Samstag, 16. Oktober 2010, 12:33 Uhr

Dr. Eisenfaust Vitali Klitschko lädt Obdachlosen zum WM-Fight ein

Hamburg. Pöbeleien – damit kennt sich der Obdachlose Max Bryan (34), der an den Landungsbrücken schläft, aus. Doch einer schenkte dem Mann, der seit März auf der Straße lebt, ein wenig Zuneigung – Boxweltmeister Vitali Klitschko (39)!  Heute Abend um 22.00 Uhr ist Max erstmal eingeladen beim großen Kampf von Vitali gegen den US-Amerikaner Shannon Briggs in Hamburg beim “Duell der Knockouter” mit dabei zu sein. Dr. Eisenfaust hat ihm eine Eintrittskarte spendiert.

Vitali Klitschko joggte am Schlafplatz des Wohnungslosen vorbei „und nahm ihn für ein Foto gern in den Arm“, schrieb unlängst die Hamburger Morgenpost über die ungewöhnliche Begegnung zweier Menschen die unterschiedlicher nicht sein können. Max ist arm und obdachlos, Klitschko ist reich und einer der berühmtesten Boxer unserer Zeit. Um so mehr hat diese Begegnung auch Nachwirkung gezeigt.

Internetmedien überschlagen sich förmlich, sogar im fernen Russland berichtet man über »Klitschko und den Obdachlosen« [boxnews.com.ua] und sogar das Fernsehen hat sich angesagt. RTL dreht heute Mittag an den Landungsbrücken ein Special über den jungen Mann, über den man kaum etwas weiß, nur dass er seit 6 Monaten auf der Straße lebt und dass Klitschko ihn dort wohl durch Zufall entdeckt hat.

Rückblick: Dort wo Vitali Klitschko am Morgen des 1. September entlang joggte, hat Bryan (in Höhe der Landungsbrücken) seinen Schlafplatz, und eigentlich wird er dort nur vom Geschrei der Möwen geweckt. An jenem Morgen aber war vieles anders. Die Putzfrau der Hafenkneipe – gleich neben seinem Schlafplatz – war ganz aus dem Häuschen und konnte offenbar Ihren Augen nicht trauen, weshalb sie den Wohnungslosen dann eilig auch weckte, denn wer da stand, war nicht irgendein Tourist, sondern der berühmte Boxer Vitali Klitschko.

Bryan war sichtlich überrascht, denn er ist ein Riesen-Fan der beiden Klitschko-Brüder, die er bislang nur aus dem Fernsehen kennt. Damals, als er noch eine Wohnung hatte, habe er keinen der RTL-Box- Abende verpasst. Regelrecht zelebriert habe er diese Ereignisse, mit einem besonderem Festessen und einem kleinen 6×6 cm Video-Display, auf dem er auch Fernsehen schauen konnte.

Anfang März dann verlor Bryan seine Wohnung. Das Haus wurde verkauft und er musste raus. Seitdem lebt der 34-Jährige auf der Straße. (Hier ist der bewegende Brief des wohnungslosen Max Bryan.)

Eine ergreifende Geschichte, vielleicht sogar d i e Geschichte des Jahres. Ein Boxer trifft zufällig einen Obdachlosen im Hafen von Hamburg und verändert damit sein ganzes Leben. Gut 6 Wochen ist das jetzt her, und nun will Max sich bei Vitali bedanken, dafür, dass er ihn motiviert hat, die Dinge ganz neu anzupacken.

„Herr Dr. Klitschko hat mich daran erinnert, was Menschen im Stande sind zu leisten, und ich kann das auch. Ich liebe mein Leben und ich hole es mir zurück!“, schreibt Bryan in seinem Dankesbrief.

Ein Hamburger Kollege vom Kölner Pressedesk hat Max dann im Hafen besucht und mit ihm gesprochen.

Max braucht dringend einen wärmeren Schlafsack und ein paar Dinge für den Winter. Vieles hat er schon probiert um von der Straße wegzukommen, bislang ohne Erfolg.

Schaut er sich irgendwo eine Wohnung an, sind meist schon 10 andere Bewerber vor ihm da, die alle das selbe wollen, und in der Regel haben die einfach die besseren „Karten“, berichtet der wohnungslose Zwangs-Hamburger.

Max hat Schlimmes durchgemacht. Eine drastische wie auch glücklose Kindheit zwingt ihn früh schon auf eigenen Beinen zu stehen. Mit 17 bereits die erste eigene Wohnung, die er sich mit harter Arbeit neben seiner Ausbildung (zum Reiseverkehrskaufmann) finanziert.

Gleich nach der Ausbildung stürzt er sich in ein noch viel größeres Abenteuer. Investoren bieten ihm ein eigenes Reisebüro an und Max arbeitet hart für den Erfolg. Schon in den ersten Monaten läuft das Geschäft so gut, dass die Investoren das Reisebüro mit erheblichen Gewinn wieder verkaufen. Max, der alles besorgt und aufgebaut hatte, geht leer aus. Enttäuscht zieht er sich zurück in eine kleine Einliegerwohnung im Norden Deutschlands, wo er sich mit einem Flugtickethandel selbstständig machen will. Was danach folgt ist so unglaublich wie einzigartig.

Max Bryan, der mit Wissenschaft eigentlich nie etwas zu tun hatte, schreibt tausende Seiten zur Metaphysik, ein Teilbereich der Philosophie. Es geht um Sein und um Nichtsein und um die globale Ordnung des Seins. Beobachter sprechen gar vom einsamen Eremiten, der irgendwo im stillen Kämmerlein vor sich hin brütet, und dabei Jahr für Jahr hofft das Angefangene auch zu Ende zu bringen. Doch bevor es dazu kam, verlor Bryan seine Wohnung, 6 Monate ist das jetzt her.

Nun lebt der ehemalige Einsiedler fast genauso einsam im Hamburger Hafen, allein unten an den Landungsbrücken, wo er versucht, dem Dasein eines Bettlers zu entfliehen.

Das Kölner Projektoffice will Bryan helfen eine neue Wohnung zu finden und hofft dabei auf die Unterstützung der Medien. „Wenn die Leute erst einmal sehen, dass ein so berühmter Boxer ihm ganz ungezwungen die Hand reicht, könnte das helfen Vorurteile ihm gegenüber abzubauen und vielleicht ist darunter auch jemand, der dem Max dann eine neue Wohnung vermietet“, erklärt ein Sprecher der Kölner Presseagentur, die bundesweit auch Hilfsprojekte initiiert. (Sean Quentin Dexter für TeleNewsNet.com)

Fotos: RTL/Timo Schaube, Morris Mac Matzen, Picture Alliance (2)