Freitag, 28. Januar 2011, 19:43 Uhr

Darum ist die Karriere von Jay Khan noch nicht im Eimer

Berlin. Erst die Vorwürfe von Sarah Dingens, dann die angeblich gestellten Liebesszenen zwischen Jay Khan und Co-Dschungelcamperin  Indira Weis. Die Fernsehnation glaubt angesichts der Bilder und der Diskussionen im Camp noch immer: Alles nur inszeniert und der Buhmann ist Jay Khan. Hat der 28-jährige Camp-Strippenzieher alle Chancen seiner Glaubwürdigkeit für immer verspielt? Ist seine Karriere endgültig im Eimer?

klatsch-tratsch.de sprach darüber mit dem Berliner Medienexperten Prof. Dr. Jo Groebel.

Die halbe Nation durchschaut das halbseidene Spiel des Dschungel-Protagonisten Jay Khan. Woran liegt es, dass er so unglaubwürdig rüberkommt und sich bei einem Großteil der TV-Zuschauer die Sympathie in Antipathie wandelte? Was hat er Ihrer Meinung nach falsch gemacht?
Ich sage nicht, dass er etwas falsch gemacht hat. Was man regulieren müsste ist, dass in diesem Fall alles zu gemacht und zu kalkuliert wirkt. Darauf reagieren Leute einfach empfindlich. Der Vorwurf zu den gemachten Absprachen vorweg ist ja nicht von ungefähr. Beim Dschungel ist vieles inszeniert, aber an dieser Stelle ist es zu dick.

Taugt das Dschungelcamp überhaupt zur PR-Plattform in eigener Sache?
Das Camp taugt in jedem Fall zu einer riesigen PR-Plattform, weil man innerhalb so kurzer Zeit, und das zeigen die Quoten, nirgendwo sonst soviel Prominenz schaffen kann – im Guten wie im Schlechten. Nur wer im Camp in der Lage ist, den gewonnenen Ruhm umzusetzen, zum Beispiel in eine Imageänderung – das werden wir bei Sarah sehen – kann eine Menge für sich draus machen. Nur: Es muss immer authentisch und echt wirken. Jemand der versucht innerhalb dieser grandiosen PR-Plattform seine eigene PR-Schiene zu fahren, wird scheitern, denn das funktioniert nicht. Hinterher kann man das machen, nicht mittendrin.

Insgesamt muss ich sagen: Das Dschungelcamp ist Unterhaltung, ein Spiel, es bewegt nicht die Welt. Es wird überbewertet. Es ist absurd, es so ernst zu nehmen. Als Format für Unterhaltung ist es sehr gut gemacht.

Wenn Jay Khan in der Zivilisation zurück ist, wird er überrascht sein über das negative Bild von sich in der Öffentlichkeit, dass er sich ganz sicher so nicht erhofft hatte. Ist damit seine “Karriere” vollständig im Eimer und wie kann man das reparieren?
Nein. Was wir im Fernsehen sehen sind doch nur Ausschnitte zu Persönlichkeiten und Situationen. Es ist absurd zu glauben, dass Dschungelcamp eine Person vollständig abbildet. Es wird verdichtet. Natürlich wird man erstaunt sein wenn man hinterher rauskommt, was da alles geschrieben wurde. Aber umgekehrt wird auch ein Schuh draus. Wir sehen an Caroline Beil oder Antony Ross, dass nach dem Dschungelcamp Prominenz positiv nutzbar ist, indem man sich mit seinem wirklichen ICH zeigt. Dschungelcamp allein ist nicht repräsentativ, aber es ist gut um präsent zu sein und dann kann man das weiter ausbauen.

Es gilt das alte PR-Prinzip: Eine negative Schlagzeile ist besser als gar keine.

Wenn RTL nur bestimmte Facetten und Ausschnitte zeigt, trägt der Sender dann nicht eine Mitschuld daran, dass Jay Khan nun als Buhmann der Nation das Camp verlässt?
Der Sender macht ein Casting und wählt bestimmte Persönlichkeiten aus. Niemand verlässt das Camp und ist für immer geächtet. Wer sich jedoch auf das Camp einlässt, muss die Mechanismen einigermaßen kennen. Natürlich werden Dinge zugespitzt und verstärkt, aber das ist Teil der Dramaturgie. Bei einem Shakespeare-Drama lastet man doch dem Autor oder Regisseur im normalen Leben auch nicht an, dass er das Stück so geschrieben bzw. entsprechend des Textes inszeniert hat. Braucht das Stück als Gegenpart einen Bösen, so schreibt und besetzt man die Rolle des Bösen. Ob Shakespeare oder Dschungelcamp: Es ist und bleibt eine Show. Es geht um Unterhaltung. Es sind keine echten Hassobjekte unterwegs. Es sind Ausnahmesituationen, die man so im normalen Leben nie hat. Und in dem einen oder anderen Punkt entdeckt sich der ein oder andere vielleicht auch selbst.

(Das Gespräch führter Eva Magdon)

Fotos: RTL/Stefan Menne

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