Karl Lagerfeld: Luxus kennt keine Krise

Montag, 17. August 2009, 10:56 Uhr

VERLOSUNG! „Auch ein schlechter Ruf verpflichtet.“ Das behauptet Karl Lagerfeld. Doch dabei kann er wohl kaum sich selbst meinen. Er steht seit Jahrzehnten an der Spitze der Modebranche. Er ist der bekannteste Deutsche der Gegenwart, ein Modezar, der trotz seinem fast unvorstellbaren Erfolg denkt, er hätte wesentlich mehr erreichen können. „Du hättest mehr aus dir machen können, aber bei deinem Mangel an Ehrgeiz ist es schon okay, was du geschafft hast“, zitiert der Modezar seine Mutter. Klingt wie Koketterie, doch dem Perfektionisten Lagerfeld ist eben das Beste noch nicht gut genug. Seine Genialität und Extravaganz sind legendär. In seinen Kollektionen erfindet er sich jedes Jahr neu, ohne dabei seinen ganz spezifischen Stil zu verlieren. Trotzdem – wer ist Karl Lagerfeld? Sein Gesicht ist bekannt, aber wer ist der Mensch dahinter? Immer umgibt ihn eine Aura des Geheimnisvollen.

Der große Paul Sahner kennt Lagerfeld seit vielen Jahren. Ihm hat der Kopf der internationalen Modebranche für dieses Buch einen exklusiven Blick auf den Mensch Lagerfeld gestattet. Sahner, Chefreporter und Mitglied der Chefredaktion von’ Bunte’ hat eine steile Karriere als Top-Journalist hingelegt. Er ist seit vielen Jahren einer der ganz Großen des Boulevard-Journalismus. Er hat den Modegott Lagerfeld über 15 Jahre begleitet und ist ihm in persönlichen, sehr intimen Interviews so nahe gekommen wie kaum ein anderer.

Mit freundlicher Genehmigung des MVG- Verlages München veröffentlichen wir heute einen Auszug aus dem Buch und verlosen drei Exemplare des Wälzers. Interessenten senden uns bis zum 22. Aufgust 2009 eine Mail an info@klatsch-tratsch.de unter dem Stichwort ‘König Karl’. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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“Wer Ellbogen zeigt, kann auch Knie zeigen. Man muss Stil haben, um sich welchen kaufen zu können.” – Zitate säumen seinen Weg. Er ist fast mehr Philosoph als Modeschöpfer und gerade noch hier, ist er schon wieder weg. Zudem verzweigt sich sein Imperium immer weiter: In Manhattan präsentiert er seine eyewear-Kollektion. Von Sonnenbrillen versteht auch kaum jemand mehr als er, nach rund 50 Jahren launischer Dunkel-Glas-Haft. Als “professioneller Hit-Man” (New York Times) belebt er den Musikmarkt. Lounge-Fans können sich mit seinen Favorits auf der Doppel-CD les Musiques que j’aime bedudeln lassen.

