Freitag, 11. Dezember 2009, 15:55 Uhr

Günter Wallraff wieder undercover unterwegs

Alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit rücken sie ihr Bewusstsein von Politik und Medien: die Clochards, Penner oder – korrekt im Amtsdeutsch – die Wohnsitzlosen. Für die Fernseh-Dokumentation “Unter Null”, die am Dienstag, 15. Dezember 2009, um 21.00 Uhr im ZDF zu sehen ist, hat sich Günter Wallraff im Winter 2008/2009 in diese den meisten Deutschen weitgehend unbekannte oder von Klischees überfrachtete Welt begeben. In der Rolle des Obdachlosen Wolfgang war er auf Straßen, unter Brücken, in Obdachlosenasylen und  Not-Übernachtungsstätten unterwegs.

Mit einer versteckten Kamera macht Wallraff (der Herr mit der grauen Perücke und Brille) diese Parallelwelt sichtbar und stellt fest: Die große Mehrheit der Notunterkünfte und Schlafstellen bietet nicht annähernd Privatsphäre, Intimität, Individualität und damit grundlegende Voraussetzungen von Würde.
Wallraff fügt sich in die Rolle eines Obdachlosen und übernachtet auch im Freien. Die kälteste Nacht des Winters bei minus 12 Grad verbringt er hinter dem Kölner Hauptbahnhof mit einer Gruppe von Wohnungslosen. “Platte machen” nennt man das im Jargon der Straße.
Einer von ihnen, Ciriaco G., stirbt wenige Tage danach in einer weiteren Kältenacht unerwartet mit nur 42 Jahren.

Wallraff erfährt von den Obdachlosen ganz persönliche Dinge. Der aidskranke Mario erzählt ihm Heiligabend seine Lebensgeschichte. Oder Helmut: Er wurde von seinem Sohn Micha getrennt, als dieser noch ein  Kind war. Jahre später trafen die beiden sich zufällig auf der Straße wieder, obdachlos. Jetzt sind sie Freunde und unzertrennlich.
Silvester “feiert” Wallraff in einem Containerdorf in Frankfurt: 160 Obdachlose sind in den Containern am Ostpark der Stadt gestrandet. Im Schatten der Bankenwelt erwartet die Wohnsitzlosen nacktes Elend,  stinkende und beengte Metallställe.

Fotos: ZDF/Thomas Rabsch