Sonntag, 26. September 2010, 14:55 Uhr

Das Supertalent 2010: Tränen nach Drehbuch?

Berlin. Busenwunder, Penismaler, Fremdschäm-Kandidaten. Zum Start der neuen Supertalent-Staffel zieht RTL alle Register. 7,43 Millionen Zuschauer am vergangenen Wochenende dankten es ihnen, und stellten brav den Fernseher an. Der Erfolg ist kein Zufall, der Erfolg ist gemacht.

Für das Kapitel „Tränenreich“ wurde das Ex-Sternchen Darko Kordic (34) rekrutiert, seiner Zeit Mitglied der Berliner Gruppe „3. Generation“. Eine vermeintlich rührselige Story ist schnell geschrieben, zumindest wirkt das so. In den gestellten Interviews, die vor der Sendung (im Juli und August) aufgezeichnet werden, teilt der 34- Jährige mit; er wolle herausfinden „ob er Sänger ist“. Schon erstaunlich, dass jemand; der sechs Jahre lang in einer Profi-Band oftmals auch die Leadstimme sang, nicht weiß ob er Sänger oder Maler ist. Die Geschichte wirkt derart konstruiert, dass die anschließenden Tränen einer Sylvie van der Vaart allenfalls peinlich wirken.

Darko Kordic sang einen Song von Luther Vandross und rührte die arme Sylvie deshalb und angeblich zu Tränen. Der Song ist derart lahm wie auch unbekannt, dass kaum vorstellbar ist, wo die Emotion hieraus entstanden sein soll. Der Sänger ist absolut durchschnittlich und zwar in allen Belangen. Er hat weder ein schlimmes Schicksal erlebt, noch auf der Bühne irgendetwas getan, was zu Tränen hätte rühren können und dennoch ringt die Frau mit selbigen.

Man könnte auch glauben, dass die Rührseligkeit gewollt war. Vermutlich wird hinter den Kulissen schon um Plattenverträge geschachert und man wolle dem Kandidaten deshalb auch einen möglichst rührseligen Einstand verschaffen. (Sean Quentin Dexter)

Die zweite Ausgabe der 14-teiligen Eventshow”Das Supertalent” erreichte am gestrigen Samstagabend 38,8 Prozent der 14 – bis 49-Jährigen Zuschauer (4,45 Millionen). Das ist der höchste Marktanteil beim jungen Publikum, der von “Das Supertalent” jemals erzielt wurde.

Fotos: RTL/Stefan Gregorowius