Donnerstag, 25. März 2010, 12:45 Uhr

Spektakulärer Kirchdachflug gar kein zufälliger Unfall?

Am 25. Januar 2009 sorgte ein Verkehrsunfall sächsischen Limbach-Oberfrohna weltweit für Aufsehen: Ein 23-jähriger Autofahrer fliegt mit seinem Fahrzeug in das Dach einer Pfarrkirche.  Wie es zu dem Unfall kommen konnte, warum Experten auch einen Suizidversuch für möglich halten und 3D-Animationen des Unfallhergangs, zeigt VOX am 28. März um 17.00 Uhr in der “Unfallakte” bei “auto mobil”.

Für die Einsatzkräfte vor Ort ist der Kirchdachflug des PKW zunächst rätselhaft. Inzwischen ist der Unfallhergang weitestgehend aufgeklärt: Eine vereiste Böschung, auf die das Fahrzeug zuvor getroffen ist,  ist für das Abheben verantwortlich. Der 35 Meter lange Flug erklärt sich durch die viel zu hohe Geschwindigkeit des
Autofahrers. “Wir konnten eine Annäherungsgeschwindigkeit ermitteln, die zwischen 129 und 150 km/h gelegen haben muss. Infolge des Tempoverlustes durch das Durchbrechen eines Fußgängerschutzes dürfte  die eigentliche Abfluggeschwindigkeit zwischen 114 und 125 km/h gelegen haben”, rechnet Sachverständiger Viktor Ammer bei “auto mobil” vor.

Exakt dieses Tempo ist laut Ammer auch dafür verantwortlich, dass der Wagen im Dach hängen blieb und nicht  auf den Boden stürzte, was extreme Verletzungen des  Fahrers nach sich gezogen hätte. Auch darüber hinaus hatte der Fahrer Glück im Unglück, denn das ausgelaufene Benzin hätte auch den Dachstuhl der Kirche entzünden können.

Bis heute verweigert der Autofahrer, der zum Unfallzeitpunkt 0,4 Promille Alkohol im Blut hatte, gegenüber den Ermittlungsbehörden jede Aussage. Und so genau sich die Details des Unfalls inzwischen auch darstellen lassen – es bleibt die Frage, ob der 23-Jährige den Unfall absichtlich herbeigeführt hat. “Wir konnten am Unfallort keine spurenrelevanten Dinge feststellen. Es gab keine Brems- oder Blockierspuren, wo man hätte sagen können, dass der Fahrzeugführer versucht hat, den Unfall zu verhindern. Es konnte also festgestellt  werden, dass der 23-Jährige möglicherweise bewusst geradeaus gefahren ist, weil er in der Unfallörtlichkeit ja nur nach links oder rechts  hätte abbiegen können”, erklärt Thomas Knabe von der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge. Außerdem gibt es laut Knabe “keine plausible Antwort darauf, warum der junge Mann zum Unfallzeitpunkt mit einem  derart hohen Tempo unterwegs war”. Für den 23-Jährigen endet die  Unfallfahrt im Mai 2009 mit einem Strafbefehl.

Fotos: VOX