Freitag, 08. Oktober 2010, 11:35 Uhr

"The Social Network": Ist Zuckerberg ein Genie oder ein Arschloch?

„The Social Network“ – Der Film über den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und den Wert der Selbstdarstellung unter „Freunden“  sorgt schon im Vorfeld für viel Aufsehen. Dieser Film wird mit Sicherheit ein Kritiker– und Verkaufserfolg, der 500 Millionen Facebookfans mehr als unterhalten könnte – wenn sie denn alle ins Kino gingen! Ein großes Thema – seit gestern im deutschen Kino.

Die Story: Cambridge, Harvard University im Jahr 2004. Zunächst gelingt es dem Hacker Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) eine Plattform zu programmieren mit der man die Studentinnen vergleichen und bewerten kann. Zusammen mit seinen Kumpels Eduardo Saverin (Andrew Garfield), Dustin Moskovitz (Joseph Mazzello) und Sean Parker (Justin Timberlake)  entsteht eine zündende Idee: Die Elite-Universität braucht eine neue Online-Plattform, damit sich alle Studenten über Fachliches und Privates austauschen können. Triebfeder des ganzen ist der Beziehungsstatus der User. Facebook wurde innerhalb kürzester Zeit ein Riesenerfolg und ist es immer noch. Wer war wirklich der Erfinder von Facebook? Mit welchem Ergebnis endeten die Gerichtsprozesse? Ist Zuckerberg ein Genie oder ein Arschloch ohne Freunde? Was sind Freunde?

Mister Zuckerberg: „Facebook hilft, mit Leuten in Kontakt zu bleiben, die wir auch im echten Leben kennen. Mehr nicht. Wer glaubt, dass jeder Facebook-Kontakt ein Freund ist, der weiß nicht, was Freundschaft bedeutet.“

Keine Freunde ohne Feinde – Der Film geht der Erfolgsstory Facebook auf den Grund. David Fincher, Regisseur des Facebook-Films hat einige Änderungen an seinem Film vorgenommen. Wie jetzt bekannt wurde, hat Fincher damit auf Einwände der Facebook-Direktion reagiert, der eine Vorabversion gezeigt wurde. Am meisten stieß den Geschäftsführern eine Szene mit Justin Timberlake auf, der den Napster-Gründer Sean Parker spielt.

Timberlake hält im Film eine Rede, während sich im Hintergrund ein paar Mädchen halbnackt räkeln und anbieten, Kokain direkt von ihren Brüsten in die Nase zu ziehen. So etwas wollte Facebook ganz und gar nicht sehen. Die Filmcrew sei dem nachgekommen und habe diese Szenen entfernt, erklärt Produzent Scott Rudin.

Beschwert habe sich Facebook auch über die ihrer Meinung nach zu negative Darstellung von Firmengründer Mark Zuckerberg, den Jesse Eisenberg spielt. “Sie sahen sich den Film an und mochten ihn überhaupt nicht”, fasst Rudin die Reaktionen zusammen. Davon werde man sich aber nicht weiter stören lassen, denn “wir machen immer noch den Film, den wir uns vorstellen”, betont Rudin.

Aus der Facebook-Zentrale in Palo Alto war die Bitte gekommen, dem Film eine andere Richtung zu geben, weil der Streifen in dieser Form einem Börsengang des Unternehmens schaden könnte. Denn: Die Darstellung von Mark Zuckerberg sei „nicht sympathisch“. Doch bei Sony blieb man hart. Zuckerberg gab bekannt, er werde sich den Film nicht ansehen.

Es bleibt zu hoffen, dass dieser großartige Film am besten doppelt so viele Zuschauer wie Facebooknutzer erreicht, damit möglichst erst das Hirn und dann die Finger auf der Tastatur in Bewegung gesetzt wird.

Mark Zuckerberg ist kein Anhänger des Datenschutzes. Es soll immer einfacher werden Informationen zu teilen und Leute zu finden. Die Frage ist nur: Warum ist  Zuckerberg selbst so scheu?

Mark Zuckerberg stammt aus einer jüdischen Familie und wuchs im Bundesstaat New York auf. Der Vater ist Zahnarzt, die Mutter Psychotherapeutin. Sind seine Eltern stolz auf ihn? “Ja, obwohl sie es wahrscheinlich noch lieber gesehen hätten, wenn ich in Harvard meinen Abschluss gemacht hätte.” Als Facebook immer größer wurde, wollte er das Psychologiestudium zunächst nur unterbrechen, um nach Kalifornien zu ziehen. (Eva Magdon)

Fotos: SonyPictures