Mittwoch, 28. Juli 2010, 12:00 Uhr

Duisburger Loveparade-Drama: Zahl der Opfer auf 21 gestiegen

Duisburg. Nachdem am Montag ein 20. Opfer der zusammengepferchten Massen an einer Rampe bei der Loveparade verstorben war, ist seit gestern ein weiteres Opfer zu beklagen. Damit stieg die Zahl der Todesopfer nach der Massenpanik bei der Duisburger Loveparade auf 21.

Eine 25-jährige Frau aus Heiligenhaus bei Essen erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen. Das gab der Duisburger Staatsanwalt Rolf Haverkamp bekannt.

Berichten zufolge starben alle Opfer an Brustquetschungen. “Anhaltspunkte für Stürze aus großer Höhe als Todesursache haben sich nicht finden lassen”, teilte die Duisburger Staatsanwaltschaft am Dienstagabend über die Obduktionsergebnisse mit.

Nicht nur der Direktor der Berufsfeuerwehr Duisburg, auch ranghohe Polizeibeamte haben Oberbürgermeister Adolf Sauerland vor der Loveparade offenbar schriftlich ihre Sicherheitsbedenken mitgeteilt. “Auf allen Schreiben stand der Briefkopf ‘Oberbürgermeister’, sagte ein Ermittler dem ‘Kölner Stadt-Anzeiger’ (Mittwochsausgabe). Sauerland hatte am Dienstag bestritten, im Vorfeld entsprechende Warnungen erhalten zu haben. Welch hohe Bedeutung die Technoparade in den Augen der Verantwortlichen offensichtlich hatte, wird aus einem internen Schreiben der Polizeilichen Einsatzleitung für die Loveparade vom 13. Juli deutlich. Wie der ‘Kölner Stadt-Anzeiger’ erfuhr, schwor der Einsatzführer seine Kollegen darin mit den Worten ein: “Eine einmalige Aufgabe kommt auf uns zu. Unsere Stadt wird an diesem Tag weltweit in den Medien vertreten sein. Das wird uns eine hohe Einsatzbereitschaft und Ausdauer abverlangen.”

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland denkt trotz des zunehmenden Drucks nicht an Rücktritt. Wenn er für die Tragödie die Verantwortung übernähme, würde er für den Rest seines Lebens für 20 Todesopfer verantwortlich gemacht, sagte Sauerland im Gespräch mit den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Mittwochausgabe). Wenn er sich so verhalten würde, wäre das quasi wie ein Eingeständnis, den Tod der 20 Menschen verursacht zu haben. “Ich muss das durchhalten”, sagte Adolf Sauerland. Er werde nachweisen, keine Fehler begangen zu haben. Der Duisburger Verwaltungschef macht im Gespräch mit der WAZ-Mediengruppe, wie bereits vor ihm Loveparade-Veranstalter Lopavent, das Fehlverhalten der Polizei für die Katastrophe am Tunnel verantwortlich.

Am kommenden Samstag findet die Trauerfeier für die Opfer der Loveparade in der Duisburger Salvatorkirche statt, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff teilnehmen wollen.
Der Duisburger Oberbürgermeister will nach Morddrohunghen und den Anfeindungen der letzten Tage offenbar nicht daran teilnehmen. Sauerland begründet seinen Plan, von der Trauerfeier fernzubleiben, laut Medienberichten damit, dass er nicht stören wolle.