Star-Regisseur Lars von Trier, bekannt für seine doch sehr unkonventionelle Arbeits- und Schnittweise, kommt mit einem neuen Film ins Kino. “Der Antichrist” bewegt lange vor seinem Kinostart am 10. September die Gemüter. Schließlich geht es darin um Sex, Gewalt und Zerstörung. In England bekam er gerade die Freigabe ab 18 Jahren, eigentlich völlig bedeutungslos im Zeitalter der DVD. Die ‘Daily Mail’ verleiht dem Film vorab das Prädikat “widerlich”. Dabei erhielt doch Charlotte Gainsbourg für ihre “mutige und aufwühlende Darstellung” in Cannes die Silberne Palme als Beste Schauspielerin.
Der Regisseur (auf dem oberen Foto mit William Dafoe) liefert eine wirre Motivation für die Entstehung des Films: „Ich würde Sie gerne zu einem kleinen Blick hinter die Kulissen einladen, einen Blick in die dunkle Welt meiner Fantasie. In die Natur meiner Ängste, in die Natur von ‘Antichrist’. Vor zwei Jahren litt ich an einer Depression. Es war eine neue Erfahrung für mich. Alles, egal was, schien unwichtig, trivial. Ich konnte nicht arbeiten.

Sechs Monate später schrieb ich, nur als Fingerübung, ein Drehbuch. Es war eine Art Therapie, aber auch eine Suche, ein Test, um zu sehen, ob ich jemals wieder einen Film machen würde. Das Drehbuch wurde ohne großen Enthusiasmus beendet und verfilmt, da dabei nur die Hälfte meiner körperlichen und intellektuellen Kapazität genutzt wurde. Die Arbeit an dem Drehbuch folgte nicht meinem üblichen Modus Operandi. Szenen wurden ohne Grund hinzugefügt. Bilder wurden zusammengestellt, unabhängig von Logik oder dramatischem Denken. Oft stammten sie aus Träumen, die ich zu der Zeit hatte, oder Träumen, die ich früher in meinem Leben hatte. Wieder einmal war das Thema ‘Natur’, aber auf eine andere und direktere Weise als zuvor. Auf eine persönlichere Weise.


Der Film enthält keinen bestimmten moralischen Code und beinhaltet nur das, was manche die „blanke Notwendigkeit“ von einem Plot nennen würden.
Als ich jung war, habe ich Strindberg gelesen. Ich las mit Begeisterung die Dinge, die er schrieb, bevor er nach Paris ging, um ein Alchemist zu werden, und während seines Aufenthalts dort. Die Zeitspanne, die später seine ‘Inferno-Krise’ genannt wurde. – War Antichrist meine Inferno-Krise? Oder entsprang er meiner Affinität zu Strindberg? In jedem Fall kann ich keine Entschuldigung für Antichrist bieten. Nichts anderes als meinen absoluten Glauben an den Film – den wichtigsten Film meiner ganzen Karriere!”


Und darum gehts: Ein trauerndes Paar zieht sich in ihre einsame Hütte, „Eden“, in den Wäldern zurück. Sie kämpft nach dem Tod des kleinen Sohnes mit Trauer und Schuldgefühlen, die in ihr eine Depression hervorrufen. Er ist Psychiater und will sie dort im Wald, vor dem sie sich so sehr fürchtet, therapieren. Doch er muss bald erkennen, dass sehr viel mehr hinter dem Verhalten seiner Frau steckt, und beide stürzen in der Abgeschiedenheit der Hütte in eine Spirale aus Sex und Gewalt.
„Lars von Triers ANTICHRIST“ ist ein zutiefst beunruhigender Trip in menschliche Abgründe und Ängste. Mit teils wunderschönen, surrealen, teils drastischen Bildern schafft es von Trier den Zuschauer zu berühren und zu erschüttern.


Fotos: MFA+ FilmDistribution e.K., Christian Geisnaes
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