Dienstag, 16. März 2010, 18:00 Uhr

Jetzt macht sich Michael Wendler ganz nackig - Alle Bilder

Jetzt müssen die Kritiker des Popschlagersängers und Berufsprovokateurs Michael Wendler ganz tapfer sein! Denn die peinigt der 37-jährige gelernte Speditionskaufmann nicht nur mit dem nigelnagelneuen gnadenlos ehrlichen Buch ‘Die Faust des Schlagers’, sondern auch mit unverschämten Nacktfotos in dekadent royaler Umgebung! Aber es kommt noch besser: Wendler badet gleich in einer ganzen Wanne Falschgeld.

Der Mann war ja mal richtig klamm, hoch verschuldet. Welche Versuche er anstellte, wieder aus den Schulden rauszukommen, erzählt der Sänger in seinem Buch:

Es musste etwas passieren. Es musste Geld reinkommen. Allerdings auf ganz neuen Wegen, denn diese Spedition war ein Fass ohne Boden. Meine erste Idee war so albern wie genial. In Dinslaken fehlte ein Erotikgeschäft. Zumindest eines, in das sich normale Menschen hineinverirren würden. Es gab nur ein oder zwei dieser mit roter Folie verklebten Höhlen, in die Männer mittleren Alters mit hochgeschlagenem Mantelkragen hineinhuschten. Nein, wir wollten es mit Humor und Sauberkeit versuchen, ganz ohne Schmuddelimage. Erstaunlicherweise fanden meine Eltern die Idee sogar gut. Mein Vater war vielleicht ganz froh, dass ich nicht mehr in der Spedition rumhing und ihn beim Geschäftemachen störte, meiner Mutter war wohl klar, dass die einzige Chance für das Familienvermögen war, etwas außerhalb der Spedition zu versuchen.

Der Laden wurde eröffnet, ich nannte ihn »Gummi Dummi«. Er war toll gelegen, im Zentrum von Dinslaken und in den Neunzigern, als Erotik noch immer recht schmuddelig war, wurde dieses Geschäft ein Knüller. Im vorderen Bereich verkauften wir fast jugendfreie und eher spaßige Sachen. Lustige Kondome oder Scherzartikel. Härtere Sachen, nichtsdestotrotz hochwertige Ware, teilten wir ab und boten sie im hinteren Bereich des Ladens an.
Ich machte Werbung wie verrückt. Entwarf die Anzeigen für die Lokalzeitung selbst, genau wie das Firmenlogo, ein lachendes Kondom, und sprach auch die Radiowerbung selbst, die wir im lokalen Radio laufen ließen. Draußen neben der Tür hatten wir einen Kondomautomaten angeschraubt, der nachts zum zentralen Anlaufpunkt in Dinslaken mutierte. Eine echte Marktlücke.

Der Laden lief also prächtig, brachte zwar keine Millionen ein, aber er hätte sich gut getragen und uns ein schönes kleines Auskommen beschert. Aber es wurden alle Einnahmen herausgezogen und in die Spedition gesteckt. So war zu wenig Geld da, um zu investieren oder auch um Warenlieferungen zu bezahlen. Unser Steuerberater verzweifelte. Immer wieder rechnete er meinem Vater den Wahnsinn vor und sagte, dass man die Spedition schließen müsse. Der wollte das nicht wahrhaben. Die Spedition, das war doch sein Leben. Es kam ja immer Geld rein, genug, um das Haus abzuzahlen und zum Leben. Aber nicht genug, um Steuern zu zahlen oder Rechnungen zu begleichen. Damals konnte man das noch länger strecken, denn das Finanzamt reagierte nicht sofort.
So wurden Bilanzen eben zwei Jahre später abgegeben. In meinem Rücken wuchs der Schuldenhügel stetig zu einem wuchtigen Schuldenberg. Ich ahnte noch nicht, dass es einmal ein Schuldenmassiv werden würde …

Fotos: Manfred Esser

Vorabruck mit freundlicher Genehmigung des Riva-Verlages. Die Fotos gibt’s auf klatsch-tratsch.de