Sonntag, 14. November 2010, 17:37 Uhr

Gitte Haenning meldet sich mit neuem Album zurück

Berlin. Neues aus unserer beliebten Serie “Was macht eigentlich ….?” Gitte Haenning (64), die wohl berühmteste Dänin Deutschlands, ist mit einem neuen Album zurück: „Was ihr wollt“! Der Titel ist ein Shakespeare-Zitat und Gitte will mit der Platte mehr als Altbekanntes neu interpretieren.

Mit vier neuen Songs schlägt sie auch eine Brücke ins Hier und Jetzt und Heute und zeigt dabei einmal mehr die Vielfalt ihrer kreativen und künstlerischen Facetten. Eine bekannte, vor allem aber bezaubernde Weltenbummlerin erzählt mit ihren Songs poetisch, leicht und virtuos aus ihrem Leben als Künstlerin, ihren Träumen und Gedanken. Wer Gitte über die Brücke folgt, wird verzaubert sein und träumen!

klatsch-tratsch.de traf Gitte in Berlin zu einer bezaubernden Plauderei.

Gitte, wie ist das Konzept des neuen Albums „Was ihr wollt“?
Das Konzept ist Vergangenheit und Zukunft. Es wird vier neue Songs geben. Diese habe ich zusammen geschrieben mit Christian Lohr und Maja Singh. Das war wunderbar. Ich kam an in deren Mühle, wo sie wohnen und ihr Studio haben und das ist schon vom Ambiente her fantastisch. Ich fühlte mich dort wohl. Ich habe mich zehn Minuten hingelegt, die Augen geschlossen und dann fing ich an zu schreiben. Ich wusste, was ich wollte. Ich habe meine tiefen inneren Ratgeber gefragt: Was will ich, was bin ich, was brauche ich? Ich brauche die Nordsee und Salz in der Luft zum Arbeiten und zum Leben. Das gibt mir Kraft. Ich hatte dieses Jahr wenig Zeit für das Meer, war aber trotzdem zehn Tage dort obwohl keine Sonne da war. Ich war wegen dem Theaterstück „Was Ihr wollt“ in Israel und schwamm mit den Delphinen und hatte Sonne und Meer. „Es geht wieder los, ich kann fliegen…“ heißt es in einem der neuen Songs „Salz in der Luft“.

Wie war die Zusammenarbeit?
Ich habe die Vorlagen gemacht und gesagt wie ich das musikalisch sehe. Ich bin die Ideegeberin der Songs. Es gibt einen Song zum Thema Abschied. Ich bin keine Abschiedskünstlerin, ich sag einfach Tschüß. Aber ich hatte einen Augenblick mit Tränen. Das hat Maja Singh beeindruckt und inspiriert und sie hat dann „Salz in der Luft“ geschrieben zusammen mit Christian Lohr. Sie sind nach New York in ihr weiteres Domizil geflogen und haben dort weiter produziert. Ich stehe zu meiner Melancholie. Sie haben den Song „Heimatlos melancholisch“ geschrieben. „Was ihr wollt“ ist nach Shakespeare. Es gibt eine sehr geschmackvolle Vertonung. Ich habe zu Maja Singh gesagt: Shakespeare war ein Mann fürs Volk. Er hat wunderbare Texte gemacht, sehr lebendig. Die können wir durchaus den Menschen näher bringen. Ich liebe Shakespeare. Er war sehr begabt, talentiert. Ich liebe diesen sentens: „The world is the stage and The stage is the world“. Das ist der Kontrapunkt. Darin bewege ich mich. Das hat viele Farben, eine breite Palette in sich. So bekomme ich die Ideen für meine eigenen Shows.

Was ist die Chance für zeitlose Musik?
Musik besteht aus Frequenzen. Das Wort kam zuerst und dann die Musik. Das Wort erlaubt uns Kommunikation. Wir haben die Möglichkeit mit Worten und Musik zu kreieren. Alle Musiker außerhalb Deutschlands würden jedoch sagen: Zuerst kam Musik. Die Deutschen sagen: Zuerst kam das Wort. Damit habe ich mich in den 80igern beschäftigt. Inzwischen hat sich durch das Internet und das Lernen von Fremdsprachen vieles geändert. Inhaltlich kann man ja Stoffe und Geschichten angehen wie man will, wie man es aktuell braucht. Je nachdem was man gerade für wichtig hält, man kann es immer wieder neu gestalten.

Sie sind in Ihrem künstlerischen Schaffen sehr vielfältig: Schlager, Pop, Jazz, Musical, Theater. Sie standen auch bei Roncalli auf der Bühne. Wie schaffen Sie es immer wieder so erfolgreich zu sein?
Das ist wahrscheinlich so, weil ich das Jetzt immer wieder neu erfinde (lacht). Ich schaue nie zurück. Ich bin neugierig auf das Neue und das Erleben. Ich war immer berühmt und kann immer wieder mal Stopp machen. Für mich ist wichtig, dass mein Leben interessant verläuft. Mein Vater sagte immer:“ You only have the fun, if you making yourself!“. Als Kind fand ich das doof, aber jetzt wo ich erwachsen geworden bin, denke ich: Er hat Recht gehabt. Es kommt zu einem, wenn man es nicht erwartet. Es ist so.

