Freitag, 26. November 2010, 16:20 Uhr

Wolfgang Joop sammelt mit Leidenschaft Stühle

Berlin. Star-Designer Wolfgang Joop (66) lässt heute bei ‘Christie’s’ einige seiner schönsten Möbelstücke versteigern. Ein paar seiner Lieblingsstühle aber behält der leidenschaftliche Sammler. “Es ist nicht so, dass ich alles weggebe. Einige Möbel behalte ich noch, zum Beispiel zwei Liegen von Jean Royère, die mit Seidenvelours in Leopardenmuster von ‘Rubelli’ überzogen sind. Auch das alte Sofa mit Samtüberzug, dass ich bei ‘Christie’s’ von Karl Lagerfeld ersteigert habe, bleibt bei mir. Und dann behalte ich einige Stühle von Alexandre Noll. Ich habe nämlich offen gesagt einen Stuhltick”, räumte der Star-Designer (‘Wunderkind’) im Interview mit dem Onlineportal der ‘Welt’ ein.

Und er schwärmte: “Mein allererstes Sammlerstück war ein gotischer Stuhl. Den hatte ich als Student ertrödelt, aber er war echt. Ich werde ihn sicher nicht weggeben. Ich habe in meinem Leben bestimmt schon 500 Stühle gekauft – weil Stühle für mich so wunderbar skulpturale Gegenstände sind, die den menschlichen Körper umfassen, aufnehmen und halten.”

Warum er einen Teil der Einrichtung aus der Villa ‘Wunderkind’ in Paris versteigern lässt, konnte der Modeschöpfer, der zurzeit seine Kunst in der Berliner Galerie Michael Schultz ausstellt, ganz klar erklären: “Ich will im schönsten Zimmer der Villa malen. Meine Staffelei im besten Licht aufstellen, mit Blick auf das Marmorpalais. Ich merkte auf einmal, dass ich wahnsinnig viele Dinge angehäuft habe. Zum Älterwerden gehört jedoch, auch loslassen zu können. Das kann ich mit meinen Möbeln schmerzfrei üben.”

Teil der Übung ist auch, dass Wolfgang Joop in Zukunft in einem Bett schlafen wird, das er selbst entworfen hat. “Und neben mein neues Bett stelle ich den Paravent aus Pergament, bedruckt mit Pilzen und Vögeln und Putti”, schwärmte der Kreativling und enthüllte verschmitzt, was er an Paravents so toll findet: “Man kann alles kleinteilige, das auf dem Boden liegt, dahinter schmeißen. Und dann ist es auch sehr schön, wenn schon jemand auf dem Bett wartet und man kommt hinter dem Paravent vor, nur mit dem Nötigsten bekleidet. Man muss ja nicht unbedingt direkt vor den Leuten strippen”, gab Wolfgang Joop preis. (Cover)