Sonntag, 25. Juli 2010, 9:53 Uhr

Loveparade 2010: Der Todestunnel von Duisburg

Duisburg. 19 Tote und 342 Verletzte sind die Bilanz des Tunneldramas von Duisburg am frühern Samstagabend. Videos zeigen, welche unfaßbare Tragödie sich in einem 300m langen und 25m breiten Tunnel, der zum Veranstaltungsgelände führte, abgespielt haben müssen. Es gab keine Chance auszuweichen. 16 Menschen starben vor Ort, drei weitere Menschen erlagen ihren schweren Verletzungen noch in der Nacht. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) nannte das Sicherheitskonzept „stichhaltig” und erklärte Auslöser der Katastrophe seien “wahrscheinlich individuelle Schwächen” gewesen.

Offenbar wurde die Massenpanik ausgelöst durch einige Menschen, die von einer gesperrten Nottreppe und einem Lautsprechergerüst in die Menge stürzten. Ein Ordner sagte gegenüber der Bild-Zeitung: „Schon als der Druck der Masse größer wurde, hätten wir die Tore aufmachen müssen, doch wir durften nicht. Nach der Massenpanik lagen teilweise sechs bis sieben Menschen übereinander.“

Die Homepage der Loveparade schon kurz nach der Katastrophe abgeschalten worden. Dort ist zu lediglich zu lesen: “Unser Anliegen, ein fröhliches Miteinander von Menschen durchzuführen, ist heute von den tragischen Unglücksfällen überschattet worden. Daher beenden wir den Livestream zur Loveparade. Unser aufrichtiges Beileid gilt allen Angehörigen und unsere Gedanken sind bei denjenigen, die derzeit noch versorgt werden müssen.”

Matthias Roeingh alias Dr. Motte, der Erfinder der Loveparade von 1989, erklärte: “Die Veranstalter haben einen krassen Managementfehler begangen. Wie kann man denn Menschen nur durch einen einzigen Zugang auf das Gelände lassen? Das ist ein Skandal. Die Veranstalter sind schuld. Die haben doch gewusst, dass es voll wird. Was also haben Zäune und Security da zu suchen? Bei nur einem Zugang. Mein Mitgefühl gilt den Familien der Toten und den Verletzten.”

UPDATE: Rainer Schaller, Organisator der Loveparade erklärte auf einer Pressekonferenz heute Mittag in Duisburg: “Aus Repekt vor den Opfern werden wir die Loveparade nicht mehr fortführen. Das bedeutet das Aus der Loveparade.”

Alle 16 vor Ort der Verstorbenen seien nicht im Tunnel zu Tode gekommen, sondern auf der westlichen Seite des Tunnels, sagte anschließend Detlef von Schmeling, Polizeipräsident von Duisburg auf der Pressekonferenz.

Fotos: wenn.com. Videos: YouTube