Freitag, 21. Januar 2011, 20:52 Uhr

Caroline Henderson will jetzt Deutschland erobern

München. Kann man einen Evergreen wie „Caravan“ heutzutage noch so aufregend interpretieren, dass er so frisch klingt wie junger Morgentau? Caroline Henderson kann das. Und die schwedische Jazzsängerin hat auch eine Erklärung dafür, warum all die Coverversionen auf ihrem nunmehr neunten Album „Keeper Of The Flame“ so packend klingen. Heute erscheint das Album endlich auch in Deutschland.

„Ein Aspekt, den ich an Jazz besonders schätze, ist seine zeitlose Präsenz. Ein Song aus den 40ern kann noch immer so klingen, als sei er erst gestern geschrieben worden, und das ist genau das, was es so reizvoll und inspirierend macht, mit diesen klassischen Songs zu arbeiten. Wie es im Titelsong so schön heißt, man muss die Flamme brennen lassen. Das gilt für Musik ebenso wie für die Liebe.“

Doch Caroline Henderson, die sich für ihr Album nicht nur Songs ausgesucht hat, die man von Diven wie Billie Holiday und Nina Simone kennt, sondern auch zeitgenössischere Songs von PJ Harvey und Tom Waits unter ihre Fittiche genommen hat, versteht es glänzend, ihren Interpretationen immer wieder überraschende Wendungen zu verleihen. Classics reloaded with a special twist.

Die nunmehr in Dänemark lebende Sängerin hat sich bereits mit einigen Jazzalben in die Herzen des europäischen Publikums gesungen, zuletzt vor zwei Jahren mit dem Album „No. 8“, das von Stereoplay sogar als „eine der Platten des Jahres“ gelobt wurde. Dabei wollte die Sängerin, deren Vater ein Jazzdrummer war, zunächst gar nicht so viel mit Jazz zu tun haben.

Die Künstlerin, die auch einige Jahre in den USA gelebt hat, versuchte sich zunächst als Popsängerin, nahm auch mal ein ganzes Album mit Discoklassikern auf und fand dann schließlich vor einigen Jahren doch zum Jazz. Mit Erfolg: Für ihr 2006 erschienenes Album „Love Or Nothin‘“ wurde sie mit einem Dänischen Grammy ausgezeichnet. Neben ihrer Gesangskarriere arbeitet Caroline Henderson auch als Fernsehmoderatorin sowie als Schauspielerin am Theater und gelegentlich auch für Film und Fernsehen, unter anderem in dem spanischen Melodram „Tuya siempre“. Ihre wahre Passion ist jedoch die Musik.

„Keeper Of The Flame“ besteht bis auf die wie ein James-Bond-Song aufgebaute Eigenkomposition „Evolution“ ausschließlich aus Coverversionen. Dabei versteht es Caroline Henderson, sich die Songs auf atemberaubende Art und Weise einzuverleiben. Die kongeniale Mischung aus Jazzklassikern wie „Get Out Of Town“ von Cole Porter und Nat King Coles „Nature Boy“ einerseits und zeitgenössischen Titeln wie „This Is Love“ von PJ Harvey und „Yesterday Is Here“ von Tom Waits andererseits macht den besonderen Reiz dieses Albums aus.

„Caravan“ ist ein wunderbares Beispiel, wie es der Sängerin mit der warmherzig-souligen Stimme gelingt, mit der Unterstützung ihres angestammten Produzenten Anders Christensen, der auch alle Bass-Parts spielt, einem unverwüstlichen Klassiker neues Flair zu verleihen. „Dieser wundervollen Duke-Ellington-Nummer haben wir ein zeitgenössisches Gewand verpasst. Der Schlagzeug-Beat ist stark von den Rolling Stones inspiriert und die Streicher geben dem Song etwas Exotisches.“

Caroline Henderson nähert sich den Songs mit großem Respekt und gleichzeitig mit viel Mut, Neuland zu betreten. Sei es das arabisch anmutende Arrangement des vielfach interpretierten „Nature Boy“, die meditative Eleganz der Liebesballade „The First Time I Ever Saw Your Face“ oder das somnambule Schaudern, das ihre zärtliche Interpretation von Billie Holidays „For All We Know“ erzeugt, Henderson singt, ja lebt die Songs mit Bravour. Und auf einige Songs, wie etwa „Ring Them Bells“, hat sie sich lange vorbereitet.

„Diese alte Bob-Dylan-Nummer hat einen der fantastischsten Songtexte, die jemals geschrieben wurden und deren Thematik zunehmend relevanter geworden ist. Ich habe diesen Song schon lange mit mir herumgetragen und gerade weil er so einzigartig und schön ist, habe ich gewartet, bis ich das Gefühl hatte, das Beste aus ihm herausholen zu können.“

Zudem hat sie sich bei diesem Song einen lang gehegten Wunsch erfüllt und arbeitete bei der Aufnahme mit dem Copenhagen Royal Chapel Choir zusammen, der ihrer Interpretation eine adäquate Ernsthaftigkeit verleiht. „Keeper Of The Flame“ ist eines dieser Jazzalben, von denen man lange zehren kann. Bei aller Vertrautheit, die sich durch die Songauswahl ergibt, lassen sich hier immer wieder neue Facetten entdecken, die den Wunsch nähren, noch häufig von dieser Künstlerin mit derart außergewöhnlichen Songs beglückt zu werden.

Fotos: Stephen Freiheit/Sony