Mittwoch, 10. März 2010, 20:34 Uhr

Daniel Schuhmacher: "Ich kann auch anders"

Zwischen Echo-Gala und Umzugsstreß und vor der Premiere seines neuen Videos ‘If It’s Love’ trafen wir den DSDS-Sieger von 2009, Daniel Schuhmacher. Wir sprachen mit ihm über das letzte Jahr, das neue Album und seinen Nachfolger bei DSDS.

Deine neue, von Deinen Fans mit Spannung erwartete Single ‚If It’s Love’ erscheint am 26. März. Wie kam es zu dem Song?
Ich habe den Song als Vorschlag bekommen und dachte: oh geil, den würde ich gerne aufnehmen. Ich bin zu Thorsten Brötzmann ins Studio gefahren und wir haben den Song aufgenommen. Mir hat der Song gefallen, weil er keine Ballade ist und ich dachte, dass dies mal eine andere Seite von mir ist. Wir haben uns dafür entschieden, weil der Song richtig abgeht.

Du singst englisch. Der Trend geht eher zu deutschen Interpretationen. Wie ist das zu erklären? Hängt das zusammen mit Deiner wunderbaren Soulstimme?
Ich könnte mir auch vorstellen deutsch zu singen. Momentan passt eher englisch.

Wann können wir mit dem zweiten Album rechnen, und was kriegen wir darauf zu hören?
Das zweite Album ist in Arbeit. Ein paar Songs haben wir schon aufgenommen. Wir lassen uns da wirklich Zeit. Es gibt noch keinen festen Termin. Im Sommer wird es soweit sein. Es soll ein gutes Album werden. Ich will da mehr von mir reinstecken.

Als Vorjahressieger von DSDS hattest du einen kometenhaften Aufstieg. Dieter Bohlen hat dich trotzdem letzten Herbst fallen lassen. Wie bist du damit umgegangen?
Ich war am Anfang etwas überrascht. Es war kein Angriff gegen mich. Wenn Dieter Bohlen mit jemandem arbeitet, will er auch mit vollem Herzblut dabei sein. Er konnte es aber nicht, weil er so viele Sachen macht. Er hatte zwei Shows in dieser Zeit, DSDS und Supertalent. Dieter Bohlen hatte Erfolg durch mich und ich durch ihn. Es ging Hand in Hand. Die zweite Single „Honestly“ war auch ein Erfolg mit Platz 22 in den Charts.

Deine erste Single hat Dich doch sicher reich gemacht. Wieviel Geld hast Du damit verdient?
Über Geld spricht man nicht.

Hast du inzwischen den Killerinstinkt, den Dieter Bohlen an dir vermisst hat?
Das wurde gesagt. Es wurde auch etwas verdreht dargestellt. Killerinstinkt definiere ich mit Durchsetzungskraft, wenn es um dich selbst geht. Das habe ich: ich hab einen eigenen Willen, kann anderen die Meinung sagen und mache, was mir gefällt. Man muss ja nicht ausfallend werden. Man kann anderer Meinung sein und dabei Niveau zeigen und ruhig bleiben. Ich respektiere andere Menschen und kann Dinge ausdiskutieren. Ich hab eine eigene Meinung und Charakter.

Außerdem war im letzten Jahr vieles neu für dich…
Ja, das war wie in einer Traumwelt, ich musste lernen mit Erfolg erstmal richtig umzugehen: die Bühne, die Medien, der Hype. Im Showgeschäft kommt vieles zusammen. Die Menschen, die nichts damit zu tun haben, können sich gar nicht vorstellen was für eine Ausnahmesituation das Ganze ist, unter welchem Druck man steht, was für Stress das alles ist. Da kommt soviel aufeinander und man ist dadurch viel emotionaler. Auf einmal ist man medienpräsent und kann nicht einfach so in die Innenstadt von Köln gehen. Da sind tausende Menschen, die dich wollen. Viele Dinge muss man erstmal begreifen und verarbeiten.

