Samstag, 06. März 2010, 13:42 Uhr

Christian Wunderlich: Das Comeback eines Teenie-Idols

Der Kölner Christian Wunderlich (30) war das Wunderkind des deutschen Serien-Fernsehens, der von 1995 bis 1999 durch die Daily Soap “Verbotene Liebe” zum Superstar und Teenie-Idol wurde. Er nahm Songs auf und wurde 1999 mit zwei Bronze-Bravo Ottos als bester Fernsehschauspieler und Sänger ausgezeichnet. Später ging er mit der irischen Band ‘Westlife’ auf Tour, dann wurde es still um ihn. Nun tritt er nach zehn Jahren zum spannenden Comeback an. Wir trafen uns mit Christian in Berlin.

1. Christian, was hat Dich angetrieben, ins Rampenlicht zurückzukehren?
Eigentlich war ich seit 2001 weg. Aber ich habe nie aufgehört Musik zu machen. Wir haben eine Musikproduktionsfirma in Köln, eine Song-Writer-Gilde. Ich schreibe unter Pseudonym, auch für bekannte Künstler. Die Texte sind in deutscher Sprache. Nun bin ich wieder da.

2. Was ist heute das Besondere an Christian Wunderlich? Warum soll jemand Deine Platten laufen?
Da ich in meiner eigenen Sprache schreibe, hat sich die Musik auch verändert. Ich versuche Geschichten, die ich persönlich durchlebt habe in Worte zu packen. Dabei habe ich intensiv am Text gearbeitet. Einerseits am dramaturgischen Aufbau und anderseits an der Geschichte selbst, damit es persönlich rüberkommt, aber auch auf jeden übertragbar ist, der das Gefühl hat, hier wird meine Geschichte erzählt.

3. Man kennt Dich als Teenie-Idol, Sänger und Schauspieler. Was davon ist heute für Dich am wichtigsten?
Ich texte und singe gern. Schauspielen ist mir immer sehr leicht gefallen. Ich habe gelernt, dass man Prioritäten setzen muss, weil man nur bis zu einem bestimmten Maß alles gleichzeitig machen kann. Heute setze ich die Priorität auf Musikmachen. Alles andere schließe ich nicht aus. Es sollte nur nacheinander ablaufen.

4. Gerade ist Deine neue Comeback-Single “Gelacht, um nicht zu weinen” erschienen. Im April kommt Dein drittes Album ‘Zwischen den Zeilen’ raus. Nun singst du deutsch. Warum?
Damals war es üblich englisch zu singen. Deutsch bedeutete Schlager zu machen. Es hieß: Das machen wir nicht. Ich singe heute deutsch, weil ich schon immer in meiner eigenen Sprache Texte geschrieben habe. Meine Geschichten kann ich nur in der eigenen Sprache singen. In Englisch wäre mir das völlig albern vorgekommen.

5. In welche Schublade dürfen wir das Album packen?
Das ist schwierig, wenn ich das gefragt werde. Ich packe mich ungern in Schubladen. Ich würde sagen: in die Schublade bodenständig, ehrlich, feinfühlig. Ich habe ein gutes Bauchgefühl für sensible Themen und die passende Umsetzung. Dabei will ich möglichst keine ausgetretenen Pfade betreten damit es nicht platt wird. Es ist mir wichtig am Text zu feilen und am Sound zu schrauben, damit man sich unterscheidet. Das Schwierigste war herauszufinden: Wie klingt Wunderlich?

6. Wie würdest Du Deine Musik, die Du jetzt machst beschreiben?
Ich habe einen hohen Anspruch und möchte etwas Eigenes bieten, sodass man sagen kann: Das ist typisch Wunderlich.

7. Im Download-Zeitalter ist es bekanntlich sehr schwer einen Hit zu landen. Dein Album 2000 ist gefloppt. Ist das nicht alles Warnung genug für ein Comeback?
Das neue Album ist immer noch sehr gefühlvoll, aber in vielen Aspekten anders. Mein zweites Album war sehr unentschlossen. Ich wusste selber gar nicht wo die Reise hingehen soll. Es war ein Gemisch aus guten und schlechten Songs. Ich weiß, dass ich mich durch die Dreharbeiten viel zu wenig um das Album kümmern konnte.

