Freitag, 29. Oktober 2010, 14:25 Uhr

Kino-Epos "Carlos - Der Schakal" verlangt höchste Konzentration

Berlin. Der Film ‘Carlos – Der Schakal’ gilt als Kraftakt der europäischen Filmgeschichte. Kraftakt? In jeder Hinsicht! Der Film basiert auf jahrelangen Recherchen von Regisseur Olivier Assayas zur umstrittenen Person des Ilich Ramirez Sánchez, einem der meistgesuchten Terroristen weltweit.

Assayas verfasste zusammen mit dem Co-Autor Dan Franck ein Drehbuch im Umfang von 300 Seiten, für welches Tatsachen, Zeugenaussagen, Gerichtsprotokolle und Polizeiakten genutzt wurden. Gedreht wurde diese aufwendige Koproduktion in Deutschland, Paris, London, Budapest, Libanon, Jemen und dem Sudan.

Assayas verlangt vom Zuschauer höchste Konzentration, denn die Schauplätze, Namen und Sprachen wechseln ständig. Allein die Logistik für die 92 Drehtage und die Wahl der zahlreichen Schauplätze, der Einsatz von 120 internationalen Schauspielern und nicht zuletzt die speziellen Probleme und Situationen vor Ort gelten als gemeistert bei dieser komplexen Herausforderung. Olivier Assayas gelingt mit CARLOS ein faszinierendes, stilistisch präzise auf Authentizität setzendes Epos.

Gespielt wird Carlos von Édgar Ramierez, der wie die Titelfigur aus Caracas stammt und 2009 in Steven Sonderberghs CHE zu sehen war. An der Seite des begnadeten Schauspielers glänzt als Ehefrau des Terroristen der deutsche Shootingstar Nora von Waldstätten. Den Weggefährten Weinreich spielt Alexander Scheer. Von dem Publikum in Cannes wurde der Film frenetisch gefeiert. Allein die inzwischen sechzigjährige Hauptfigur wetterte aus dem französischen Gefängnis und versuchte die Verfilmung zu verbieten! Erfolglos.

Es ist die spannende Geschichte eines Insiders mit Che Guevara Look in der Zeit des Kalten Krieges. Die Geschichte von einem Mann, der ursprünglich vom Kampf um die Freiheit in der Welt fasziniert war und sich in einer Zeitspanne von zwanzig Jahren zum zynischen Söldner entwickelt.
Man nennt ihn Carlos. Er ist Marxist, Playboy, Terrorist und ein extrem selten fotografierter “Medienstar”. Er selbst sieht sich jedoch als professionellen Revolutionär. Der westliche Imperialismus ist sein Feind. Anfang der 70er schließt Carlos sich der Volksfront zur Befreiung Palästinas an. Bombenanschlag in London, Geiselnahme in Den Haag, Mord an Agenten. Mit gezieltem Terror sollen politische Veränderungen erwirkt werden.


1975 kommandiert Carlos den legendären Angriff auf das OPEC-Hauptquartier in Wien. Im Zuge dieser Attacke werden drei Personen getötet. Ein Flugzeug bringt die Geiseln und die Terroristen nach Algerien. Durch die Annahme eines Lösegeldes von 20 Millionen Dollar wird Carlos von der PFLP ausgeschlossen und arbeitet nun von Osteuropa aus für die höchsten Bieter: Irak, Syrien, Libyen…

Im August 1993 flogen die falsche Identität und der Unterschlupf des Schakals auf. Nach einjähriger Verhandlung zwischen der französischen Regierung und der islamischen Militärjunta in Karthum wird Carlos der Schakal verhaftet. 1997 steht Carlos vor Gericht und wird verurteilt zu: Lebenslang.

Angemerkt sei: CARLOS – Der Schakal kommt in zwei Versionen ins deutsche Kino. Zum einen in der regulären Fassung von 197 Minuten und zum anderen in der in Cannes präsentierten Langfassung von ca. fünfeinhalb Stunden. Letztere natürlich mit einer Pause. (Eva Magdon)

Fotos: Film En Stock – Egoli Tossell Film/Photos by Jean Claude Moireau