Donnerstag, 03. März 2011, 14:08 Uhr

Christoph Waltz: "Keine Lust, der beste Freund von irgendwem zu sein“

München. Einen großen Teil des Jahres verbringt Oscar- Preisträger Christoph Waltz in seiner Wahlheimat Los Angeles, mit GQ Style sprach er über die kulturellen Besonderheiten der US-Amerikaner: „Ich habe alles mit Interesse beobachtet und versucht zu lernen, wie dieses System funktioniert. Und ich habe akzeptiert, dass es anders ist“, so Waltz.

In seinem neuen Film „Wasser für die Elefanten“, der am 28. April in die Kinos kommt, spielt der Österreicher an der Seite von Robert Pattinson und Reese Witherspoon einen cholerischen Zirkusdirektor. Waltz erkennt gewisse Parallelen zwischen Schauspiel und Manege: „Manchmal fühlt sich mein Tun tatsächlich an wie Zirkus.“

Eine klare Meinung hat Christoph Waltz übrigens auch zum Thema Manieren. Auf die Frage, ob er Wert auf korrekte Umgangsformen lege, sagt Waltz: „Exakt, und dass man sich nach dieser Form richtet.“

Als Beispiel führt er das typisch deutsche „Sie“ an: „Früher haben die Menschen einander gesiezt, sogar, wenn sie sich sehr sympathisch waren oder sich bereits eine ganze Weile kannten. Heute komme ich manchmal an einen Drehort, und da sind junge, wirklich nette Mitarbeiter, die ich noch nie in meinem Leben gesehen habe und die jünger sind als meine eigenen Kinder. Aber sie duzen mich, als wäre ich mit ihnen zur Schule gegangen. Da habe ich was dagegen“, so der 54-Jährige gegenüber GQ Style. „Abgesehen davon habe ich auch einfach keine Lust, plötzlich der beste Freund von irgendwem zu sein.“

„An meine Frustration kann ich mich lebhaft erinnern“, beschreibt der Oscar- Gewinner die Zeit vor seinem internationalen Durchbruch. „Was war ich
frustriert. Ich habe nie verstanden, warum ich immer nur an der Peripherie des Kinos entlangditschte.“ Waltz fühlte sich als Talent lange Zeit verkannt: „Man wollte mich da offenbar nicht hineinlassen. Tom Tykwer hat das mal nonchalant ausgedrückt, indem er etwas sagte wie ‚Der war nicht auf unserem Radar’. Da frage ich mich, ehrlich gesagt, ob es an mir liegt oder am Radar.“

Fotos: 20th Century Fox