sind ganz toll. Und es gibt Leute, die haben eine Ausbildung gemacht und sind nicht so gut. Es kommt einfach ganz viel auf das Talent an, was einer mitbringt. Ich weiß zwar, wer von den Mädchen eine Ausbildung hat und wer nicht, aber es bekommt keine mit Ausbildung und Erfahrung deshalb einen Bonus. Es geht wirklich darum, was wir in dem Moment sehen. Ich bin nicht so ein diplomsüchtiger Mensch. Ich kenne Lehrer, die haben ihr Staatsexamen mit eins gemacht und sind trotzdem keine guten Lehrer.

Fällt es dir schwer, jede Woche eine Kandidatin nach Hause zu schicken?

Schweiger: Also am schwierigsten fiel es mir, die ersten drei nach Hause zu schicken – da habe ich nachts vorher gar nicht geschlafen und mich die ganze Zeit gefragt: ,Wer sind jetzt die drei Mädchen, die gar nicht erst mit nach Hollywood mitkommen dürfen?‘ Ich denke mal, was mir bisher geholfen hat ist, dass bisher alle Mädchen gefasst reagiert haben. Wobei ich das teilweise auch nur gedacht habe, denn als die ersten Drei rausgeflogen sind, habe ich mir gesagt: ‚Oh die haben aber echt gefasst reagiert! Das ist mir ja jetzt leichter gefallen, als ich gedacht habe!‘ Aber als ich aus der Halle rauskam, traf ich zwei, die bitterlich geweint haben.

Was ist das Besondere, was eine Schauspielerin deiner Meinung nach haben muss, um Erfolg zu haben?

Schweiger: Im Idealfall muss sie bei Männern und Frauen gleich gut ankommen. Diese Qualität haben die wenigsten Schauspieler und Schauspielerinnen. Es ist selten, dass Männer und Frauen eine Schauspielerin gleichermaßen toll finden. Meistens gibt es da ganz klare Unterschiede: Wenn Männer eine Schauspielerin super finden, dann finden Frauen sie nicht gut und umgekehrt. Ich glaube, zum Beispiel die Schauspielerin Nora Tschirner hat diese Qualität. Das kann man aber nicht erarbeiten oder erüben, das ist eine reine Typfrage. Genauso wichtig ist natürlich, dass ich authentisch und glaubhaft spiele. Die Zuschauer müssen mir das glauben, was ich da spiele. Im Idealfall vergesse ich als Zuschauer, dass es eine Schauspielerin ist.

Die Kandidaten stehen ja ganz schön unter Druck: jeden Tag Castings. Kannst du das gut nachvollziehen, wie sich die Schauspielerinnen fühlen?

Schweiger: Die Angst vorm Casting, die kann ich sehr, sehr gut nachvollziehen, denn die kenne ich aus meiner eigenen Erfahrung, und das ist nichts Schönes. Ich kenne zwar Schauspieler, die gehen gerne zum Casting, und die habe ich früher immer beneidet, aber ich selber war bei Castings nie ‘ne Leuchte. Ich habe mich vielen Castings verweigert und gesagt: ‘Das mache ich nicht!’ Aber nicht, weil ich gedacht habe, dass ich das nicht nötig habe, sondern weil ich gesagt habe: ‘Ich brauche es jetzt nicht so! Ich möchte jetzt nicht da hingehen und mich blamieren, weil ich so aufgeregt bin.‘ Deswegen bin ich dann erst gar nicht hingegangen. Die Kandidatinnen haben jetzt keine Wahl, die wollen das ja und müssen sich eine Karriere erst aufbauen – da muss man da halt durch.

Kannst du dich noch an dein erstes Casting erinnern?

Schweiger: Ich kann mich an mein erstes Casting erinnern, das ich selber veranstaltet habe – also hinter der Kamera. Die deutlich angenehmere Position. Das war ein Casting für den Film ‘Knockin’ On Heavens Door’ und ich war fasziniert von Moritz Bleibtreu, weil der da mit einer Spielfreude ankam und immer anbot, es noch einmal anders vorzuspielen und noch mal und noch mal und ich stand hinter der Kamera und habe mich gefragt: ‘Wie macht der das? Der hat ja überhaupt keinen Schiss!’ Das war sehr faszinierend. Auf der anderen Seite haben alle Schauspieler bei mir immer gesagt: ‘Das war das beste Casting das ich je hatte! So ein tolles Casting hatte ich noch nie! Soviel Geduld und soviel Wärme und wenig Angst wie bei dir – hatte ich noch nie!’ Und das ist mir auch wichtig, weil ich weiß wie es ist, wenn man auf der anderen Seite steht.

Hättest du bei so einer Show mitgemacht, wenn man dir das damals angeboten hätte?

Schweiger: Wahrscheinlich hätte ich mitgemacht. Es ist einfach so schwer, einen Fuß in die Tür zu bekommen, gerade ohne Ausbildung, weil Deutschland sehr in Diplomen denkt. Die sagen: ‘Ja, der war auf einer Schauspielschule – also muss er ja gut sein!‘ Die gucken sich gar nicht an, was sie da sehen im Casting. Es ist schon schwer, ohne Ausbildung überhaupt zu einem Casting eingeladen zu werden. Bei mir als Produzent hättest du da eine größere Chance, als bei vielen anderen, weil ich sage: ,Schauspielerei kann man nur bedingt erlernen!‘ Man kann an seiner Technik arbeiten, man kann sich verbessern, mehr Erfahrung sammeln, aber du kannst jemandem, der kein Talent hat, Schauspielerei nicht beibringen – das ist unmöglich. Das ist wie mit einem Fußballer. Ein Fußballer, der kein Talent hat, der wird immer nur in der Kreisliga B spielen, aber niemals in der Bundesliga.

Du hast gerade gesagt, dass du versuchst ein Mentor für die Mädchen zu sein, wer war denn dein Mentor?

Schweiger: Wenn ich jetzt einen als Mentor benennen müsste, dann würde ich Bernd Eichinger nennen. Er gab mir viele Ratschläge und Tipps. Erst als Schauspieler und auch später, als ich begann, selber Filme zu produzieren. Und der war immer jemand, bei dem ich wusste: Auf den kann ich mich verlassen und der ist mir gut gesonnen.

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Ergänzend zur TV-Show “Mission Hollywood” gibt es bei RTL.de ein großes Online-Special zum Format. Neben den Highlightclips aus den Sendungen und allen Hintergrundinformationen zur Show, bietet www.RTL.de den Usern als besonderes Bonbon noch alle von den Kandidatinnen nachgespielten Szenen als Videos in voller Länge. Wer einmal eine Sendung verpasst hat, kann sich die komplette Show im Internet unter www.RTLNOW.de sieben Tage nach Ausstrahlung kostenlos ansehen.

Fotos: RTL/Jürgen Reisch (1), Stefan Ehrhard