Freitag, 18. Dezember 2009, 12:01 Uhr

Faules Pack: Automaten antworten auf E-Mail-Wunschzettel von Kindern

Nikolaus und Weihnachtsmann enttäuschen im Web: Neun von zehn Rotröcken weigern sich, auf E-Mail-Wunschzettel von Kindern persönlich und individuell zu antworten. Stattdessen lassen  sie lieber Kollege Computer für sich sprechen und speisen ihre Fans mit standardisierten Texthülsen ab. Jeder vierte Weihnachtsmann spart sich selbst diese automatisierte Pflichtübung und schaltet auf Sendepause. Das ergab ein weltweit durchgeführter Mystery-Check der achtjährigen Johanna aus Hamburg im Auftrag von novomind.

Darüber hinaus wiegeln die Weihnachtsmannschaften Kinderfragen häufig mit dem plumpen Verweis auf weiterführende Links oder FAQs ab. Einen persönlichen Brief oder Telefonanruf vom beliebten Mann in Rot  gibt’s bei den US-Nikoläusen von santa@reachsanta.com – allerdings nur gegen eine Gebühr von umgerechnet neun Euro. Der finnische Joulupukki antwortet zwar kostenlos und in exzellentem Deutsch mit vielen kindgerechten Informationen. Dennoch: Auf spezielle Fragen der kleinen Johanna, beispielsweise wie ein Mann allein das Verteilen der Geschenke schaffen kann, weiß er ebenfalls keine Antwort.

Nur ein einziger Rauschebart tut wenigstens so, als würde er sich um jede eingehende E-Mail der Kinder persönlich kümmern. Allerdings steckt auch hinter www.christmassantaclaus.com/ jede Menge Technik. Ein programmierter Algorithmus sucht eingehende E-Mails nach vermeintlichen Wünschen ab. Die Informationen baut die Software in automatisch erzeugte Antworten-Nachrichten ein. Viel mehr Herzlichkeit als bei seinen Kollegen versprüht er dadurch nicht. Denn
er geht nur auf die zuvor per Online-Formular ausgefüllten Felder  ein.

Immerhin reagierten in diesem Jahr deutlich mehr Weihnachtsmänn auf die elektronischen Kinderwunschzettel. Siebzig Prozent der Santa Cläuse schickten eine Antwort. 2008 schrieb nur jeder Zweite zurück. Zudem musste die kleine Johanna nie länger als zwei Tage auf eine Antwort warten. Ebenfalls ein Fortschritt im Vergleich zu den Tests vergangener Jahre. Für Johanna kein großer Trost, wenn gleichzeitig die persönliche Note auf der Strecke und jede konkrete Frage unbeantwortet bleibt.

Die Ergebnisse des Mystery-Checks basieren auf einer E-Mail-Responseanalyse unter Weihnachtsmännern, durchgeführt im Dezember von der novomind AG. Stellvertretend für alle Kinder hatte Johanna (8 Jahre) aus Hamburg ihre Wunschzettel an die elektronischen Postkästen von Weihnachtsmännern in insgesamt fünf Ländern (Deutschland, USA, Finnland, Kanada, Australien) verschickt. Sie schrieb: “Ich wünsche mir eine Nintendo Wii, einen Hello Kitty  Schlafsack und ein Buch über Balett. Kannst du mir schon verraten, ob meine Wünsche dieses Jahr erfüllt werden?” Zudem war sie neugierig  darauf, wie eine Person all die vielen Geschenke allein verteilen kann.