Donnerstag, 18. Juni 2009, 17:45 Uhr

Wladimir Klitschko: "Ich bin der stärkste Mann im Schwergewicht"

Nur noch zwei Tage bis zum “Knockout auf Schalke”. Am 20. Juni steigt IBO-, IBF- und WBO-Weltmeister Wladimir Klitschko in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen gegen den Usbeken Ruslan Chagaev in den Ring. 60.000 werden das Boxspektakel live auf Schalke erleben, Millionen von TV-Zuschauern vor den Bildschirmen. RTL überträgt den WM-Kampf ab 22.00 Uhr. Dazu das folgende RTL-Interview mit “Dr. Steelhammer”:

Wladimir, wie schwer ist Ihnen die Umstellung auf Ruslan Chagaev in so kurzer Zeit gefallen?

„Ich musste mich zwar auf einen neuen Gegner umstellen, aber ich bin schon daran gewöhnt, unterschiedliche Gegner zu boxen – mal klein, mal groß, mal Rechtsausleger, mal Normalausleger. Es war eine Komplettumstellung wie bei einem Spiegel. Alles, was man rechts sieht, wird bei Chagaev als Rechtsausleger letzten Endes von links ankommen. Ich hatte genügend Zeit, mich innerhalb dieser zwei Wochen umzustellen. Deswegen freue ich mich auch auf meinen Gegner, weil er nach mir und Vitali der stärkste ist, den es im Schwergewicht gibt, auch besser als David Haye, weil Ruslan Chagaev ungeschlagen und ein Weltmeister ist.

Dennoch – Sie gelten als Favorit. Wie gefährlich kann Ihnen Chagaev werden?

„Ruslan Chagaev kann sehr gefährlich werden. Trotz des Größenunterschieds zwischen uns weiß Chagaev ganz genau, wie man gegen einen großen Mann boxt. Er besitzt eine wunderbare Technik, die er sich schon als Amateur zugelegt hat. Das hat er in seinen Kämpfen gegen Félix Savón und Nikolai Valuev bewiesen. Er weiß genau, wie man das tun sollte. Er sieht nicht beeindruckend aus von seiner physischen Statur und Körpergröße her. Aber er ist ein wahnsinnig erfahrener Boxer und besitzt auch eine gewisse Ruhe, die er dann auch im Ring nutzt. Und das sind seine Stärken. Ich werde ihn nicht unterschätzen, aber auch nicht überschätzen. Ich bin mir völlig bewusst, was ich mit ihm machen werde.“

Sind Sie Ruslan Chagaev auch dankbar dafür, dass er nach der Haye-Absage eingesprungen ist?

„Auf der Pressekonferenz am Montag habe ich Ruslan Chagaev einen netten Gruß übermittelt. Ich habe ihm auch meinen Respekt dafür geben, dass er den Kampf angenommen hat trotz der Absage von Nikolai Valuev. Er hatte genügend Zeit gehabt, sich umzustellen, genauso wie ich. Und am 20. Juni werden im Ring die Fäuste fliegen, anstatt Worte, wie auf der Pressekonferenz mit David Haye.“

Ihr Bruder Vitali sagte bereits, dass ihm Ruslan Chagaev leid tut, weil er ordentlich Prügel beziehen wird. Sehen Sie das ähnlich?

„Ich sehe das genauso, weil ich der stärkste Mann im Schwergewicht bin. Ich muss es beweisen und das werde ich auch.“

Sie waren schon mit RTL unter Tage und haben sich in einem Schacht aufgehalten. Was wollten Sie damit ausdrücken?

„Ich möchte gern mehr von dieser Region mitkriegen. Deshalb bin ich unter Tage gewesen und habe die Leute getroffen und gesehen, wie sie arbeiten. Damit identifiziere ich mich auch, das heißt, dass ich mich auch mit den 60.000 Zuschauern auf Schalke identifizieren werde.“

Sie haben immer wieder gesagt, Sie wollten der ’People’s Champion’ werden. Jetzt boxen Sie vor 60.000 Zuschauern. Ist das eine gute Gelegenheit für Sie, sich endgültig in die Herzen der Fans zu boxen?

„Es ist eine Gelegenheit, die zum ersten Mal in meiner gesamten sportlichen Karriere zustande gekommen ist. Ich bin sehr gespannt auf den Samstagabend und freue mich wahnsinnig auf diese 60.000 Zuschauer, die live dabei sind.“

Schwergewichtsboxen bedeutet auch immer viele Schmerzen. Wird Ihr Gegner viele Schmerzen erleiden müssen?

„Es geht nicht um Schmerzen. Es geht um eine sportliche Leistung und einen eindeutigen Sieg. Und genauso wie das Motto des Abends, „Knockout auf Schalke“, wird es auch werden.“

Was entgegnen Sie auf die Behauptung von Lennox Lewis, der sagt, wenn Sie ein wahrer Champion sind, müssen Sie gegen Ihren Bruder boxen. Solange das nicht der Fall ist, gäbe es keinen wahren Champion. Er sei der einzig wahre Champion.

„Nicht Lennox Lewis entscheidet, wer der wahre Champion ist, sondern die Menschen entscheiden das. Ich kann den Titel auch ganz wunderbar mit meinem Bruder teilen. Da wäre ich auch nicht eifersüchtig oder neidisch.“

Fotos: RTL/Marianne Müller