Hinter den Kulissen von Castingshows – Das Interview

Donnerstag, 29. Oktober 2009, 18:30 Uhr

Zwei, die es geschafft haben, zunächst Kandidaten und später Gewinner von Castingsshows zu werden, haben in kürzester Zeit alles erlebt: den Erfolg, von dem Millionen andere träumen, Auftritte vor tausenden Fans, unzählige Fotoshootings und Interviews. Nur, reich und glücklich sind sie damit nicht geworden.

Martin Kesici und Markus Grimm erzählen in ihrem aufsehenerregenden Buch “Sex, Drugs & Castingshows” von der oft bitteren Realität des gecasteten Popstar-Daseins, wo Vorstrafen unerwünscht sind und Produktionsteams auch mal die Wohnung der Kandidaten umstellen; vom Aufstieg zum “Kurzzeitsuperstar” und von der nicht minder steilen Rückfahrt ins normale Leben; von großen Hoffnungen und großer Enttäuschung.

klatsch-tratsch.de hat mit Markus Grimm gesprochen.

Markus, wie oft hast Du in der letzten Woche Anrufe bekommen wegen Deinem Buch „Sex, Drugs & Castingshows. Die Wahrheit über DSDS, Popstars & Co.“, dass du gemeinsam mit Martin Kesici geschrieben hast?
Das Telefon klingelte schon öfter als in den Tagen zuvor. Aber eigentlich ist alles beim Alten. Das Team mit dem ich an meinen Projekten, wie z.B. meinen Kinderbuch Fleckies Reise oder an meinen Songs arbeite, ist dasselbe geblieben. Man weiß halt auf wen man sich verlassen kann und bei wem man verlassen ist.

Euer Buch ist schon in der zweiten Auflage erschienen. Wie sind di aktuellen Verkaufszahlen?
Eindeutig sehr gut – es dauert halt eine Weile bis aus dem Handel die Rückmeldung kommt. Aber wir sehen bereits eine dritte Auflage vor uns.

grimm_Nu Pagadi_Foto Sami Khatib

Wie sind die Reaktionen auf Euer Buch?
Bislang überraschenderweise sehr positiv. Ab und an schreibt mal einer in einem Forum schlecht über uns oder Daniel Küblböck, drängt sich ins Rampenlicht um zu sagen was er über Martin denkt, aber die Mehrheit scheint begeistert.

Steht Euer spannendes Buch nicht im krassen Widerspruch zu den Quotenhits „Popstars“ und „DSDS“?
Eigentlich nicht – wir beleuchten diese Hits ja zusätzlich und nehmen nur manch einem die Illusion.

Haben auch Künstlerkollegen bzw. ehemalige Castingstars reagiert? Erzähl uns davon!
Wir haben viele Anrufe von Kollegen bekommen die sich bedankt haben, weil wir den Mut hatten dieses Buch zu machen. Nevio rief neulich an und er findet das Buch ebenfalls gelungen.

Würdet Ihr Euch als Nestbeschmutzer bezeichnen?
Nein, weil Popstars nicht mein Nest war – die Wiege liegt schon mehrere Jahre zurück und Popstars war eine Abkürzung. Ich denke eher, die Leute erwarten gerade von Martin und mir, so ein Buch zu veröffentlichen. immerhin waren wir nicht das typische Castingprodukt.

Mit welchen Erwartungen hast Du Dich damals bei Popstars beworben und was ist das Fazit aus heutiger Sicht – fünf Jahre nach „Nu Pagadi“?
Ich wollte nur auf meine eigene Band aufmerksam machen und dann habe ich die Show gewonnen. Das war eher eine Überraschung, da ich nicht dachte neben Pat einen Platz zu finden. Es war während der Staffel eine sehr schöne Erfahrung und sehr familiär – erst danach ging der Punk ab – davon berichtet unser Buch.

NuPagadi 4_Foto Diana Nordmann

Oft zitiert ihr ungenannte Quellen, schreibt über Erlebnisse, die Euch vom Hörensagen bekannt wurden. Warum?
Weil manche Quellen um ihre Jobs und Karrieren fürchten. Das respektieren wir und erzählen aber nur Dinge die wir selbst so miterlebt haben oder sicher sind.

Ihr habt auch mit den DSDS-Gewinnern Tobias Regner wegen einer Mitwirkung an dem Buch gesprochen. Warum hat er nicht mitgemacht? Hast du nach der Veröffentlichung noch mal Kontakt zu ihnen gehabt?
Tobi ist einer derjenigen der Angst um seine Karriere hatte – eben nicht den Mumm hatte alles mal niederzuschreiben.

Ihr habt das Buch vor über zwei Jahren geschrieben, warum ist es erst jetzt erschienen?
Weil sich kein Verlag getraut hat dieses Buch herauszubringen. Es war eine lange Suche bis wir mit dem riva-Verlag den richtigen Partner gefunden hatten.

Sido erzählte kürzlich etwas von einer versteckten „Ampel“, die der Jury von „Popstars“ die Entscheidung der Redaktion mitgeteilt haben soll, wer weiterzukommen hat und wer nicht. War Euch dieses Gerät auch bekannt?
Man sieht ja als “Kandidat” nicht hinter das Jurypult. Aber ich denke das Sido keine Märchen erzählt, wenn er so etwas auspackt.

