Mittwoch, 20. Oktober 2010, 12:52 Uhr

"Carlos - der Schakal": Am 4.11. kommt das Terror-Phantom ins Kino

Berlin. Mit ‘Carlos – der Schakal’ legt der französische Star-Regisseur Olivier Assayas (Boarding Gate, Demonlover) ein actiongeladenes Portrait über den Aufstieg und Fall eines Mannes vor, der zu Zeiten des Kalten Krieges den internationalen Terrorismus mit erfand und die politischen Machtspiele dieser Jahre auch für seine ganz persönlichen Zwecke zu nutzen wusste. Entstanden ist das großartige Epos einer Ära, in der Ideologie extremste Gewalt legitimierte und der Glaube, die Welt verändern zu können, eine Generation bewegte. Am 4. November kommt der Film auch in Deutschland in zwei Fassungen ins Kino. Neben der regulären Fassung wird der Film in ausgewählten Kinos auch in der in Cannes gezeigten ,extended Version‘ mit weit über fünf Stunden Länge starten.

Für seinen Film hat Olivier Assayas jahrelang Recherchen betrieben, das daraus resultierende Drehbuch, verfasst von Assayas gemeinsam mit Co-Autor Dan Franck, basiert ausschließlich auf direkten Zeugenaussagen, Gerichtsprotokollen und Polizei-Akten.

Gespielt wird Carlos von Édgar Ramírez (Das Bourne Ultimatum, 8 Blickwinkel), der, genau wie der ,reale‘ Carlos, aus Caracas/ Venezuela stammt und für seine Rolle eine wahre schauspielerische Tour de Force hinlegt. An seiner Seite spielt ein starkes deutsches Ensemble, darunter Shooting Star Nora von Waldstätten (Parkour, Schwerkraft) als Carlos’ Ehefrau Magdalena Kopp, Alexander Scheer (Sonnenallee, Das wilde Leben) als sein Weggefährte Johannes Weinrich, Christoph Bach (Dutschke, Katze im Sack) als Hans-Joachim Klein, Aljoscha Stadelmann (Die Wölfe) und Julia Hummer (Gespenster). In weiteren Rollen sind zudem u.a. Udo Samel (Alles auf Zucker!), Jule Böwe (Schwarze Schafe) und Katharina Schüttler (Wahrheit oder Pflicht) zu sehen.

Und darun geht’s: Sein Name ist Ilich Ramirez Sanchez, doch die Welt kennt ihn als Carlos. Carlos – Der Schakal. Berühmt.  Berüchtigt. Ein Phantom und ein Pha?nomen. 1975 verantwortet er den Anschlag auf das OPEC-Hauptquartier  in Wien, in den Jahren darauf agiert er als kaltblütiger Mörder und effizienter Manager organisierter Gewalt – und macht den Terror zum Business. Er wird zum meistgesuchten Terroristen der Welt, doch Fotos gibt es  kaum von ihm. Auf den Fahndungsplakaten ist er nur der Mann mit der Sonnenbrille. Immer wieder schafft er es unterzutauchen, verprasst sein auf Schweizer Konten angehäuftes Vermögen in Luxushotels, macht sich Frauen hörig und nutzt sie für seine Zwecke aus und lässt seine Kontakte zu den Geheimdiensten in Ost und  West spielen. Mit den Jahren verlassen ihn jedoch sein sicheres Gespür und seine Energie –und schließlich  auch seine treuen Partner und Unterstützer, die ihn nun als blutbesudeltes Relikt des Kalten Krieges möglichst unauffällig loswerden wollen.

Noch zu Lebzeiten ein Mythos, ist Carlos eine Schlüsselfigur in der Geschichte des internationalen Terrorismus der 70er und 80er Jahre, vom pro-palästinensischen Aktivismus bis hin zur japanischen Rote Armee. Er verkörperte sowohl die extreme Linke als auch den opportunistischen Söldner, stand auf der Gehaltsliste der ma?chtigen Geheimdienste des Mittleren Ostens. Er gründete seine eigene Organisation, baute diese hinter dem eisernen Vorhang auf und war dort während der letzten Jahre des Kalten Krieges aktiv. Dieser Film ist die Geschichte eines revolutiona?ren Internationalisten, eines Manipulators und Manipulierten, der von den Verrücktheiten seiner Zeit mitgetragen wurde.

Wir folgen ihm bis ans Ende des Wegs, den er ging, bis in den  Sudan, dessen islamische Diktatoren ihn an die franzo?sischen Behörden auslieferten, nachdem sie ihn zuvor  jahrelang geschu?tzt hatten. Ein widersprüchlicher Charakter, gewalttätig wie die Zeit für die er steht, ist Carlos  auch ein Rätsel. Und genau dieses wollen wir lösen, zumindest so weit es möglich ist.

Der Film basiert auf Ergebnissen der Recherche zeitgeschichtlicher und journalistischer Dokumente. Abgesehen davon sind wichtige Abschnitte im Leben von Carlos undokumentiert und somit diskussionsfähig. Dieser Film ist damit vor allem eine filmische und fiktionale Aufarbeitung von zwei Jahrzehnten im Leben eines der berüchtigtsten internationalen Terroristen unserer Zeit.

Fotos: © 2009 Film En Stock/Egoli Tossell Film – Photos by Jean Claude Moireau, Carole Bethuel