“Manneswehen”: Hier spricht der Bestseller-Autor

Mittwoch, 15. Juli 2009, 12:54 Uhr

Bis zum  heutigen Tag erreichten uns exakt 341 (!) Mails, die an der Verlosung von leider nur drei Romanen “Manneswehen” von Bruno Preisendörfer teilgenommen haben. Umso schmerzlicher ist für uns die Botschaft an unsere treue Leserschaft, dass wir nunmehr (den unter Ausschluß des Rechtsweges ermittelten Gewinnern) die Exemplare nach Nürnberg, Frankfurt und Hamburg senden werden. Dass Preisendörfers Werk über den Alltag eines Mannes nach einer Sterilisation unmittelbar nach Erscheinen auf solch eine riesige Resonanz stieß, nahmen wir zum Anlaß, kurzerhand bei dem Berliner Autor anzurufen.

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Hallo Herr Preisendörfer, “Manneswehen”  ist ja nicht ihr erstes Buch. Die Provokation scheint Ihnen ja in die Wiege  gelegt, wenn man an Bestseller wie “Das Bildungsprivileg. Warum  Chancengleichheit unerwünscht ist” oder “Die letzte Zigarette” denkt, in dem  es um die Liebe zu einer Frau, die Liebe zur Literatur und obendrein die Liebe  zum blauen Dunst geht. Sitzen Sie da jetzt zu Hause und denken vor dem  Schreiben eines Buches, heute widme ich mich mal diesem und jenem  Thema?

Mann kommt zu einem Thema wie die Jungfrau zum Kind. Das Leben ist immer an allem schuld, mithin auch an dem, was ich schreibe.

“Manneswehen” wird ja schon als Gegenentwurf zu  Charlotte Roches “Feuchtgebiete” gehandelt. Schließlich bietet Ihr Roman den  Frauen eine neue Perspektive unter die Gürtellinie, die wir Männer ja nur zu  gut kennen. Sehen Sie das auch so?

Wenn Frauen “Manneswehen” als Gegenentwurf zu den “Feuchtgebieten” lesen wollen, nur zu. Andererseits ist “Feuchtgebiete” in einem clever gemachten Teenie-Ton geschrieben: Guck-mal-Mami-wie-schockierend. Mein Held Max Vola und meine von Max und mir bewunderte Heldin Helen sind dagegen erwachsene Menschen.

Wen haben Sie denn als Leser mit  ihrer unverblümten Sprache als Auge?

Die Leserin, immer und überall zuerst die Leserin, bei allen meinen Romanen, denn Männer lesen nun einmal viel weniger Romane als Frauen. Das ist auch der Grund, warum ich der Leserin zu Ehren auf fackelkopf.de ein “Dekameron für Leserinnen’” schreibe.

Woher haben Sie das medizinische Fachwissen? Seien Sie  ehrlich!

Recherche.

Ach so. Und was sagen Sie denn jenen  Frauen, die ihre literarische Kostbarkeit, die ja stellenweise herzerfrischend  komisch ist, trotzdem als “ekelhaft”  titulieren?

Bücher sind wie Spiegel: Es guckt immer das raus was reinguckt.

Was nützt uns das Wissen  über erzwungenen “Ejakulationsstau” und “Erektionen im  Babybauch”?

Gar nichts, weil das mit dem “Ejakulationsstau” Journalistengequatsche ist und nicht in “Manneswehen” steht. Schon deshalb nicht, weil das Ejakulat auch nach einer Sterilisation keineswegs “gestaut”, sondern weiterhin brav ausgestoßen wird.

“Feuchtgebiete” hat es ja  bis auf die Theaterbühne geschafft. Wie dürfen wir uns das mit ihrem Buch  vorstellen?

“Manneswehen” als Theaterstück? Meine Freundin würde dazu sagen: “Ach du dickes Ei.”

Auf was dürfen wir uns als nächstes freuen, woran  arbeiten Sie gerade?

Ich arbeite derzeit viel an meiner “Netz-Zeitschrift” fackelkopf.de und schreibe einen neuen Roman.

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Manneswehen erschien im Eichborn-Verlag und kostet 16,95 Euro. Hier kann man den Roman kaufen. Fotos: Eichborn/David Biene

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