Dienstag, 07. September 2010, 10:54 Uhr

Natascha Kampusch bei Beckmann: "...dann bin ich irgendwann tot"

Hamburg. Unmittelbar vor ihrer Buchpremiere stattete das weltberühmte Entführungsopfer Natascha Kampusch (22) im Rahmen einer äußerst behutsam organisierten PR-Tour gestern Reinhold Beckmann einen Besuch ab. Am Donnerstag wird ihre Autobiographie ‘3096 Tage’ unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen offiziell in Wien vorgestellt.

In dem Gespräch mit Beckmann ging es vor allem um ihr Leben nach der achteinhalbjähriger Geiselhaft. Kampusch sagte über das Buch: “Ich wollte die Geschichte loswerden.“ Selten schaute sie den Interviewer an, sprach leise, aber bedacht.

Sie sprach auch darüber, dass die Stimmung gegen sie im Laufe der Jahre am Kippen war, weil ihr niemand glaubte. Der Grund: Sie habe nicht öfter versucht, aus dem Verlies zu entkommen. Kampusch sagte dazu: “Ich glaube, die meisten Menschen sehen die Dinge zu einfach, entweder schwarz oder weiß. Es ist alles so einfach, aber man kann oft Dinge nicht umsetzen, obwohl sie einfach sind. Ich hätte, als ich im Verlies unten eingesperrt war, mir tausendmal vornehmen können: Jetzt laufe ich weg. Aber es funktioniert ja nicht, wenn man die Möglichkeit trotzdem nicht hat.“
Über die Motivation zur Flucht sagte Kampusch: “Ich glaube mir war einfach klar, wenn ich länger da bleibe, die Dunkelheit und Hungerkuren aushalten muss, dann bin ich irgendwann tot. Ich wollte aber leben. Ich konnte auch mit dem Gedanken leben, dass er sich danach umbringt.”

Fotos: NDR/Morris Mac Matzen