Dienstag, 12. Oktober 2010, 15:44 Uhr

Eurovision Song Contest 2011 findet in Düsseldorf statt

Hamburg. Grauenhafte Entscheidung: Düsseldorf wird die Gastgeberstadt für den Eurovision Song Contest 2011 in Deutschland. Auf Vorschlag des federführenden NDR haben die Intendantinnen und Intendanten der ARD heute Düsseldorf den Zuschlag gegeben. Auch die Europäische Rundfunkunion (EBU) gab grünes Licht für Düsseldorf. Und das, obwohl die Finals bisher fast ausnahmslos in den Hauptstädten der Siegerländer stattfanden! Doch die Veranstalter fanden eine Vielzahl von Gründen, die für Düsseldorf sprechen: Berlin ist zu klein und sparen müsse man auch und zwar kräftig.

Vorausgegangen war eine intensive Prüfung der Konzepte aller vier Städte, die sich als Austragungsort beworben hatten. Eine eigens eingerichtete Expertengruppe war zweimal – Anfang und Ende September – in jede Bewerberstadt gereist und hatte die Locations in Augenschein genommen. Auch wichtige Rahmenbedingungen wie verfügbare Hotelkontingente wurden mit den Städten geklärt. Die letzten schriftlichen Unterlagen, die Voraussetzung für die Entscheidung waren, gingen erst Ende der vergangenen Woche beim NDR ein.

Peter Boudgoust, ARD-Vorsitzender erklärte die Entscheidung nüchtern: “Der Vorschlag Düsseldorf hat die Intendantinnen und Intendanten in jeder Hinsicht überzeugt. Sowohl die optimalen Produktionsbedingungen als auch die niedrigeren Kosten haben den Ausschlag gegeben. Die ARD steht geschlossen hinter dieser Entscheidung – das unterstreicht das einstimmige Votum in unserer Schaltkonferenz am Dienstag für die Arena in Düsseldorf.”

NDR Intendant Lutz Marmor jubelte: “Düsseldorf twelve points – die  nordrhein-westfälische Landeshauptstadt bietet für den ESC insgesamt die besten Bedingungen. Natürlich hätte ich es als NDR-Intendant gern gesehen, wenn der ESC nach Norddeutschland gekommen wäre, nachdem der NDR diesen Wettbewerb nach 28 Jahren wieder nach Deutschland geholt hat. Der NDR hat aber in diesem Fall als Treuhänder der ARD und der Fans des ESC in ganz Deutschland im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit Gebührengeldern Düsseldorf empfohlen. Ich gratuliere Düsseldorf herzlich zum Sieg. Genauso herzlich danke ich den drei weiteren Städten, die mit attraktiven Konzepten und großem Engagement ins Rennen gegangen sind. Ein Dankeschön gilt zudem der Deutschen Fußball-Liga und Fortuna Düsseldorf, die für den ESC einen befristeten Umzug in ein anderes Stadion möglich machen.”

Monika Piel, WDR-Intendantin sagte dazu: “Düsseldorf mit seinem tollen Stadion und seiner großartigen Musik-Szene ist eine hervorragende Wahl für die Titelverteidigung von Lena beim Eurovision Song Contest. Lenas positive Ausstrahlung passt sehr gut zum Lebensgefühl am Rhein. Denn die Fans in der Region sind bekannt für ihre Begeisterungsfähigkeit und für ihre Fairness. Wir haben die Chance in NRW, gute Gastgeber bei diesem völkerverbindenden musikalischen Großereignis zu sein. Der WDR hat deshalb die Initiative der Stadt, Austragungsort zu werden, in den letzten Wochen sehr gerne unterstützt. Umso mehr freue ich mich über die heutige Entscheidung.”

Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Unterhaltung: “Düsseldorf konnte vor allem mit seiner Arena und ihrem Umfeld punkten. Mehr als jeweils 24.000 Zuschauer werden bei den beiden Halbfinals und dem großen Finale, aber auch bei den Generalproben dabei sein können. Uns war wichtig, dass wir im bevölkerungsreichsten Mitgliedsstaat der
Europäischen Union den Fans aus Deutschland, aber auch den Fans aus unseren Nachbarländern die Möglichkeit geben können, den ESC live vor Ort zu erleben. Als Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr hat die Stadt ein riesiges Einzugsgebiet, das bis in die Niederlande und nach Belgien reicht.”

Schreiber weiter: “Auch die Fernseh-Produktionsbedingungen für drei Sendungen mit Teilnehmern aus mehr als 40 Ländern sind in Düsseldorf hervorragend. Die Arena bietet eine ausgezeichnete Akustik. Außerdem haben wir bei den sehr kurzen Umbaupausen von ca. 35 Sekunden zwischen den einzelnen Auftritten großzügig Platz hinter der Bühne und eine optimale Deckenhöhe, um Bühnendekorationen nach oben ziehen zu können. Auch die Journalisten werden in der unmittelbar neben der Arena gelegenen Leichtathletik-Halle optimale Arbeitsbedingungen vorfinden. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit von Fernsehen, den ARD-Radios und eurovision.de. Auch bei den Entscheidungen für den Song für Lena werden die ARD-Radios wieder eine zentrale Rolle spielen!”

Dagmar Reim, die Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), hatte zunächst die Bewerbung der Hauptstadt befürwortet und erklärte jetzt: “Dass Berlin nicht zum Zuge kam, hängt schlicht mit den Platzverhältnissen zusammen. Rechnet man die Plätze für Delegationen aus ganz Europa ab, stehen in Düsseldorf 24.000 Plätze für Fans zur Verfügung. In Berlin wären es lediglich 8.800 gewesen. Daraus folgt: Die Einnahmen durch Kartenverkauf können in Düsseldorf so erheblich sein, dass Berlin für die ARD um Millionen teurer wäre.”

Die drei Mitbewerber Düsseldorfs hatten unterschiedliche Konzepte vorgelegt. Berlin war mit dem ehemaligen Flughafen Tempelhof als Schauplatz der beiden Halbfinale und des internationalen Song-Contest-Finales am 14. Mai angetreten. Die zwei norddeutschen Metropolen Hamburg und Hannover hatten auf ihre Messehallen gesetzt. “Berlin, Hamburg und Hannover hatten jeweils außerordentliche phantasievolle und mit Sorgfalt ausgearbeitete Bewerbungen vorgestellt. Auch die Gespräche mit den Beteiligten in den drei Städten waren sehr konstruktiv. Alle vier Bewerberstädte waren mit großer Leidenschaft dabei und wollten den ESC unbedingt in ihren
Locations haben”, so Thomas Schreiber.

Beim Finale des Eurovision Song Contests 2011 in Düsseldorf wird erneut Lena für Deutschland singen. Aus der Arena in Düsseldorf werden auch die beiden Halbfinals übertragen, die für Dienstag, 10. Mai, und Donnerstag, 12. Mai, angesetzt sind. Der NDR ist beim Eurovision Song Contest der für Deutschland federführende Sender.

Foto: WDR/Herby Sachs, Indrek Galetin (EBU)