Mittwoch, 29. September 2010, 17:46 Uhr

Tiemo Hauer: So startet der neue deutsche Jungstar durch

Berlin. Tiemo Hauer ist der neue Herzensbrecher unter den deutschen Jungstars. Mit gerade mal 21 Jahren verfügt der Stuttgarter dabei über eine erstaunliche Reife – sowohl sprachlich als auch musikalisch. klatsch-tratsch.de wollte den jungen Mann näher kennenlernen.

Du wirkst sehr überzeugend am Klavier und am Mikro, als hättest du nie etwas anderes gemacht. Hast du etwas anderes gemacht?
Klavier spiele ich noch nicht so lange. Eigene Songs mache ich auch erst seit ungefähr zwei Jahren. Davor habe ich Schlagzeug gespielt in verschiedenen Bands. Das war völlig andere Musik. Im Klavierspielen und im Songschreiben habe ich mich gefunden.

Wo hast du denn dein Handwerk gelernt?
Ich hatte mal als Kind Klavierunterricht, aber nicht sehr lange, weil ich keine Noten lernen wollte. Noten lesen kann ich bis heute nicht. Es war Wunsch meiner Eltern, aber wir haben gesagt: OK, dann lassen wir das, denn das macht ja nicht viel Sinn. Dann habe ich lange gar kein Klavier gespielt, aber dafür Schlagzeug. Mit vierzehn habe ich mich von mir aus ans Klavier gesetzt und auch angefangen Songs zu schreiben.

Nach dem Abi sitzen die meisten im Hörsaal. Du hast dich ans Klavier gesetzt. War das Verlegenheit oder ein Entschluss oder ein Statement?
Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Ich wollte unbedingt Musik machen. Ich habe das Abi nur gemacht, damit ich es habe. Anschließend haben meine Managerin und ich sofort losgelegt mit dem Musikmachen. Darum ist es so gekommen wie es jetzt ist. Ich habe viel gelernt auch einfach dadurch, dass ich dabei bin: Im Umgang mit Menschen und Geschäftspartnern.

Im Sommer gabst du ein Live-Konzert mit Band im Kellerclub. War die nur geliehen? Am 13. November gibst du ein Konzert in Stuttgart – POP.NOTPOP. Wieder mit Band?
Die Band war nicht geliehen. Da sind zwei Freunde von mir dabei. Die anderen beiden sind Kumpels von meinen Freunden. Sie meinten: Schau mal, da ist noch ein Gitarrist und ein Schlagzeuger. Wenn ich mit Band auftrete, sind das immer die gleichen. Im November wird es eine Percussion sein mit Schlagzeug. Es wird ein sehr intimes Konzert werden auf einer relativ kleinen Bühne.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Universal? Führte dein Weg zu ihnen oder umgekehrt? Was erhoffen sich beide Seiten?
Die Zusammenarbeit hat sich entwickelt. Es kam mit der Zeit. Sie haben mich irgendwann zum Showcase gebeten. Ok, dann machen wir das, dachte ich. Ich erhoffe mir natürlich so viele Leute wie möglich mit meiner Musik zu erreichen. Was Universal sich erhofft, weiß ich nicht.

Wo siehst Du Dein Publikum?
Ich persönlich habe nicht vor ganz bestimmte Zielgruppen anzusprechen. Ich mach einfach meine Musik so wie ich sie fühle. Wenn es den Menschen gefällt, kann ich das nur mit der Musik beeinflussen. Wie alt jemand ist der meine Musik mag ist völlig egal.

Kreative Prozesse laufen ja bei jedem Künstler unterschiedlich ab. Wie ist das bei dir beim Songtexteschreiben?
Inspiration hole ich mir auf jeden Fall, wenn ich unterwegs bin. Wenn ich zum Beispiel mit Freunden unterwegs bin oder abends ausgehe. Darum sind die Geschichten in meinen Songs auch aus meinem Leben. Schreiben tu ich aber, wenn ich alleine bin. Da brauche ich Ruhe. Manchmal kommt es vor, dass ich eine Idee habe oder mir eine Songzeile einfällt. Die schreibe ich unterwegs auf. Ich habe aber noch nie in einem öffentlichen Raum, wie in einem Café, einen kompletten Song geschrieben.

Bist du ein Tagträumer?
Ja, schon ein bisschen. Ich bin Nachtmensch und Tagträumer (lacht).

Wovon träumst du, wenn du an die Zukunft denkst?
Das sind mehrere Sachen. Ich fände es cool in Stuttgart eine eigene Bar oder einen eigenen Klub aufzumachen irgendwann. Mein größter Traum ist natürlich Musik zu machen und damit so viele wie möglich zu erreichen. Es ist toll, wenn die Leute bewegt sind und die Texte mitsingen können.

Die Bravo bezeichnet dich als Herzensbrecher. Bei den Texten deiner Songs hat man eher das Gefühl, dein Herz wurde das ein oder andere Mal gebrochen. Kann das sein?
Ja, auf jeden Fall. Ich persönlich finde auch das Wort HERZENSBRECHER irgendwie doof, weil es so fies klingt. Es kommt wohl daher, weil ich ruhige Musik mache, die vor allem Mädchen gefällt. Ich hab keine Ahnung. Wahrscheinlich kommt es daher, weil ich ruhige Songs schreibe.

Am 8. Oktober wird deine zweite Single „Nacht am Strand“ veröffentlicht. Was erwartet uns da?
Es ist ja eine EP. Da sind noch vier weitere Songs drauf und ein Live-Video. „Nacht am Strand“ ist eine Liebesballade. Sie basiert auf einer wahren Geschichte mit einem Mädchen mit dem ich heute aber leider nichts mehr zu tun habe. Der Song „Auf Abstand“ handelt von Trennung und davon, dass eine Beziehung auch irgendwann ausläuft. Davon, dass man nicht weiß, wie man damit umgehen soll. „Nein“ ist ein Song über Kindesmissbrauch. Einige finden den gut, anderen ist das Thema zu hart. „Zwei Gefährten“ ist ein Song über Freundschaft. Über Einsamkeit geht es in dem Video zu „Schläfst du schon“.

Was bedeutet dir ein Klavier? Es ist ja ein sehr unhandliches Instrument, wenn man viel unterwegs ist.
Ich spiele unglaublich gern Klavier. Ich liebe seinen Klang und alles was man damit machen kann: Komplett verschiedene Stimmungen erzeugen. Total fetzige Stimmung, aber auch sehr traurige. Es ist wie im Leben. Von den tiefsten bis zu den höchsten Tönen ist alles dabei.

Du berührst mit deiner Musik. Was berührt dich?
Das ist eine schwierige Frage. Persönliche Schicksale berühren mich sehr. Ich bin auch jemand der bei Filmen schnell anfangen kann zu heulen, weil ich mich in emotionale Momente reinsteigern kann. Deswegen sind auch viele meiner Songs ruhig, weil ich mich in traurige Momente sehr reinsteigern kann.

Wer sind Deine musikalischen Vorbilder?
Die habe ich eigentlich gar nicht. Ich höre ganz unterschiedliche Musik: Songwritermusik, schmutziger Elektro. Ich höre alles und was in meinen Ohren schön klingt, inspiriert mich irgendwie. Ich würde nie sagen: Dieser oder jener Musiker ist mir absolutes Vorbild und ich will Songs schreiben wie er oder sie.

Das Interview führte Eva Magdon. Fotos: Universal