Im Gangster-Videogame Grand theft Auto IV steht er als DJ-Karl bei den Ballermännern hinter Panzerglas. Dieses Spiele-Franchise um den Serbenkiller Niko Belic hat sich inzwischen 60-millionenfach verkauft.
Karls poetische Seelenstimmung hängt dagegen als Fotoausstellung in Versailles. Grobkörnig als Siebruck auf dicken Vélin-Kartons vor Wänden mit silbrigem Stoff überzogen. Wiederkehrende Motive sind Schlossperspektiven in Wasserspiegelung, allegorische Figuren verschwinden darin vom Sims in die Himmelsleere und morsche Stufen kontrastieren mit Fassadenglanz, überschattet wird alles von dunklen Gewitterwolken. Für die 40 Momentaufnahmen hat Karl das optimale Publikumsforum gefunden – er zeigt sie in den ehemaligen Appartements der Madame de Maintenon, der Ma?tresse Ludwigs XIV. Viel Moos, Flechten, tru?be Melancholie und verwunschene Winkel. Kein Mensch weit und breit, Versailles ist ein toter Ort.
Karl muss viel Zeit vor dem Schloss verbracht haben, und doch sind all diese Aktivita?ten, von Fotografie bis Musikmixen, nur seine Hobbys. Hauptberuflich ist er immer noch Kreativchef bei Chanel. Und wenn er eine freie Minute hat, scribbelt er beispielsweise etwas, was einem Gitarrenkasten a?hnelt. Die Firma Dom Pe?rignon erha?lt das sperrige Ding. Innen ist es mit rosa Plu?sch ausgeschlagen, um kuschelig sechs Flaschen Champagner rose? samt Tulpengla?sern hineinbetten zu ko?nnen. Ein Exklusivgeschenk, das nur bei Harrod’s in London erha?ltlich ist – der Knu?ller ist der Preis: Umgerechnet etwa 100 000 Euro …
Die Duftspur, die Karl hinterla?sst, heißt: “Kapsule Floriental”, es ist sein Unisex-Parfu?m fu?r 2008. Die Essenzen: Efeublatt, Veilchen und schwarzer Tee. Den neuen Kleiderschwung fu?r das Haus Chanel nennt er “cruise collection”. Wieder sieht man das, was Coco einst unsterblich machte: die Mischung aus Maskulinem und Femininem. Bei der Pra?sentation in Miami Beach, Florida, am 15. Mai 2008 weht das Flair von Biarritz mit seinem Charme vor dem Ersten Weltkrieg. Man ra?tselt, wie viel Symbolik darin steckt. Das US-Magazin “Time” hat ihn als einzigen Deutschen in sein Ranking der “100 einflussreichsten Personen der Welt” aufgenommen und er na?hrt mit seinen Auftritten die Zuversicht, mit ihm ko?nnte es auch  beim Weltuntergang noch gemu?tlich sein.

Sahner_Porträt

Luxus – was bedeutet das fu?r Sie?
KARL: Der gro?ßte Luxus in meinem Leben ist, dass ich mich bei niemandem rechtfertigen muss. Weder vor der Familie noch sonst vor irgendjemandem. Kein Mensch weiß, wie viel ich verdiene, was ich habe und mache, wo ich was hingebe. So halte ich es auch mit der Charity. Daru?ber spreche ich nie. Ich hasse die Leute, die sich
einen guten Ruf mit Charitys erkaufen und damit prahlen. Mich sto?rt es auch nicht, wenn jemand meint, ich spende keinen Cent und verschwende mein ganzes Geld fu?r mich selbst. Mir ist total egal, wer was von mir ha?lt.

Ihre Kollektionen fu?r Chanel, Fendi, Karl Lagerfeld, wer soll das bezahlen?
KARL: Keiner ist gezwungen, meine Mode zu kaufen. Es geht hier nicht um lebensnotwendige Dinge. Wir Designer verkaufen keine Kartoffeln, Brot oder so was. In unserer Brache ist alles erlaubt, was gefa?llt, wie man so scho?n sagt. Wenn die Leute Lust darauf haben, mu?ssen sie auch bereit sein, das Opfer zu bringen und die Preise zu bezahlen. Meine Mode ist nicht teurer als die anderen Marken. Ich orientiere mich an den Preisen der anderen. Die Rechnung ist einfach: Die Arbeit, die Stoffe, die Unkosten, aber es kommt noch viel mehr hinzu: Die Mieten der La?den, die Verpackung, die Werbung. Und vergessen Sie die Steuer nicht!
Ko?nnte es sein, dass auch Sie mal sparen mu?ssten?
KARL: Ich habe so viele verschiedene Leben gefu?hrt, so viele verschiedene Generationen kennengelernt, da a?ndert sich auch das Leitmotiv. Ich adaptiere. Man muss sich nicht selbst unbedingt treu bleiben, nur die Idee verfolgen, die von einem selbst stammt.

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Fotos: wenn.com, MVG Verlag

Paul Sahner “Karl”, 448 Seiten, mit 16-seiteigem farbigen Bildteil, 24,90 €; mvg Premium,  München 2009

Kommentare

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Ein Kommentar zu “Karl Lagerfeld: Luxus kennt keine Krise”

  1. [...] Rede und Antwort. Eigentlich wollten wir mit dem 65-jährigen über sein grandioses neues Buch „Karl“ und seine 15 Jahre andauernden Begegnungen mit dem exaltierten Modezar plaudern. Doch daraus wurde [...]

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