“Wetten, dass …?” Drama: Samuel Koch drei Monate mit Kopfstütze

Freitag, 10. Dezember 2010, 11:40 Uhr


Düsseldorf. Fast eine Woche nach dem Drama bei “Wetten, dass…?” ist der Gesundheitszustand des 23-jährigen Schaupielstudenten Samuel Koch unverändert ernst. Zur Stabilisierung der gedehnten und gestauchten Halswirbelsäule wurde ein Metallgestell am Kopf angeschraubt.

Wirbelsäulenspezialist Prof. Thomas Niemeyer, Leitender Arzt des Wirbelsäulenzentrums des AK St. Georg in Hamburg, erklärte zu der Funktion des Gestells der Bild-Zeitung: „Ein Halo-Fixateur ist ein Karbonfaser-Ring, der mit vier Schrauben an der Schädeldecke angebracht und über Metallstangen mit einer Plastikweste verbunden ist. Das Gerät verbindet so Kopf und Schultern, der Kopf kann nicht mehr gedreht oder gebeugt werden. Die Halswirbelsäule ist ruhig gestellt.“

In der kommenden Woche wollen die Ärzte des Uniklinikums mitteilen, ob Samuel dauerhaft gelähmt bleibt.

Unterdessen sind wegen dem Unfall vor mehr als zehn Millionen Zuschauern in Deutschland, Österreich und der Schweiz fünf Anzeigen gegen die Verantwortlichen der Show eingegangen, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gestern mit. Ob staatsanwaltschaftliche Ermittlungen aufgenommen werden, müsse erst ausgewertet werden. “Wir gehen derzeit von einem Unfall mit Alleinverschulden aus”, sagte der Sprecher.

Samuel sei vom ZDF durch eine Gruppenunfallversicherung bei der Allianz versichert, offenbar aber nicht durch eine private Haftpflichtversicherer. Private Haftpflichtversicherer zahlen ohnehin nicht bei Schäden, die durch ein Auto verursacht wurden , in diesem Falle müsste die Kfz-Haftpflicht eintreten. Der Gruppenversicherungsvertrag beinhalte unter anderem eine Invaliditätsleistung für den Fall, dass durch den Unfall dauerhafte Gesundheitsbeeinträchtigungen bleiben sollten, erklärte Susanne Seemann, eine Sprecherin der Allianz.

Walter Kehr, Leiter der Pressestelle beim ZDF, erklärte dazu der ‘Süddeutschen Zeitung’: “Wir schließen grundsätzlich für alle Kandidaten Versicherungen ab”. Man tue derzeit alles für die Familie, was getan werden könne – “dazu gehört auch der Versicherungsschutz”.

Die sogenannten “Bouncer” und auch Stuntmänner haben unterdessen das ZDF kritisiert. Samuel habe „zumindest einen Integralhelm mit Nackenstütze tragen müssen“, meint ein Experte gegenüber ‘DerWesten.de’. Günter Bleske, Leiter der Stuntschule an der Medien-Akademie Thüringen, erklärte: “Samuel hätte zumindest einen Integralhelm mit Nackenstütze tragen müssen”. Somit hätte man eine Überdehnung der Halswirbelsäule offenbar verhindern können. Er fügte hinzu: “Samuel Koch hat sich als Stuntman ausgegeben. In der Branche, die sehr klein ist, kennt ihn allerdings keiner. Man kann sich nicht alleine darauf verlassen, was ein 23-Jähriger sagt.”

Wolfgang Stiksel, Marktführer der Bouncer-Szene mit ihren Sieben-Meilen-Stiefeln erklärte zu dem Drama: Wenn es bei uns nur den kleinsten Patzer in einer Probe gibt, wird der Stunt abgebrochen“, sagt er. Danach gehe es zurück ins Trainingslager. Denn in der Show strömten immer weitere Einflüsse auf den Extremsportler ein: andere Lichtverhältnisse, Kameras, das Publikum, die allgemeine Aufregung: “Das schwierigste an der Wette war das Timing. Da hätten Profis am Steuer sitzen müssen.”

Fotos: dpa Picture Alliance



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