Mittwoch, 27. Oktober 2010, 12:34 Uhr

"X Factor": Anthony Thet mußte seinen Hut nehmen

Köln. Pech für eine der markantesten Stimmen in der ersten Staffel von ‘X Factor’. Anthony Thet mußte gestern Abend seinen Hut nehmen. Dafür verzieh die Jury Mati Gabiel offenbar sämtliche schiefen Töne bei dessen grauenhaften Interpretationen mit “Music” von Madonna sowie “California Gurls” von Katy Perry.

Der 30-jährige Anthony aus Berlin konnte mit “When Love Takes Over” von “David Guetta feat. Kelly Rowland” sowie “Give It To Me Right” von Melanie Fiona bei der Mottoshow “A Night At The Club” nicht punkten. Disco ist halt nicht seine Musik. Auch nicht als er nochmal im Duell gegen die Schwergewichte von Big Soul antrat.

“Ich mag deine Entschlossenheit sehr. Aber du bist keine Eier legende Wollmilchsau. Du bist nicht in allen Bereichen gleich gut”, urteilte darauf Juror George Glueck. Auch Jurorin Sarah Connor war nicht gänzlich überzeugt: “Ich finde, du hast den Song gut gelöst. Aber wir wissen beide, das ist eigentlich keine Nummer, die du dir allein ausgesucht hättest.”

Somit hat jedes Jury-Mitglied noch einen Kandidaten im Rennen. Ein seltsamer und sehr verdächtiger Zufall! Hätte ja sonst auch doof ausgesehen, wenn Sarah Connor ohne Kandidat weiter gezogen wäre… Aber der Reihe nach:

Die vier Hamburger Ladys von ‘Big Soul’ eröffneten die sechste Live-Show stimmgewaltig mit ihrer  Version von “It’s raining Men” der Weather Girls. Es folgten Standing Ovations der Jury und des Publikums. “Ein tolles Opening. Ich habe euch in den Proben heute gesehen. Da wart ihr noch ein bisschen verhalten. Und jetzt kommt ihr hier auf die Bühne und macht das so  toll. Ich fand es stark”, urteilte Sarah Connor.

Mit ihrem zweitem Song des Abends  stellte sich das Hamburger Quartett ‘Big Soul’ einer ganz besonderen  Aufgabe. Mentor George Glueck ließ sie Sarah Connors Hit “From Zero  to Hero” performen. Die Jurorin kündigte eine strenge Bewertung an.

Am Ende gab es jedoch ein eindeutiges Urteil der Pop-Queen: Daumen hoch! “Das war für mich eine richtige Hommage. Hier habt ihr eure  Liebe zur Musik gezeigt. Sie müssen dringend bald eine Platte machen, lieber George”, schloss sich Juror Till Brönner an.

Eines der wohl schönsten Komplimente des Abends machte Juror Til Brönner kurz darauf auch seinem zweiten noch im Wettbewerb verbliebenen Schützling – Edita Abdieski – und kündigte die 25-jährige Wahl-Kölnerin mit den Worten an: “Vor ihr verneigen sich die Songs wie schmelzende Zinnsoldaten”.

Mit einer stimmgewaltigen Performance des Liedes “Why don’t you love me” von Super-Star Beyoncé Knowles eroberte Edita darauf das Publikum im Sturm und hinterließ, nicht nur Dank roter High Heels, einen bleibenden Eindruck. Unter “Zugabe”-Rufen des Publikums urteilte die Jury einstimmig: “Wow! Wenn ich jetzt irgendwo vor dem Fernseher gesessen hätte, hätte ich nicht gedacht, dass du eine Teilnehmerin in diesem Wettbewerb bist, sondern eine Künstlerin, die das schon seit Jahren macht. Das hat mir sehr gut gefallen”, lobte Sarah Connor. George Glueck ergänzte: “Die Leistung war tadellos”.

Auch mit ihrem zweiten Song des Abends, “Release me” von Agnes, übertraf Gesangstalent Edita erneut alle Erwartungen – und lieferte mit einem weißen Pferd das auffälligste Bühnenbild an diesem Abend.

Zum Abschluss sorgte erneut der 24-jährige Berliner Mati Gavri für erstaunte Gesichter. Er zeigte eine ganz eigene Version von Madonnas Song “Music” und trat im Trainingsanzug mit Fransen, Zylinder und eigens geplanter Pyrotechnik auf die Bühne. Mentorin Sarah Connor bedankte sich prompt für sein Vertrauen: “Ich hatte dir im Vorfeld gesagt, wenn du das hinkriegst, dann rockst du hier den ganzen Laden. Du hast den Song zu deinem eigenen gemacht. Und du hast deine Entertainer-Qualitäten gezeigt.” George Glueck betonte insbesondere den Mut des jungen Bühnenbildners: “Du gehst die schwierigsten Aufgaben direkt an. Deine Mentorin hat dich mit dem Lied herausgefordert – und ich fand es gut.”

Am Ende waren es nach einem sehr engen Zuschauervoting der Berliner Solist Anthony aus Till Brönners Kategorie der über 25-Jährigen sowie erstmals überhaupt auch die vier Hamburger Ladys “Big Soul” aus George Gluecks Kategorie der Gruppen, die die wenigsten Anrufe erhielten und im Entscheidungsduell erneut gegeneinander antreten mussten. Ihren Entscheidungssong durften die Kandidaten selbst auswählen. Anthony wählte das Lied “Never ever” von den “All Saints”, “Big Soul” trat mit dem Lied “You Can’t Hurry Love” von “Phil Collins” auf die Bühne.

Zum Zünglein an der Waage wurde erneut, wie auch in der vergangenen Woche, Jurorin Sarah Connor. Die Sängerin nahm sich für ihre Entscheidung viel Zeit und traf schließlich schweren Herzens folgende Wahl: “Ich bin wirklich überrascht über die beiden Acts, die da vorne stehen. Aber in dieser Show ist immer wieder alles möglich. Ich fand es sehr gut, was ‘Big Soul’ heute gemacht hat, aber bei Anthony ging es mir auch so. Dennoch, der Act, den ich nächste Woche nicht wiedersehen möchte, ist Anthony.”

Im Publikum übrigens gesicht: Der großartige Pino Severino, der leider schon ausgeschieden war.

Fotos: VOX/Ralf Jürgens