Montag, 29. November 2010, 17:56 Uhr

Steffen Hallaschka: Interview mit dem Neuen von stern TV

Köln. Steffen Hallaschka übernimmt am 12. Januar 2011 die Moderation des Klassikers unter den TV-Magazinen. Damit folgt er auf Günther Jauch, der die Moderation der Sendung bei RTL nach 20 Jahren abgibt. Produzent von stern TV bleibt weiterhin die i&u TV Produktionsfirma von Günther Jauch.

Hallaschka präsentiert seit 2006 regelmäßig das Verbrauchermagazin “Markt” im NDR und moderiert ebenfalls seit 2006 vertretungsweise die NDR Talk Show. Seit 2010 ist er auch Moderator der ARD-Sendung “Ratgeber Technik”. Er begann seine Laufbahn als 21-Jähriger beim Radio und startete 1993 beim Jugendprogramm des Hessischen  Rundfunks (“Radio unfrisiert”). Den Schritt auf den Bildschirm machte Hallaschka bereits 1996 mit der Moderation der Sendung “100 Grad” bei Deutsche Welle TV und ORB. Es folgten eine Vielzahl von Sendungsmoderationen bei Dritten Programmen der ARD, 3sat und Arte ebenso wie bei privaten Sendern.

“Ich glaube, er wird es sehr gut machen”, zeigt sich Günther Jauch überzeugt von der Wahl seines Nachfolgers. “Er hat seinen eigenen Kopf und er wird der Sendung seinen eigenen Stempel aufdrücken. Aber man sollte ihm einfach Zeit lassen und nicht sofort nach der ersten, zweiten oder fünften Sendung ein Urteil fällen.”

“stern TV”  ist im Jahr 1990 bei RTL auf Sendung gegangen. Im Jahr 2010 (Januar bis Oktober) erreichte die Sendung bisher durchschnittlich 2,92 Millionen Zuschauer. Der Marktanteil beim jungen Publikum (14 bis 49 Jahre) liegt bei durchschnittlich 18,3 Prozent.

Herr Hallaschka, wie würden Sie sich in Kurzform charakterisieren?
Steffen Hallaschka: Ich denke, dass ich ein angenehmer Zeitgenosse bin, der sich sehr für andere Menschen interessiert und der sehr gerne gute Gespräche führt – im Privaten wie im Beruflichen.

Haben Sie sich bei Ihrem Werdegang eigentlich an journalistischen Vorbildern orientiert?
Hallaschka: Ich finde Vorbilder schwierig. Gerade beim Moderieren ist man eher schlecht beraten, jemanden zu kopieren oder nachzueifern. Aber natürlich gibt es Kollegen, die gewisse Einflüsse ausgeübt haben. Ein Fixstern ist sicherlich Günther Jauch. Ich habe ihn schon als Schüler im Radio gehört und dazu die Antennen von Nordhessen zu Bayern 3 ausgerichtet. Friedrich Küppersbusch hat mich immer mit seiner sprachlichen Versiertheit beeindruckt. Und Klaus Kleber ist jemand, der dem Nachrichtenjournalismus eine ganz eigene Note gibt und der mir Sachverhalte mit persönlicher Haltung verständlich erklären kann.

Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass Sie nun die Sendung moderieren?
Hallaschka: Als ich im Sommer hörte, dass es bei ‘stern TV’ eine vakante Personalie geben wird, war ich schon ein wenig elektrisiert. Genau dieses Magazin war schon immer eine der wenigen Sendungen, die mich besonders gereizt haben. Dass ich dann zum Casting eingeladen wurde, war für mich fast wie Weihnachten.

Was ist dann die Steigerungsform zu Weihnachten, schließlich sind Sie aus den Castings als der neue Moderator hervor gegangen?
Hallaschka: Es ist ein verrücktes Gefühl, weil ‘stern TV’ tatsächlich die Sendung ist, die ich mir backen würde, wenn es sie nicht gäbe. Durch die Bandbreite an Themen hat man als Moderator die Möglichkeit, mit Menschen zu sprechen, die eine ungewöhnliche Lebensgeschichte mitbringen. Es gibt eigentlich keine Tabus, das macht die Sendung unberechenbar. Damit ist ‘stern TV’ die letzte Wundertüte im deutschen Fernsehen.

Welchen Weg schlägt die Sendung demnächst mit Ihnen als Lokführer ein?
Hallaschka: Ich setze mich in einen Zug, der sicher und erfolgreich auf seinem Gleis fährt. Ich muss nicht an die Stellschrauben oder gar die Sendung neu erfinden. Das tut sie eh von Woche zu Woche, indem sie Zeitströmungen aufnimmt und auch immer wieder Neues und Verrücktes probiert. Sendung und Moderator werden sich aufeinander zu bewegen.

Gibt es Themen, die Ihnen besonders wichtig sein werden?
Hallaschka: Ich bringe aus der Vergangenheit natürlich eine große Erfahrung aus dem Bereich der Verbraucherthemen mit – ein Themenfeld, das bei ‘stern TV’ ohnehin zu Hause ist und für das ich mich sehr begeistern kann. Außerdem bringe ich für Kulturthemen eine große Leidenschaft auf. Ich gehöre der Generation an, die selbstverständlich mit neuen Medien aufgewachsen ist, deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass wir bei ‘stern TV’ künftig häufiger auch über soziale Netzwerke, Datensicherheit und Gefahren im Netz sprechen werden.

Sie treten als Nachfolger Günther Jauchs in große Fußstapfen. Empfinden Sie das manchmal als Bürde?
Hallaschka: Günther Jauch ist ein Solitär im Fernsehjournalismus, aber es wäre falsch, in respektvolle Starre zu verfallen. Ich bin nicht der zweite Jauch, sondern der erste Hallaschka, und ich werde der Sendung mein eigenes Gesicht geben. Daran wird sich das Publikum auch schnell gewöhnen. Ich glaube aber, dass ich die Sendung in ihrer Tradition und damit auch in der von Jauch fortführen kann. Wir kommen beide aus einer ähnlichen Schule, haben beide im öffentlich-rechtlichen Hörfunkjournalismus angefangen und unterhaltsames, politisches und gesellschaftliches miteinander verbunden.

Sie wechseln von der öffentlich-rechtlichen ARD zum privaten RTL. Muss man dazu immer noch einen großen, tiefen Graben überspringen?
Hallaschka: So langsam wird der eiserne Vorhang mürbe, was auch gut ist. Denn am Ende des Tages machen wir alle Fernsehen und wollen Zuschauer dafür begeistern. Ich glaube, unterscheiden wird es sich vor allem hinter den Kulissen. Die Organisationsstrukturen und Arbeitsabläufe sind einfach anders. Und on air werde ich ab und zu einen Werbeblock anmoderieren, was zwar neu, mir aber nicht unbekannt ist.

Was macht der Privatmensch Steffen Hallaschka?
Hallaschka: Der führt ein unspektakuläres Privatleben, treibt ein bisschen Sport für seine Gesundheit, geht ins Kino, liebt lange DVD-Abende und ist froh, wenn er zwei, drei Wochen im Jahr in den Urlaub entschwinden kann.

(Interview: RTL)

Foto: NDR/Markus Krüger, RTL/Stefan Gregorowius