Sonntag, 09. Januar 2011, 14:12 Uhr

Das Supertalent Freddy Sahin-Scholl arbeitet schon an zwei neuen Alben

Karlsruhe. Keine drei Wochen ist es her, seit die RTL-Zuschauer den Karlsruher Freddy Sahin-Scholl zu ihrem neuen “Supertalent” wählten. Der ehemalige Krankenpfleger beeindruckte und berührte die Nation mit seinen “zwei Stimmen”. Im aktuellen  interview zeigt er sich zielstrebig und bodenständig. Er erzählt, wie sich sein Leben verändert hat, welche Pläne er für das neue Jahr hat und zeichnet seinen Weg zum Erfolg nach – eigentlich wollte er sich gar nicht bei einer Casting-Show bewerben…

Spätestens seit dem 19. Dezember kennt Sie ganz Deutschland, wie hat sich ihr Leben seitdem entwickelt?
Freddy Sahin-Scholl: Natürlich hat sich sehr viel verändert, der Medienrummel ist enorm. Noch heute laufen bei uns rund 600 Mails pro Tag ein, es gibt wahnsinnig viele Anfragen von Agenturen oder Fernsehsendern – am 22. Januar bin ich beispielsweise bei Carmen Nebel im ZDF zu Gast. Ebenso werde ich bei der ZDF-Morgenshow „Volle Kanne“ und bei den Tagesthemen zu sehen sein. Da ist gerade vieles in der Planung. Selbst wenn ich durch die Stadt laufe erkennen mich die Menschen. Natürlich freut mich das einerseits sehr. Andererseits lege ich viel Wert darauf, dass ich meinen Kindern trotz des Rummels ein normales Familienleben bieten kann. Gerade waren wir einige Tage auf Fuerteventura, um etwas Ruhe zu finden.

Mehr als 40.000 Menschen hatten sich für „Das Supertalent“ beworben, wie darf man sich den Verlauf der Show vorstellen?
Sahin-Scholl: Das war natürlich ein Riesenaufwand. Zunächst gab es in vielen Städten eine Vorauswahl, ich war beispielsweise in Köln. Dort wurden aus den 40.000 etwas mehr als 140, die sich in den Live-Shows präsentieren durften. Die Jury hat sich dann für 40 Kandidaten entschieden, die in den Halbfinals antreten konnten. Es freut mich natürlich besonders, dass sich im Finale dann die Zuschauer für mich entschieden haben!

Wie sind Sie zu der Bewerbung für „Das Supertalent“ gekommen?
Sahin-Scholl: Eigentlich wollte ich dort gar nicht hin. Wir haben bei uns zu Hause gar keinen Fernseher und kannten das Format überhaupt nicht. Als mich dann Freunde darauf hingewiesen und mich aufgefordert haben, mich dort zu bewerben, habe ich erst gezweifelt. Ich stehe zwar bereits einige Jahre auf der Bühne, aber vor einer Jury stand ich noch nie. Da hatte ich schon Angst vor einer schlechten Kritik. Als ich mich dann entschieden habe, doch teilzunehmen, habe ich deshalb auch meinen bürgerlichen Namen benutzt und nicht meinen Künstlernamen „Galileo“, mit dem ich schon viele Jahre auftrete. Eigentlich ist es schade, dass es erst einer Casting-Show bedarf, damit man in der Öffentlichkeit Beachtung findet.

Sie haben sich schon vor „Das Supertalent“ für den österreichischen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest angemeldet – kommt es 2011 zum Duell mit Lena Meyer-Landrut?
Sahin-Scholl: Das ist echt eine interessante Geschichte. Ich habe öfter in Wien zu tun und wurde bei der Gelegenheit einmal gefragt, ob ich dort mitmachen möchte. Da dachte ich mir „Warum nicht?“ und habe mich angemeldet. Jetzt ist ganz Österreich in heller Aufregung. Im Internet wird meine Bewerbung sehr kontrovers diskutiert. Derzeit läuft die Vorauswahl, also ist noch lange nichts entscheiden, aber vielleicht darf ich wirklich Österreich beim Song Contest vertreten, ja.