Die Medien sind zum Teil sehr böse mit Dir umgesprungen. Was ist der Grund? Was entgegnest Du Kritikern?
Medien sind zum einen hilfreich und zum anderen gnadenlos. Wenn ein großes Medium negativ schreibt, hängen sich andere gerne dran. Es wird dann leicht zur Hetzkampagne. Es kippte und ich dachte: was haben sie, ich hab doch gar nichts Falsches gemacht. Aber ich dachte, ok sollen sie halt schreiben, sie müssen ja was schreiben. Aber ich bin ein guter Künstler, habe schnell Erfolg gehabt und darauf kann ich stolz sein als Newcomer. Ich wurde halt entdeckt bei einer Castingshow. Es hieß: der hat eine gute Stimme, der kann live singen.

Eine Castingshow ist eine gute Einstiegsmöglichkeit.
Auf jeden Fall. Dadurch hatte ich eine eigene Tour, Fans, drei goldene Schallplatten. Es ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite die extreme Dankbarkeit und auf der anderen den Stempel Castingshowgewinner. Wenn es anders gelaufen wäre, hätte ich nicht die Möglichkeiten gehabt, z.B. 10 Wochen lang jeden Samstag in einer TV-Show vor einem Millionenpublikum aufzutreten.

Du hast dich für ein Leben als Musiker entschieden. Du hättest auch als Industriekaufmann arbeiten können. Was gefällt Dir am Musikerleben?
Es ist etwas ganz anderes als eine „bürgerliche“ Karriere. Der Unterschied ist die Leidenschaft mit der man etwas macht. Ich kann mir vorstellen immer Musik zu machen. Am meisten liebe ich Live-Konzerte. Das ist für mich das Beste und Schönste, weil man soviel geben kann. Ich reise gern. Ich bin ein offener Mensch. Ich bin gern kreativ. Ich schreibe ja auch selber Songs um Dinge zu verarbeiten, die passiert sind, um Gefühle zu zeigen und diese mit den Menschen zu teilen. Es macht mich glücklich, wenn das bei den Menschen ankommt. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen etwas anderes zu machen.

Alex Christensen hat mit dir weiter gearbeitet. Was macht er anders als Bohlen?
Beide sind ganz unterschiedliche Typen. Beide sind Branchenprofis. Profis arbeiten gewissenhaft und wissen was sie wollen, wie sie den Song wollen. Wenn ich in der Kabine stehe und singe, geben sie mir Tipps und Hinweise. In ihrer Arbeitsweise sind sie grundlegend nicht sehr unterschiedlich.

Es war ein Imagewechsel geplant. Wie sieht der aus?
Wir wollten das Image meiner Entwicklung anpassen. Ich hab soviel dazugelernt und bin erwachsener geworden. Das was einen prägt, wollten wir auch visuell zeigen. Deshalb auch die neue Frisur: weg vom bubihaften. Ich hatte wie gefühlte 17, 18 Jahre gewirkt. Ich bin immer noch ein fröhlicher und aufgedrehter Mensch, aber in vielen Dingen bin ich vernünftiger geworden. Mit vielen Sachen gehe ich heute anders um. Ich bin realistisch und stehe über manchen Sachen. Außerdem sind Imagewechsel ja nicht unnormal.

Dein Radius ist größer geworden.
Ja, na klar. Vor ein paar Jahren hab ich fleißig gearbeitet und war einmal im Jahr im Urlaub. Ich sehe nun viel mehr von der Welt und bin kulturell unterwegs. Ich lerne viele Menschen kennen. Der Horizont wird erweitert. All das prägt einen als Mensch und Künstler.

Du hast viele weibliche Fans. Hast du denn inzwischen auch eine Freundin?
Während einer Castingshow gibt man extrem viel von sich preis. Ich will mich nicht verlieren. Deshalb habe ich mich entschieden, dies als Privatsache zu sehen.

Wie lief deine Deutschlandtour? Es gab 13 Termine.
Es war eine tolle Tournee mit einer Entwicklung. Wir haben die Sache spannender gestaltet und einiges umarrangiert. Die Sache wurde souliger und moderner. Ich kann Balladen, Soul und Rock singen. Ich konnte mich besser ausleben, Gas geben, abgehen, aber auch ruhige Sachen machen. Die Tour war für mich perfekt. Jeder Tag war anders, auf der Bühne und für die Fans. Ich könnte ständig auf Tour sein, weil ich das einfach geil finde.