Sie waren 2008 erfolgreich auf Deutschlandtour mit einem 13-Mann-Orchester, 2009 wurde die Tour fortgesetzt. Auch dieses Jahr hatten Sie viele Auftritte. Auf welcher Bühne stehen Sie demnächst?
Am 16.10. mache ich ein Konzert in Sankt Augustin, am 17. und 18.10. im Theater Haus am Park in Hamburg, dann bin ich am 19. und 20.10. in dem großen neuen Konzerthaus in Koppenhagen für das dänische Fernsehen. Ich gastiere auch in Prag. Es geht ununterbrochen weiter. Im Dezember bin ich mit „was ihr wollt“ im Theater Ludwigshafen.

Sie sind nun bei Universal Music, dem weltgrößten und erfolgreichsten Plattenlabel. Was erhoffen Sie sich von dieser Zusammenarbeit?
Ich bin sehr überrascht darüber, wie gut das geht. Darüber, wie gut wir uns gegenseitig verstehen. Ich habe in der Vergangenheit die kleineren Firmen bevorzugt, damit man sich auf mich konzentrieren kann (lacht). Aber ich habe bei Universal ein sehr positives Gefühl, denn ich habe mit sehr guten Leuten zu tun. Ich bin vor allem sehr positiv überrascht von der Arbeit der Arrangeure, welche die alten Songs neu vertont haben. Ich habe Respekt für ein fresh beginning, ein Together, denn ich bin für sie ein neuer Künstler. Ich habe auch Respekt vor dem Mut Vergangenheit und Zukunft zugleich auf eine Platte zu bringen. Das hielt ich erst für utopisch, denn ich dachte: Ich kann die Worte, die ich liebe nicht besser singen als damals. Ich hielt es nicht für möglich „Cowboy“ neu zu machen, denn es war sehr originell für damals. „Freu dich bloß nicht zu früh“ wollte ich auch nicht neu machen. Aber bei Universal haben sie mich wirklich überrascht. Sie sind wahnsinnig motiviert!

Die Chemie muss stimmen.
Ja. Ich weiß, man muss von Anfang an streng sein.
Ich habe Klarheit geschaffen. Ich konnte mich erklären, sie haben mich verstanden. Denn erst muss man sich verständigen. Die Basis muss stimmen. Das muss die gleiche sein. Deswegen muss ich einen Samen pflanzen, denn wenn das nicht gut und gesund gepflanzt ist, kann man den Rest vergessen.

Gibt es Träume, die Sie unbedingt verwirklichen möchten, Projekte an denen Sie arbeiten oder Künstler, mit denen Sie gerne zusammenarbeiten würden?
Ich möchte gern viele verschiedene Felder kreativ und aktiv gestalten. Irgendwann einmal muss ich nicht mehr singen oder kann ich nicht. Dann sollte ich auch nicht. Beim Jazz hatte ich immer so ein Bild von mir, wenn ich alt werde, dann habe ich in der einen Hand eine Flasche Whisky und in der anderen Hand eine Zigarre (lacht). Das Bild kann natürlich bleiben, aber ich bin Akteur und liebe es kreativ zu sein. Die Erfahrung die ich gesammelt habe, möchte ich dann auf andere Felder platzieren. Das wünsche mir: Das ich viele Bilder male in Zukunft, andere Bilder als die Bilder die ich male wenn ich singe.

Sie stehen seit dem achten Lebensjahr auf der Bühne. Was empfehlen Sie jungen Menschen, die unbedingt eine Musikkarriere machen wollen?
Sie sollten auf ihren Bauch hören. Gute Erziehung. Sie sollten sich nicht zu früh von Äußerlichkeiten beeindrucken lassen. Sie sollten ins Theater gehen und viel lesen. Natürlich müssen sie auch einen guten Lehrer finden (lacht). Auf jeden Fall brauchen sie Disziplin, viel Disziplin. Die lernen sie im Theater.

Gitte, Ihre Bühnenpräsenz ist vielfältig. Sie stehen ja auch auf Theaterbühnen und singen!
Ich liebe gutes Theater. Ich sage: „The stage is the world and the world is the stage“. Wir zeigen das Leben auf der Bühne. Ich mag die Disziplin und die Bescheidenheit. Ich könnte meine Gesangsarbeit nicht aushalten ohne Theater. Ich gehe oft ins Theater um meinen Gesang ausüben zu können und mich inspirieren zu lassen. Alles was auf der Theaterbühne passiert, sind die Grundlagen für ein besseres Leben. Aber es muss gutes Theater sein. Claus Maria Brandauer zum Beispiel. Er ist intelligent, er weiß um das Spielerische, Elan, Esprit, Zurückhaltung, Flair. Wenn es das nicht ist, ist Theater Einbildung. Das interessiert mich nicht.

Sie sind eine Weltenbummlerin, leben aber seit 1994 in Berlin irgendwo rechts vom Brandenburger Tor.
Ja, ich bin reisend. Und ich habe einen Koffer in Berlin, Koppenhagen und Rom (lacht).

Reicht Ihnen die Spree nicht?
Nein, ich brauche das Meer und das Salz in der Luft. Ich bin seit über fünfzehn Jahren in Berlin. Es ist sehr lebendig und anregend. Ich habe einen inneren Rhythmus von neun Jahren. Ich bin längst darüber…

(Interview: Eva Magdon) Fotos: Jim Rakete