Montag, 03. Januar 2011, 20:24 Uhr

Jetzt kommt Anna Depenbusch mit dem zweiten Album

Hamburg. Nein – die Hamburger Sängerin Anna Depenbusch will mit ihrem neuen Album keine verschlüsselten Nachrichten an ihren alten Mathelehrer senden „Ich war eine absolute Niete, wenn`s ums Rechnen ging“, gesteht sie.

Ihre Mathematik der Anna Depenbusch erzählt vielmehr von Un-Berechenbarkeiten. Es geht um Liebe. Um Beziehungen. Um Menschen und Ungleichheiten. Anna komponiert, textet und produziert ihre Lieder selbst. Immer auf der Suche nach der einen Frage, die sich jeder schon mal gestellt hat: Wie funktioniert die Liebe eigentlich? Und warum stellt sie einen immer wieder auf die Probe?

Der Albumtitel spielt auf ein Buch an, das Anna als Teenager gelesen hat. „Die Mathematik der Nina Gluckstein“ von Esther Villar handelt von einer Frau, die nach der Formel für die ewige Liebe sucht. „Ich fand das damals revolutionär. Natürlich funktioniert diese Formel nicht und endet furchtbar tragisch“, erzählt sie mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht.

In den 12 Songs ihres neuen Albums, das am 13. Januar erscheint,  begibt auch Anna sich auf die Suche nach einer Formel und kombiniert dabei unterschiedliche Musikstile. Neben klassischen Balladen zeigt uns die Künstlerin wie vielseitig ihre Musik und ihre Lieder sind – sie mischt Disco-Beats und Polka-Rhythmen, Country-Klänge, Chansons und Zirkusmusikelemente, Streichquartett und großes Orchester. „Es hat mir viel Spaß gemacht, alles so zu kombinieren und arrangieren, wie es mir gefällt. Das ist das Tolle, wenn man seine eigene Produzentin ist.“ berichtet Anna strahlend.

Die Mathematik der Anna Depenbusch ist Musik zum Zuhören und zum Entdecken. Eigenwillig, emotional und collagenhaft. Dabei führt Annas eindringliche Stimme sicher durch ihre bunte Welt. Man trifft auf Titel wie „Wir sind Hollywood“ (die erste Single aus dem Album). Ein kraftvoller, akustischer Popsong, bei dem es um den verstärkt auftretenden Reiz von Schein und Sein geht. „Für mich ist die Hollywood-Traumfabrik absolut überwältigend, aber irgendwie auch berechenbar. Sie ist schillernd und doch eindimensional. Sie ist sexy und dabei gleichzeitig verklemmt.“ Oder auf den wundervollen Liebesreigen „Tim liebt Tina“. Ein verspielter Walzer mit bittersüßem Text über
das Beziehungskarussell.

Zwei Jahre lang hat Anna Depenbusch an ihrem neuen Album gearbeitet, und ein Großteil des Albums entstand während zweier Winter im Schloss Salzau am Selenter See. Hier konnte Anna die drei Dinge, die sie zum Songschreiben braucht, perfekt vereinen: Ein Klavier, einen Raum, in dem sie sich ungestört fühlt, und Zeit. In der kalten Jahreszeit ist der Betrieb geschlossen und Anna fungierte als „Künstlerin in Klausur, Hausmeister und Schlossgespenst“ in Personalunion. „Ich war aber nie im Schloss, sondern immer nur in der Scheune im Wald. Da stand nämlich der Flügel, und so habe ich lange Winterabende dort verbracht. Manchmal bis spätabends und wenn ich dann raus in die Nacht kam, war alles voller leuchtender Gespensteraugen. Es war sehr aufregend.“

Für die Aufnahmen im Frühsommer 2010 hat sich das Hamburger Stadtkind schließlich das traditionsreiche Hafenklang Studio mitten im Hamburger Hafen ausgesucht. „Ich habe mein Klavier während der ganzen Produktion über nicht ans Fenster mit Elbblick gestellt, sondern zur Wand gerichtet, sonst hätte ich doch nur Seemannslieder komponiert. Die Atmosphäre war jedoch allgegenwärtig, so habe ich es sehr genossen, sonntags morgens aufzunehmen, wenn unter dem Studiofenster der Hamburger Fischmarkt tobte.“

Im Juli 2010 ging es für Anna nach Polen, wo sie zusammen mit einem großen Orchester in Wroclaw Arrangements für einige ihrer Songs eingespielt hat. Dazu zählt beispielsweise die ausdrucksstarke Ballade „Astronaut“, die durch die Orchesterarrangements an Größe und Dimension gewinnt. „Ich hänge sehr an diesem Lied. Es hat so eine ganz besondere Kraft und Intimität und soll anregen, zu erforschen, wie viel „Astronaut“ in einem selbst steckt.“

Im Gegensatz zum ersten Album ist Anna experimentierfreudiger geworden. Ihre Inhalte haben an Leichtigkeit gewonnen. So auch der Titel „Glücklich in Berlin“, ein Country-Song mit Banjo, Pedal-Steel Guitar und Western-Fiddle, der sich mit der Frage beschäftigt, wo fühlt man sich wohl und zuhause.

Die Inspiration für ihre Texte nimmt die 32-jährige Sängerin aus Alltagssituationen. „In meinen Liedern beschreibe ich Stimmungen und Gefühle, wie ich sie in mir wahrnehme. Es ist mein Blick auf die Welt und auf Situationen, die ich beobachte oder selbst erlebe. Meine eigene Mathematik der Dinge.“

Musikerin, das war Anna schon früh klar, war der einzige Beruf, der je für sie in Frage kam. Die Rechnung ging auf und so stand sie mit zehn Jahren erstmals auf der Bühne. 2005 erschien ihr Debütalbum „Ins  Gesicht“ und 2009 wurde ihr Titel „Heimat“ für den „Deutschen Musikautorenpreis“ in der Kategorie „Nachwuchs“ nominiert. Persönlichkeiten, die Anna faszinieren, sind Musiker wie Rufus Wainwright und Edith Piaf, oder die Malerin Frida Kahlo. „Ich mag mutige Eigenwilligkeit, Leidenschaft und diese Sehnsucht nach einer persönlichen Wahrheit!“