Dienstag, 11. Januar 2011, 13:30 Uhr

Die pinkelnde Polizistin Petra sorgt für einen Skandal

Dresden/Leipzig. Petra mit den heruntergelassenen Uniform-Hosen ist ein Werk des 27-jährigen Kunststudenten Marcel Walldorf und derzeit Teil einer Ausstellung der Kunsthochschule Dresden. Die Bild-Zeitung nannte die lebensecht wirkende Skulptur gleich einen Kunst-Skandal und Sachsen Innenminister Markus Ulbig fiel drauf rein und tobte: “Es ist eine Beleidigung der Polizistinnen und aus meiner Sicht eine Verletzung der Menschenwürde. Ich bin schockiert, dass es Gremien gibt, die solchen sogenannten Künstlern Preise verleihen.”

Denn erst letzte Woche hat die Hamburger Leinemann-Stiftung das Werk mit einem dritten Platz seines Nachwuchspreis ausgezeichnet.

Eine Sprecherin der Kunsthochschule erklärte daraufhin, Walldorf verstehe die Aufregung um sein Werk überhaupt nicht. Er wolle die Verletzlichkeit eines Menschen darstellen, der seines Schutzraumes beraubt sei.

Wie er überhaupt auf die Idee kam, erklärte Walldorf der ‘Sächsischen Zeitung’ so: Ein Freund wohnt an einem Park, wo sich die Trupps sammeln. Vom Fenster des Kumpels aus konnte er auch sehen, wie die Polizisten ihr Geschäft verrichten: “Beim Anblick der Männer habe ich mich gefragt, was Frauen in dieser Notlage tun – noch dazu in ihrem Kampfanzug.”

Die pinkelnde Polizistin Petra wurde im letzten Jahr in der Leipziger Galerie “Potemka” kurz gezeigt und da nahm komischerweise noch keiner so recht Anstoß an ihrer Haltung. Schnell war jedoch ein Interessent da, der die lebensecht aussehende hockende Dame in Kampfuniform mit der Pinkelautomatik im Körperinneren gekauft hat.

Die Leipziger Galeristin Lu Potemka erklärte dazu gegenüber klatsch-tratsch.de: “Petra ist bislang einmal verkauft an eine Privatsammlung in Berlin. Und aus Berlin kommt auch der zweite Auftrag. Das heißt, wenn Marcel Interesse daran hat, ist die zweite Petra bereits vorbestellt. Es gibt auf Grund des Rummels im Moment noch weitere Anfragen, allerdings konzentrieren wir uns im Augenblick auf die Ausstellungseröffnung von Marcel Walldorf am Freitag in meiner Galerie. Über Preise will ich nicht in aller Öffentlichkeit reden.”

Über die Bemerkung von Sachsens Innenministers kann Frau Potemka nur lachen: “Ich freue mich außerordentlich, dass sich auch Fachfremde öffentlich zu Kunstthemen äußern – grundsätzlich. Allerdings sollte sich ein Innenminister auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und diese liegen ja offensichtlich nicht in der Kunst.”

Und Prof. Dr. Ralf Leinemann, Stifter des Hamburger Kunstpreises, sagt dazu gegenüber der ‘Zeit’: “Ich vermute, die ganze Aufregung liegt an der Uniform. Einer Staatsmacht, die auf Autoritätswahrung bedacht ist, muss alles, was eine Uniform persifliert oder vermenschlicht, unangenehm sein.”

UPDATE: Im Interview mit “Spiegel online” erklärte Walldorf inzwischen: “Frauen finden die Skulptur nicht diskriminierend, sondern schreiben, dass die Skulptur die Situation gut aufzeigt. Wobei ich natürlich nicht weiß, ob auch Polizistinnen unter den Frauen sind. Ich bekomme unheimlich viel Rückhalt von meinen Professoren und Mitschülern.”

Foto: Marcel Walldorf/Potemka