8. Hast Du in Deutschland und auch international musikalische Vorbilder?
Grönemeyer auf jeden Fall, wenn es um deutsche Songtexte geht. Aber auch der Franzose Frank Ramond, der unglaublich gute Songs schreibt u.a. für Annett Louisan. Das sind auf jeden Fall Vorbilder. Aber das sind auch Leute, die das seit Langem machen und da muss man erstmal hinkommen, falls man überhaupt jemals hinkommt.

9. Wo standest Du vor 10 Jahren, wo stehst Du heute? Was hat sich geändert und warum?
Vor 10 Jahren stand ich auf der Bühne für die Bravo-Super-Show. Jetzt sehe ich sie mir nicht mal im Fernsehen an. Ich steckte so tief in Arbeit, dass ich vom eigentlichen Leben nichts mehr mitbekam. Das Internet war nicht so weit wie heute. Der Musikindustrie ging es viel besser. Ich stand gut da als Teenie-Star. Mit 15 hab ich angefangen zu Arbeiten. Da war die Doppelbelastung Schule und Schauspielerei. Kaum war die Schule beendet, ging es gleich weiter mit der Doppelbelastung Musik und Schauspielerei. Ich hab mir viel zugemutet.

10. Weißt Du, was Deine Fans von damals machen?
Ein Fan hat einen Fanclub gegründet. Viele Fans schreiben auf meiner Homepage ins Gästebuch: Schön, dass du wieder da bist. Wir verbinden eine gute Zeit mit dir. Einige haben Familien gegründet. Sie sind mit mir gewachsen. Auf meiner Homepage bietet der Block die Möglichkeit sich mitzuteilen, ein Feedback zu geben. Das ist toll, weil man mitbekommt, wie man bei den Fans ankommt.

11. Auf dem Höhepunkt Deiner Karriere hast Du alles hingeschmissen und in einer Behindertenschule gearbeitet, wo Dir niemand mehr zugejubelt hat. Wie kam es zu diesem harten Bruch?
Meine Karriere lief wie geschmiert. Von außen betrachtet war alles super, aber ich selbst hab das nicht so gesehen. Es fiel mir nicht schwer die Sache zu stoppen, es sollte ja alles so weitergehen. Ich war ausgebrannt. Ich konnte nicht mehr. Scheitern bietet die Chance der Weiterentwicklung. Die Zeit in der Behindertenschule hat mir unglaublich viel gebracht. Es war sehr motivierend.

12. Warum bist Du nach der zweiten Staffel der ZDF-Vorabendserie „Nesthocker – Familie zu verschenken“ im Jahr 2000 ausgestiegen?
Für mich war nach zwei Staffeln die Serie auserzählt. Ich hab die Serie geliebt, es war ein gutes Team, es hat Spaß gemacht. Noch eine Staffel hätte bedeutet, weitere neun Monate Doppelbelastung. Ich habe mich dann für Asien entschieden. Wir waren auf Tournee mit Westlife. Es war geballte Arbeit für die Musik.

13. Was war das schönste Erlebnis, was das schlimmste Deiner künstlerischen Laufbahn bzw. in Deinem Leben?
Das Schlimmste Erlebnis war das Jahr, in dem ich meinen Vater und meinen Großvater verlor. Das Schönste? Da gibt es viele kleine Dinge über die ich mich freuen kann. Ich liebe den Herbst. Da fühle ich mich immer total gut. Ich habe vor mit dem Auto durch Amerika zu fahren. Das wird bestimmt auch schön.

14. Was sind Deine nächsten Pläne? Willst Du auch wieder als Schauspieler arbeiten? Gibt es Angebote?
Es gibt Überlegungen. Mehr kann/darf ich dazu noch nicht sagen.

15. Kann man dich live erleben?
Erstmal muss ich abwarten, wie den Leuten das Album gefällt. Danach kann ich hoffentlich eine Tournee machen. Das Album ist die Vorlage. Danach kommt das Original live.

16. Wer sind Deine Freunde?
Meine besten Freunde sind auch Musiker. Sie arbeiten im Musikstudio. Wir sind eine eingeschworene Gemeinde. Wir treffen uns auch zum DVD-Abend. Da ich ca. 1200 DVD’s habe, ist das oft.

17. Was ist das letzte Gerücht, dass Du über dich gehört hast?
Ich weiß leider keins, aber falls ihr eins ausgrabt: leitet es weiter. Ich bin gespannt.

(Interview: klatsch-tratsch.de)