Habt ihr mit Sido nach der Veröffentlichung Eures Buches gesprochen?
Nicht mit Sido – aber mit seiner Freundin Doreen – die ja in meiner Band war und somit auch im Buch stattfindet. Ich denke aber das Sido den richtigen Weg geht, um auch mal mit dem Castingquatsch aufzuräumen.

TV-Castingshows funktionieren nur im Zusammenspiel mit einer willfährigen Presse, beide Seiten ziehen daraus einen Nutzen: Auflage und Quote. Wer diktiert deiner Meinung nach wen?
Ich denke da geben sich alle Seiten die Hand – jeder profitiert davon und es wird immer wieder ein Ball hin und her gespielt.

NuPagadiSommer_Foto Robert Beck

Ihr schreibt ausführlich darüber, wie die Fernsehsender die Zuschauer manipulieren. Kannst du uns Beispiele nennen?
Ich sage das es wie bei einem Kartenspielertrick ist – der Zuschauer wird in Beiträgen an die Kandidaten herangeführt – je nachdem wie man die Kandidaten vorstellt oder welche Rolle man ihnen zuteilt, mag der Zuschauer den Kandidaten oder eben nicht. So kann man die Meinung über die Teilnehmer festigen.

Warum sind Castingstars nach ihrem Sieg in den USA und in Großbritannien beispielsweise in Deutschland so angesehen und warum in Deutschland nicht?
Weil es in Deutschland nur um Skandale und die Quote geht – was nach der Sendung ist, ist vollkommen egal, weil direkt die nächste Staffel anfängt und der Gewinner bald wieder durch einen neuen Sieger abgelöst wird.

Annemarie Eilfeld scheint die Klaviatur der Boulevard-Mechanismen perfekt zu beherrschen. Was macht sie deiner Meinung nach richtig oder falsch?
Sie soll machen was sie für richtig hält. Sie ist frei zu entscheiden in welche Richtung sie geht und Martin kennt sie schon länger. Wenn man mal ihre Rolle vergisst, ist sie eine gute Sängerin.

Mark Medlock ist doch ein sehr erfolgreiches, positives Beispiel. Was unterscheidet die Karriere Medlock von anderen Castingsstars?
Die Liebe zu Dieter Bohlen und die feste Beziehung zu Bohlens Art von Musik.
Markus, Eurer Buch klingt stellenweise nicht nur extrem verbittert, sondern auch erschütternd. Glaubst Du, das es heute noch genauso zu geht?
Ich denke heute ist es noch schlimmer – es geht ja nur noch um Skandale und Schicksale. Die Stimme und das Talent stehen hinten an.

Mit der Veröffentlichung habt Ihr Mut bewiesen. Aber warum sind an manchen Stellen statt Namen Icons eingefügt?
Weil Mut nicht alles im Leben ist – und manche Namen einfach Anwälte und Klagen hervorgebracht hätten. Mut ja – aber keine Dummheit.

Woran arbeitest Du gerade, welche beruflichen Träume hast du?
Ich bin Sänger, Texter und Autor. “Sex, Drugs, Castingshows” ist mein drittes Buch dieses Jahr,  und im Februar 2010 folgt mein Kinderbuch Fleckies Reise. Ich arbeite an neuen Songs und baue mir gerade mein Leben als Grimm auf – da steht Schreiben im Mittelpunkt, und diesen Traum konnte bislang noch keiner zerstören.

Wieviel werdet Ihr an dem Buch verdienen? Das sollte man nächstes Jahr fragen – noch haben wir keine Ahnung

Du fährst jetzt in den Urlaub? Flucht? Wohin geht’s?
Ich fahre nicht in Urlaub – ich drehe eine Sendung. Ich bin nicht der Typ der flüchtet – ich verdränge, stelle mich dann aber allen Dingen. Verraten darf ich nichts genaues, nur so viel: Weit weg!

Grimm_Kesici_Hires2

“Sex, Drugs & Castingshows: Die Wahrheit über DSDS, Popstars & Co., Zwei Gewinner packen aus” Riva-Verlag, ISBN978-3-86883-023-1, 17,90 Euro

Kommentare

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2 Kommentare zu “Hinter den Kulissen von Castingshows – Das Interview”

  1. [...] veröffentlichte er zusammen mit Popstars-Gewinner Markus Grimm das Enthüllungsbuch "Sex,Drugs & [...]

  2. Chris sagt:

    Zitat: “Ab und an schreibt mal einer in einem Forum schlecht über uns oder Daniel Küblböck, drängt sich ins Rampenlicht um zu sagen was er über Martin denkt”
    Das Komma hinter “Küblböck” scheint mir hier falsch gesetzt. Ist ja lustig: Daniel Küblböck, der im Buch von Martin Kesici direkt angegriffen wird, drängt sich also ins Rampenlicht, wenn er gefragt wird und darauf reagiert. Sind es nicht eher Martin Kesici (der – was für ein Zufall – demnächst eine neue CD herausbringt) und Markus Grimm, die sich mit ihrem Buch ins Rampenlicht drängen? Beide haben sicher durchaus nicht unrecht in vielem, was sie schreiben, aber auch sie profitieren heute immer noch von ihrer Castingshow-Vergangenheit (siehe Buch…).

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