Das ist ein Leben aus dem Koffer und on the road.
Ja, das hatte ich bei DSDS wochenlang. Mit 22 findet man das nicht schlimm. Ich bin auch schon mal in einer Stadt aufgewacht und wusste nicht wo ich bin. Aber dann sucht man sich einen Anhaltspunkt und dann weiß man Bescheid.

Bei deinem letzten Konzert im E-Werk Köln wurde Dein neues Video während der Show gedreht. Was kriegen wir da zu sehen?
Alles. Wir haben backstage gedreht, wie ich ankomme, wie wir mit der Band singen, das Styling, der Probenablauf, den Soundcheck usw. und dann geht irgendwann die Show los. Im Laufe der Tour hab ich mich extrem entwickelt, da man einfach mit Routine sicherer wird. Köln war der Höhepunkt. Ich kam selbstlos auf die Bühne: hier bin ich, ich kann was und das hab ich auch gezeigt.

Durch die Interaktion zwischen Bühne und Publikum ist ja kein Konzert gleich.
Ja, klar. Man muss ja auf das Publikum eingehen. Interaktion. Am Ende des Konzerts beziehe ich das Publikum ein: ich lasse sie singen. Das ist witzig. So geht man gegenseitig aufeinander ein.

Du ziehst Mitte März nach Berlin? Ist dir Pfullendorf zu eng geworden?
Es ist auch geschäftlich, weil ich in Berlin näher am Schuss bin. Es ist umständlich von Pfullendorf aus zu reisen, weil man zwei Stunden bis zum Flughafen braucht. Berlin reizt mich. Hier gibt es viele Konzerte, Independentbands. Man kann viel lernen. In Berlin kann ich mich entwickeln und was anderes kennenlernen als auf dem Land. Ich hab mich entschieden das durchzuziehen als Zweitwohnsitz.

Könntest du in Pfullendorf relaxen? Da kennt Dich doch jeder?
Dort gibt es keine Ruhe für mich, egal was ich mache. Mich würde überall jemand ansprechen. In Berlin ist es anonymer.

Was macht eigentlich Sarah Kreuz? Habt Ihr noch Kontakt?
Sarah ist toll. Was sie macht, sollte sie euch selbst erzählen.

Wenn Du das Rad zurückdrehen könntest, was würdest Du heute anders machen bei DSDS und in der Zeit danach?
Ich würde vielleicht mit den Medien anders umgehen. Während der Staffel waren die Medien unglaublich präsent. Viele alltägliche Reibereien wurden total aufgepuscht. Es sollte mehr um die Musik gehen als um die persönliche Story und den Streit um irgendwas. Heute würde ich das vielleicht nicht so an mich ranlassen. Ich kam auch ohne Story in den ersten Shows weiter. Die Geschichte mit dem Mobbing wurde dann ganz schön ausgewalzt. Sie hat sensibilisiert.

Wer sind Deine Favoriten für die Top 3 bei der neuen DSDS-Staffel?
Menowin und Merzad.  Merzad ist ein interessanter Mensch. Letztlich sollte die Leistung auf der Bühne bewertet werden. Es ist schwer zu sagen, wer der dritte Favorit sein könnte. Ich würde davon ausgehen, dass es ein Mädchen sein könnte. Thomas ist nicht mein Geschmack, aber er kommt draußen an.

Wie war die ECHO-Verleihung für Dich?
Es war ein toller Abend. Es war ein Erlebnis. Auf einen ECHO bzw. eine Echo-Nominierung kann man stolz sein. Bei der Aftershowparty wollte ich einfach nur feiern. Die Wichtigtuer habe ich weniger beachtet. Am lockersten sind die, die am meisten erreicht haben.

Wie siehst Du Dein Leben, was willst Du erreichen irgendwann?
Ich will einfach nur Musik machen und davon leben können. Ich will meine Freunde behalten. Irgendwann will ich Kinder haben. Ich glaube ich wäre ein guter Vater. Ich will einfach glücklich sein. Ich möchte irgendwann sagen können, ich hab das gemacht, was ich machen wollte.

Was ist das blödeste Gerücht über Dich?
Dass ich ein Weichei bin, denn ich bin keine Heulsuse. Ich kann auch anders.

Interview: klatsch-tratsch.de, Fotos: Volker Neumüller