Mittwoch, 11. August 2010, 11:23 Uhr

Was bitte ist geschmacklos an "Dancing Auschwitz"?

Das Video ‘Dancing Auschwitz’ macht Furore. Die einen finden das gut, die anderen sehen darin eine unheilvolle Provokation und Geschmacklosigkeit. Innerhalb weniger Tage hatte das Video des ehemaligen Auschwitz-KZ-Häftlings Adolek Kohn eine halbe Million Klicks auf YouTube und die Macherin war einem Sperrfeuer der Kritik ausgesetzt.

Was ist passiert? Der heute 89-jährige Australier tanzt in dem Clip mit seinen Tochter und den Enkeln auf dem Gelände des größten Vernichtungslagers der Nazis zur Musik von Gloria Gaynors ‘I Will Survive’, einem Klassiker der Schwulen- und Discobewegung.

Mit seinen fünf Enkeln und seiner Tochter, der Aktionskünstlerin Jane Korman, fuhr der Veteran letzten Sommer zu jenen Konzentrationslagern, in denen die Juden Europas ermordet wurden. Vor den Toren der KZ in Auschwitz, Lodz, Theresienstadt und Dachau sowie vor der Maisel-Synagoge in Prag tanzen sie alle zu dem Gaynor-Hit.

Jane Korman hatte das Video  Ende letzten Jahres zunächst in  Melbourne in einer Galerie gezeigt. Das Video sei “eine Liebeserklärung an das Leben nach dem Tode”. Aus rechtlichen Gründen können wir es leider nicht mit Ton zeigen. Offenbar hat die Künstlerin die Musik ohne Einwilligung des Rechteinhabers Universal Music verwendet.

Die Berliner ‘taz’ fragt: “Was bitte ist daran geschmacklos, wenn Adolek Kohn in seinem weißen Shirt mit der Aufschrift “Survivor” das Victory-Zeichen macht?”

Fotos: Janekormanart.com, YouTube