Mittwoch, 27. Oktober 2010, 22:07 Uhr

Kinofilm "Die kommenden Tage": Na dann, gute Nacht Deutschland

Berlin. Am Mittwochabend hatte der düstere Zukunftsfilm ‘Die kommenden Tage” seine Berliner Premiere, einer der wohl ambitioniertesten deutschen Filmprojekte der letzten Jahre. Der Film spielt 2020 in Berlin, wo Terror und bürgerkriegsähnliche Zustände an der Tagesordnung sind und Europa schottet sich schließlich mit einer Mauer von der restlichen Welt ab… “Naturalistische Science-Fiction” nennt Regisseur Lars Kraume (37) seinen aufwühlenden Film.

Am 4. November kommt der Film mit großartiger Besetzung in die deutschen Kinos.

Wie wird unsere Welt in naher Zukunft aussehen? Regisseur und Drehbuchautor Lars Kraume entwirft ein Szenario, in dem wir unsere Sehnsüchte und Befürchtungen auf berührende Weise wieder finden. Aufwühlend und intensiv erzählen ‘Die kommenden Tage’ von einer möglichen Zukunft – mit Bernadette Heerwagen, Daniel Brühl, Johanna Wokalek, August Diehl, Susanne Lothar und Ernst Stötzner in den Hauptrollen.

Der Streifen erzählt die Lebenswege von zwei Schwestern aus der Gegenwart in eine durchaus realistische, nahe Zukunft, in eine Zeit der Unsicherheit und der großen Veränderungen. Laura Kuper (Bernadette Heerwagen) muss sich am Ende ihres Studiums zwischen ihrem Wunsch nach Kindern und Hans (Daniel Brühl), der großen Liebe ihres Lebens, entscheiden.

Ihre Schwester Cecilia (Johanna Wokalek) treibt die unerfüllte Liebe zu Konstantin (August Diehl) in die Abgründe eines neu aufkommenden Terrorismus, denn der entpuppt sich als Terrorist. Mit Ängsten und Hoffnungen begegnen die zwei Schwestern in einer destabilisierten Welt ihrer Zukunft…

Der Film ist eine Zeitreise in die Zukunft, vor allem aber auch ein brillant gespieltes, intensives Bild eines Lebensgefühls vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Gesellschaft und radikaler politischer Verwerfungen.

Zu seinen filmischen Vorbildern zählt Lars Kraume vor allem Luchino Viscontis „Rocco und seine Brüder“ und Ridley Scotts „Der Blade Runner“. Viscontis Klassiker ist nach wie vor als epische, unerbittlich mitreißende Analyse einer Familie in widrigen Lebensumständen unübertroffen. Ridley Scotts Meilenstein des modernen Science-Fiction-Films beeindruckt Kraume aus einem ganz speziellen Grund: „Als einer der ersten Filme stellt Scotts Meisterwerk die Frage: Wie entwickelt sich unsere Welt in den kommenden Jahrzehnten weiter?“

Die Dreharbeiten begannen nach umfangreichen Vorbereitungen im August 2009. Bis November filmte das Team 55 Tage lang in Berlin, Frankfurt/Main, Düsseldorf, Wuppertal, Köln, im Taunus und in Tirol.
Hauptschauplatz ist ein leicht futuristisches Berlin der Jahre 2012 bis 2020 – zu den bekannten Locations gehören die Staatsbibliothek und der Alexanderplatz.

Hinzu kommen Aufnahmen aus Frankfurt/Main. Damit spielt der Regisseur auf Pläne an, die rund um den Alexanderplatz Hochhäuser vorsehen. Er verwendet aber keine klassischen Computereffekte – vielmehr werden reale Frankfurter Gebäude in der Postproduktion per
„Composite“-Verfahren später hinzugefügt. Dadurch wirkt der Berliner Zukunftslook äußerst realistisch.

Ganz bewusst vermeidet Kraume, eine völlig neue Welt zu erfinden, denn seine Zeitreise führt von der Gegenwart in eine nahe Zukunft: Die heutige Welt hinterlässt noch lange ihre Spuren – die Entwicklungen der kommenden Jahre bringen nur leichte Veränderungen. Kraume bezeichnet das wie gesagt als „naturalistische Science-Fiction“.

Interessanterweise wird er dabei manchmal von der Realität eingeholt: Im Film ist der Torso des noch nicht komplett neu errichteten Berliner Schlosses zu sehen. Inzwischen ist aber völlig unklar, ab wann das Stadtschloss wieder aufgebaut wird.

Außerdem kommen immer wieder iPad-ähnliche Lesegeräte ins Bild. Doch zu Beginn der Dreharbeiten gab es das iPad noch nicht. Bei den Recherchen zum Film erkundigten sich Kraume und seine Mitarbeiter auch bei bekannten Forschungsinstituten und bauten entsprechend denkbare technische Weiterentwicklungen in die Story mit ein. Von der Industrie durfte er allerdings keine Hilfe erwarten, wie Kraume schnell merkte: „Wenn man keinen Tom-Cruise-Film zu bieten hat, rücken die keine Informationen über Innovationen heraus.“

Fotos: Universal Pictures