Donnerstag, 04. März 2010, 10:49 Uhr

Joop: Westerwelle ist für einen Schwulen erstaunlich geschmacksfrei

Metrosexualität ist out, echte Kavaliere wieder in, postuliert Wolfgang Joop im Interview in der neuen Ausgabe von  GQ Style. „Männer, die ihre Frauen beschützen, die alte Schule – das finde ich attraktiv.“ Wenn Männer wieder echte Männer sind, „können sich die Frauen vernünftiger benehmen und vor einem starken Typen auch mal ihre Perlenkette zerreißen“, so der Designer. Es gehöre sich nicht, dass „er seine Handcreme sucht, während ihr gerade die Hacken abbrechen“. Eine gewisse Eitelkeit sei  jedoch auch für Männer legitim: „Es geht nicht nur um innere Werte, wir kommunizieren schließlich mit unserer Oberfläche.“

„Die Antihaltung gegenüber Mode ist in Deutschland Gott sei Dank Geschichte“, sagt Joop und hält Berlin für „einen einzigen Laufsteg“ – mit Ausnahme der politischen Zunft. So urteilt er über Guido Westerwelle: „Für einen Schwulen erstaunlich geschmacksfrei.“ Über Hans-Christian Ströbele, den „Anwalt mit den Uhu-Augenbrauen“, sagt der Designer: „Der hat leider die Metamorphose eines Joschka Fischer nicht mitgemacht“. Über Karl-Theodor zu Guttenberg und seine Hermès-Krawatten: „ein Schritt nach vorn, auch wenn er mir persönlich ein bisschen zu geleckt rüberkommt“.

In der Fashion stets die Nase vorn, wünscht sich Wolfgang Joop in Sachen Lebensart ein Zurück zur Natur: „Das iPhone ist die schlimmste Erfindung aller Zeiten“, so Joop. „Keiner legt mehr das Telefon zur Seite. Mitten in Gesprächen wird im Internet gesurft.“ Sein Credo für mehr Lebensqualität: einfach mal Stecker raus. „Öffne die Hände, lass alles fallen. Mach mal einen Spaziergang.“