Donnerstag, 23. September 2010, 17:26 Uhr

Darum verschwand Christo beleidigt und ohne Henne aus Berlin

Berlin. Es war ein Skandal, der eigentlich verpuffte. Bei der Verleihung des ostdeutschen Prominentenpreises ‘Goldene Henne’ wurde Verhüllungskünstler Christo nämlich für sein Lebenswerk geehrt. An und für sich eine Super- und verdiente Sache.

Christos Leistung wurde aber durch die kurzzeitige Verhüllung des Friedrichstadtpalast während der Gala in ziemlich dreister Weise herabgewürdigt. Christo, der Jahre mit der Vorbereitung seiner legendären Verhüllungsprojekte braucht, wurde während der Entgegennahme des Preises mit einem “heimlich” schnell mal heruntergelassenen weißen Vorhang an der Außenfront des Hauses konfrontiert. Und die Veranstalter hofften auf Freude des großen Meisters. Weit gefehlt!

Das Ganze war als Hommage gedacht, ging jedoch ordentlich nach hinten los. Christo war offenbar tödlich beleidigt, fand die Aktion alles andere als originell und nahm den Preis, die Goldene Henne, auch gar nicht erst mit nach New York – geschweige denn zum Fototermin nach der Verleihung (siehe Foto).

Nun mußte Jochen Wolff, seit zwanzig Jahren Chefredakteurr der veranstaltenden Zeitschrift ‘Super illu’, die Hosen herunterlassen und erklärte das Ganze zu einem Missverständnis. Dabei gibt es bei dieser Aktion rein gar nichts misszuverstehen.

Ist doch logisch, dass der Mann, der sich mit seinen Verhüllungsprojekten Jahre beschäftigt und auch für die Umsetzung wenigstens Wochen, wenn nicht sogar Monate braucht, nicht von Leuten nachäffen läßt, in dem die in fünf Minuten eben mal ein weißes Tuch über ein Haus werfen.

Wolff erklärte nun reumütig auf der Website seines Blattes: “Es tut mir leid, dass er sich von der Überraschungsaktion nicht geehrt, sondern verärgert fühlt. Unsere Wertschätzung bleibt. Wir haben sie auch damit bewiesen, dass wir den Künstler für drei Tage erster Klasse aus New York einfliegen ließen. Er nutzte die Gelegenheit gern, um in Berlin umfangreich sein neues Buch vorzustellen. Nur seine Henne mag er nun nicht mehr. Schade. Deshalb noch einmal: Entschuldigung, Meister!

Fotos: AEDT/wenn.com, Hubert Burda Media (2)