Samstag, 08. Januar 2011, 11:54 Uhr

DSDS: Muss sich dieser Bohlen jetzt auch hinten anstellen?

Köln/Berlin. In der achten Staffel des Talentezirkus “Deutschland sucht den Superstar”, die Samstagabend auf RTL mit den bizarren Castings eingeleitet wird, ist einiges anders. Es gibt die zwei neue Jurymitglieder Patrick Nuo und Fernanda Brandao, von denen man sicher ist, dass sie die musikalische Kompetenz von Gottvater Dieter Bohlen nicht streitig machen.

Es gibt jetzt also auch Bewerber aus Schweiz und Österreich, die vielleicht auch den Mangel an wirklich talentierten deutschen Bewerbern retuschieren sollen. Und neu ist auch das hier: Dieter Bohlen (56) wir nicht mehr zwangsläufig den Siegertitel komponieren. Denn offenbar reicht es dem Erfinder des Formats, dem britischen TV- und Musikmanager Simon Fuller (50).

Fuller, der einst den Spice Girls zu Weltruhm verhalf, soll sehr unzufrieden mit der Vermarktung der bisherigen DSDS-Gewinner gewesen sein, von denen es gerade mal Mark Medlock geschafft hat, sich von Jahr zu Jahr mit dem Bohlen-Pop in die Charts zu retten.
Wer sich nicht mit Bohlen arrangierte, war der Verlierer, obwohl er DSDS-Gewinner war. Dies ist der augenscheinliche Eindruck, den man bekommt, wenn man die Marketingmasche des Produkts DSDS unter die Lupe nimmt.

Auffälligstes Indiz für den (erzwungenen?) Umbruch hinter den Kulissen: SonyMusic ist den DSDS-Gewinnerdeal los, der weltgrößte Plattenkonzern Universal übernimmt das jetzt. Angeblich, weil es Fuller so wollte. Und Bohlen ist bei Sony unter Vertrag. Es lief die letzten Jahre einfach nicht mehr rund.

RTL erklärte Medienberichten zufolge, dass Dieter Bohlen “wie alle anderen Produzenten Songs für den Siegertitel einreichen” könne. Es dürfte auch dem letzten Experten ein Licht aufgegangen sein, dass man mit dem Bohlen-Einheitsbrei der jedem DSDS-Gewinner aufgezwungen wird, langfristig einfach kein Blumentopf zu gewinnen  ist.

Wer erinnert sich noch an die letzten Singles von Daniel Schuhmacher oder Mehrzad Marashi?

Doch Bohlen ist nun wirklich nicht allein verantwortlich für das Dilemma. 

“Das Problem an den Castingsstars ist”, so beschreibt es der Medienexperte Peer Schader, der u.a. das Fernsehblog der FAZ betreibt, “dass zu viele Leute an ihnen mitverdienen wollen: der Sender, die Produktionsfirma, das Plattenlabel, das Management. Im schlimmsten Falle ergibt sich daraus ein furchtbares Durcheinander.”

Die veranstaltenden Sender von Shows wie DSDS, Popstars und X-Factor haben mit dem Finale längst den größten Reibach gemacht: Mit den eingekauften Werbespots in der Show.

Vielleicht müssen wir endlich begreifen: Es sind einfach nur Gewinner einer TV-Show, keine Plattenstars. So wie eine Quizshow eben einen Gewinner hat und Günther Jauch gelegentlich einen Millionär. Und danach gehen die Lichter aus.

Fotos: RTL/Axel Kirchhof