Wie kommt es zu dieser Verbindung nach Österreich?
Sahin-Scholl: Ich setze mich dort als Botschafter für das Kinderprojekt „United Social Network“ (uneson.org) ein, dessen Ziel es ist Kinder zu einem engagierten und sozialen Miteinander zu bewegen.

Sie haben bereits kurz nach dem Finale Ihr Album veröffentlicht – lag das bereits in der Schublade?
Sahin-Scholl: Genau genommen gibt es das Album bereits seit 1999! Damals habe ich die CD mit großem persönlichem Risiko selbst produziert. Nach meinen Jahren als Krankenpfleger wollte ich mich künstlerisch ausleben. Ich habe damals sogar meine Lebensversicherung dafür aufgelöst, aber ich habe immer gewusst, dass ich auf meine Musik vertrauen kann. So kam es dazu, dass ich mit Edo Zanki im Studio stand und das Album aufgenommen habe. Das muss man sich mal überlegen, dass es jetzt elf Jahre und eine Casting-Show gedauert hat, bis das Album eine solche Aufmerksamkeit bekommt.

Wie sehen Ihre Pläne für 2011 aus? Dürfen sich Ihre Fans auf eine Tour freuen?
Sahin-Scholl: Also zunächst stehen natürlich wie erwähnt viele Termine an. Zudem arbeite ich noch an zwei neuen CDs. Ich kann mir schon vorstellen, im Sommer auf Tour zu gehen. Aber meine Musik ist ja keine Popmusik, bei der ich einen Schlagzeuger und Background-Tänzer mitnehme. Wenn ich das mache, dann brauche ich eine gute Inszenierung und das braucht auf jeden Fall Vorbereitungszeit.

Bislang wurden Sie von Ihrer Frau gemanagt – ändert sich durch den Erfolg bei RTL etwas?
Sahin-Scholl: Nein! Die Strukturen sind ja alle da. Natürlich war ich während der Show vertraglich an RTL gebunden und auch heute arbeiten wir mit dem Sender eng zusammen. Aber das Management übernimmt weiterhin meine Frau. So können wir sehr viel besser ausbalancieren, dass auch das Familienleben nicht zu kurz kommt. Außerdem fühlt es sich sehr gut an, selbst zu entscheiden, was man machen möchte und was nicht.

Einige Menschen dachten, dass Sie ihren Siegertitel „Carpe Diem“ gar nicht selbst geschrieben haben…
Sahin-Scholl: …und sie lagen damit falsch! Ich habe das Lied bereits 1999 geschrieben. 2008 hat Sarah Brightman den Titel im Duett mit Mario Frangoulis herausgebracht. Es ehrt mich natürlich, dass eine Künstlerin wie sie mein Lied singt. So war es zu den Vermutungen gekommen, umso überraschter war man, als die Wahrheit bekannt wurde.

Könnten Sie sich denn auch eine Rolle in der Oper vorstellen?
Sahin-Scholl: Eher nicht. Ich bin kein Opernsänger und habe keine Ausbildung. Für mich sind meine zwei Stimmen eine Ausdrucksform. Auf meinem Album gibt es auch Balladen oder soulige Lieder. Ich bezeichne mich weniger als „Sänger“ und mehr als „Künstler“.

Sie stehen schon viele Jahre auf der Bühne, warum hat der Durchbruch so lange auf sich warten lassen?
Sahin-Scholl: Das muss man realistisch sehen, ohne die Medien geht heute nichts mehr. Bei dem heutigen Informationsüberfluss bedarf es einer großen Show, um die Masse zu erreichen. Und wo gibt es die in Deutschland schon? Klar, da wäre „Wetten, dass…?“, aber dort kommt man ja erst hin, wenn man schon sehr bekannt ist…

…was sie ja nun sind!
Sahin-Scholl (lacht): Ja, aber erst seit „Das Supertalent“. Gerade da es keine große Musikshow im deutschen Fernsehen gibt, ziehe ich den Hut vor RTL, dass sie mit diesem Format vielen Menschen mit den unterschiedlichsten Talenten eine Plattform bieten. Im Nachhinein gesehen war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung, dort mitzumachen. Ich möchte über meine Musik etwas sagen und das ist als Einzelkämpfer heute nicht mehr möglich.

(Interview: Mit freundlicher Genehmigung von Boulevard Baden)

Fotos: SonyMusic/Thomas Fähnrich